Gewinnrückgang bei Munich Re: Abschied mit Wehmut

Gewinnrückgang bei Munich Re: Abschied mit Wehmut

, aktualisiert 07. Februar 2017, 08:56 Uhr
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Der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, gibt den Stab bald an seinen Nachfolger ab.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re muss für 2016 einen Gewinneinbruch vermelden. Dieser war stärker als erwartet. Niedrigzinsen und die Tochter Ergo verhindern einen glänzenden Abgang von Vorstandschef von Bomhard.

FrankfurtKlammheimlich dürfte er auf mehr gehofft haben. Ende April gibt Nikolaus von Bomhard das Steuer an der Spitze des weltgrößten Rückversicherers Munich Re an seinen designierten Nachfolger Joachim Wenning weiter. Der Mann mit der feinen Brille und den klaren Ansichten, der seit mehr als zwölf Jahren auf dem Chefsessel des  Giganten aus der Königinstraße in München sitzt und zu den Charakterköpfen der Branche zählt, verabschiedet sich nun mit durchwachsenden Geschäftszahlen.

Ein anhaltender Preiskampf und die Sanierung der Direktversicherungs-Tochter Ergo haben dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re im abgelaufenen Jahr einen Gewinnrückgang eingebrockt. Unter dem Strich stand noch ein Überschuss von 2,6 Milliarden Euro und damit etwa 16 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie der Dax-Konzern am Dienstag auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Das war noch etwas weniger als von Analysten erwartet – und der dritte Gewinnrückgang in Folge. „Wir sind mit dem Ergebnis 2016 zufrieden“, lautete dennoch das Fazit von Finanzchef Jörg Schneider, der am Dienstag die Zahlen vortrug.

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Für von Bomhard ist es ein Abschied mit Wehmut nach einem turbulenten Jahr: Im Sommer hatte der Konzern seine Ergebnisprognose wegen des teuren Umbaus der Erstversicherungstochter Ergo zunächst um ein Viertel gesenkt, um sie im Herbst dann wieder anzuheben.  Einen Überschuss von „deutlich mehr als 2,3 Milliarden Euro“ stellte der Konzern seitdem in Aussicht – und hielt nun Wort, wie aus den Zahlen hervorgeht, die Finanzchef Jörg Schneider vorlegte.

Dennoch dürfte der Jubel in der Zentrale in der Königinstraße in München verhalten ausgefallen sein. Denn von Bomhard bleibt das verwehrt, wonach sich die meisten Chefs beim Stabwechsel sehnen: eine Übergabe mit einem Ergebnis mit Goldrand.

Munich Re kann damit nicht Schritt halten mit dem einheimischen Rivalen Hannover Rück. Der drittgrößte Rückversicherer der Welt aus Niedersachsen und sein Mutterkonzern Talanx haben das Jahr 2016 mit deutlich mehr Gewinn abgeschlossen als geplant. Der Überschuss der Hannover Rück dürfte mit 1,17 Milliarden Euro zum zweiten Mal in der Unternehmensgeschichte die Milliardenschwelle überschritten haben, wie der M-Dax-Konzern am Dienstag mitteilte.

Das ist mehr als die angepeilten mindestens 950 Millionen und mehr als von Analysten erwartet. Im Vorjahr hatten die Niedersachsen 1,15 Milliarden Euro verdient. In der vergangenen Woche hatte der Vorstand seine Prognose für 2017 nach oben gesetzt. In München ist von solcher Euphorie wenig zu spüren.


Preise sind im freuen Fall

Der Umbau der schwächelnden Erstversicherungstochter Ergo und Naturkatastrophen in Übersee hinterließen beim Rückversicherer aus der Königinstraße nahe des Englischen Gartens ihre Spuren. Die Schäden durch den Hurrikan „Matthew“ und das Erdbeben in Neuseeland hätten im vierten Quartal zusammen mit fast einer halben Milliarde Euro zu Buche geschlagen, hieß es. Auch im Gesamtjahr seien die Großschäden deutlich höher ausgefallen als im Vorjahr. Ergo, die schon im Jahr zuvor einen Verlust verbuchte, schrieb auch 2016 rote Zahlen. Im Vorjahr hatte die Munich Re noch im Gesamtjahr einen Gewinn von 3,1 Milliarden Euro eingefahren.

Die Munich Re ist allerdings kein Einzelfall. Ein harter Preiskampf und immer mehr branchenfremde Konkurrenz machen der Branche insgesamt zu schaffen: Seit längerem stecken Rückversicherer wie Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück in der Defensive. Jahrelang hatten die Rückversicherer, bei denen sich die Assekuranzen gegen ihre Risiken versichern, blendend verdient. Zweistellige Eigenkapitalrenditen waren in der Branche zeitweise der Normalfall. Doch in den letzten Jahren leidet die Branche unter einer Preiserosion.

Zum einen drängt neue Konkurrenz in den Markt: Hedgefonds und andere finanzkräftige Kapitalgeber, die sich im Niedrigzinsumfeld mit niedrigeren Renditen zufriedengeben als die auf ihr Risiko bedachten Rückversicherer. Zum anderen gab es länger keine für die Branche kostspieligen Naturkatastrophen mehr, so dass viele Erstversicherer, die auf dicken Kapitalpolstern sitzen, lieber selbst ein größeres Risiko eingehen, statt sich rückzuversichern. 71 Milliarden Dollar Kapital sind so in den Markt gekommen – ein Fünftel der weltweiten Rückversicherungskapazität, wie die Ratingagentur A.M. Best ausgerechnet hat. Folge: Die Preise für Rückversicherungsschutz sind seit 2013 im freien Fall, was auch die Munich Re zu spüren bekommt.

Doch nun wächst die Hoffnung auf eine Wende. Bei der wichtigen Vertragserneuerung im Schaden- und Unfallgeschäft Anfang 2017 konnte die Munich Re den seit Jahren grassierenden Preisrückgang auf ein halbes Prozent eindämmen. Dabei verzichtete der Konzern auf unrentable Verträge. Das zum 1. Januar gezeichnete Geschäftsvolumen ging um 4,9 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro zurück. Es ist ein verhaltener Optimismus, den auch die Hannover Rück verbreitet. Die Bruttoprämie in der Schaden- und Personen-Rückversicherung werde in diesem Jahr um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz steigen, lautet nun die Einschätzung aus der niedersächsischen Hauptstadt.

Es ist eine Hoffnung, die auch den designierten Munich-Re-Boss Joachim Wenning beflügelt, der Ende April auf von Bomhard folgen wird. Denn trotz des deutlichen Gewinnrückgangs will der Gigant aus München zum Führungswechsel das Füllhorn noch ein Stück weiter öffnen. Die Dividende soll von zuletzt 8,25 auf 8,60 Euro je Aktie steigen und damit höher ausfallen als von Experten vorausgesagt. Eine Geste, die ein deutliches Signal an die Investoren ist: Denn sie macht deutlich, dass Wenning den Konzern weiter als Dividendentitel sieht – und auf eine Wende zum Besseren setzt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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