Gewinne und Boni: Europas „arme“ Banker

Gewinne und Boni: Europas „arme“ Banker

, aktualisiert 05. Mai 2017, 12:15 Uhr
von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Längst hat sich im globalen Bankgeschäft eine Zweiklassengesellschaft etabliert. Das gilt nicht nur für die Gewinne, sondern auch für die Boni, die Erfolgsmaßstäbe. Ein Kommentar.

Auch zehn Jahre nach der Finanzkrise ist der alljährliche Bonus für viele noch immer das entscheidende Maß für den Erfolg eines Investmentbankers. Die britische Internetseite Emolument.com hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht: Sie befragt regelmäßig Banker in der Londoner City und bastelt daraus Tabellen, aus denen die Herren des Geldes dann ablesen können, ob sie bei der Konkurrenz nicht doch noch ein paar Pfund mehr einstreichen könnten.

Das Ergebnis der diesjährigen Umfrage unter 1640 Bankern nach Ende der Bonussaison bringt ein klares Ergebnis: Die US-Banken in der City zahlen klar besser als ihre europäischen Konkurrenten. Ein durchschnittlicher Banker im Rang eines Directors kam demnach im vergangenen Jahr bei einer europäischen Bank auf ein Gesamtgehalt von 254.000 Pfund, 90.000 Pfund davon entfielen auf den Bonus. Bei einer britischen Bank lag der durchschnittliche Bonus immerhin bei 115.000 Pfund und das Gesamtgehalt bei 285.000 Pfund. Deutlich besser schnitten die Directors der US-Banken in der City mit einem Grundgehalt von 174.000 Pfund und einem Bonus von 155.000 Pfund ab.

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Das Ergebnis ist nicht besonders überraschend. Während die US-Banken die Finanzkrise schon lange hinter sich gelassen haben und längst wieder vor Kraft strotzen, kämpfen viele europäische Geldhäuser noch immer mit den Spätfolgen der Verwerfungen und stecken mitten im Umbau. Das zeigt sich auch in den Ergebnissen. Während der US-Bankriese JP Morgan im ersten Quartal 2017 6,5 Milliarden Dollar verdient hat, brachte es die Deutsche Bank gerade einmal auf 575 Millionen Euro. Kein Wunder, dass die Londoner JP Morgan-Banker mit einem Anteil von 28 Prozent am glücklichsten mit ihren Gehältern und Boni waren.

Aus der Emolument-Umfrage lassen sich aber noch zwei weitere Lehren ziehen. Die erste: Investmentbanking macht nicht unbedingt reich, zumindest nicht am Anfang. Jung-Banker im Rang eines Analysts brachten es im vergangenen Jahr bei einer europäischen Bank auf ein Gesamtgehalt von 57.000 Pfund und auch bei den US-Banken wuchsen mit durchschnittlichen 78.000 Pfund die Bonus-Bäume nicht in den Himmel.

Die zweite Lehre lautet: Der Bonus allein macht auch Investmentbanker nicht glücklich. Obwohl die Deutsche Bank ihre Prämien im vergangenen Jahr drastisch zusammengestrichen hat, waren immerhin 25 Prozent der Banker zufrieden mit ihrem Gehalt, nur drei Prozent weniger als bei JP Morgan und sechs Prozent mehr als beim Wall-Street-Riesen Citi. Die US-Bank Goldman Sachs konnte sogar nur 16 Prozent ihrer Banker monetär glücklich machen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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