GfK-Konsumklimaindex: Konjunktur und Arbeitsmarkt beflügeln Konsum

GfK-Konsumklimaindex: Konjunktur und Arbeitsmarkt beflügeln Konsum

, aktualisiert 24. Mai 2017, 09:29 Uhr
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Trumps Reformen zu den US-Einfuhrzöllen könnten exportorientierte Länder schwächen und beispielsweise in der deutschen Autoindustrie Jobs kosten, was die Verbraucherlaune entsprechend betrübe.

Quelle:Handelsblatt Online

Die gute Wirtschaftslage und der robuste Arbeitsmarkt heben die Verbraucherlaune an – trotz Brexit und Terror. Die Bereitschaft zu großen Anschaffungen geht aber zurück. Ein Risiko ist zudem Trumps Abschottungspolitik.

NürnbergDer anhaltende Wirtschaftsboom und ein robuster Arbeitsmarkt haben im Mai die Verbraucherstimmung in Deutschland beflügelt. Die Erwartungen an Konjunktur und eigenes Einkommen seien weiter hoch, teilte das Marktforschungsinstitut GfK am Mittwoch in seiner monatlichen Konsumklimastudie mit. Die Anschaffungsneigung war dagegen leicht rückläufig, blieb aber auf hohem Niveau.

„Die Bundesbürger sehen die heimische Konjunktur auch im späten Frühjahr 2017 klar im Aufwind“, berichtete GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Der entsprechende Indikator legte mit einem Plus von 4,3 Punkten auf 34,8 Zähler ein drittes Mal in Folge zu – der höchste Stand seit zwei Jahren. Besser war die Konjunkturerwartung zuletzt im Mai 2015. Die Verbraucher rechnen auch mit einer besseren finanziellen Lage: Im Vergleich zum April stieg der Indikator für die Einkommenserwartung um einen Punkt, auf 58,5 Zähler.

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Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen ging indes zurück: Der entsprechende Indikator verlor 4,5 Zähler und lag bei 55,7 Punkten. Im April waren es noch 60,2. Den Rückgang erklärte Bürkl vor allem mit Schwankungen, die bei einem hohen Konsumklima-Niveau nicht ungewöhnlich seien. Auch die im April zeitweise auf zwei Prozent gestiegene Inflationsrate (März: 1,6 Prozent) könne dabei eine Rolle gespielt haben. „Steigende Preise beeinträchtigen natürlich die Kaufkraft“, sagte Bürkl. Bei höheren Ausgaben, etwa für Benzin oder Heizöl, fehle den Verbrauchern dann Geld an anderer Stelle.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einer Stagnation gerechnet und sagten in einer ersten Reaktion:

Lothar Hessler, HSBC Trinkhaus:

„Auch der Ifo-Index fiel ja sehr gut aus: Die Stimmungslage in Deutschland ist prächtig. Die Konjunkturdynamik zeigt nach oben und die Konsumlaune dürfte positiv bleiben.“

Ulrike Kastens, SAL. Oppenheim:

„Alles läuft in Deutschland. Der Konsum profitiert vor allem von der guten Arbeitsmarktlage und den niedrigen Zinsen. Trotz des kleinen Rückgangs ist die Anschaffungsneigung weiter sehr gut. Es wird ein gutes Jahr für den deutschen Konsum.“

Christiane von Berg, Bayern LB:

„Für den Konsum läuft es derzeit sehr gut. Der Konsum ist momentan eine der Hauptstützen der deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Index hat gestern auch überrascht. Das sind sehr gute Vorzeichen für das zweite Quartal.“

Relativ unbeeindruckt habe sich die Verbraucherstimmung bisher von Terroranschlägen gezeigt, sagte Bürkl. Auch nach der jüngsten Bluttat im englischen Manchester sei zu vermuten, dass es dabei bleibe. Unsicherheit über den wirtschaftspolitischen Kurs von US-Präsident Donald Trump und die Brexit-Verhandlungen schmälerten die Zuversicht der Verbraucher ebenfalls kaum.

Als Risiko für Verbraucher könnten sich allerdings verstärkte Abschottungstendenzen in den USA erweisen, zum Beispiel in Form von Einfuhrzöllen, schränkte Bürkl ein. Beschäftigte in exportorientierten Industrien – etwa in der weit verzweigten Autobranche – könnten dann um ihre Jobs bangen. „Die amerikanische Politik ist momentan sehr schwer einzuschätzen“, sagte er.

Für Juni rechnen die Nürnberger Marktforscher dennoch mit einem anhaltenden Aufwärtstrend: Nach 10,2 Zählern im Mai dürfte der Konsumklimaindex im kommenden Monat auf 10,4 Punkte zulegen. Für Verbraucher sei vor allem die Situation auf dem Arbeitsmarkt bei der Frage entscheidend, ob man mehr oder weniger konsumiere, sagte Bürkl. Die Angst vor Arbeitslosigkeit sei aber derzeit sehr gering, die Planungssicherheit entsprechend groß. Die Konsumklimastudie basiert auf monatlichen Interviews mit rund 2000 Verbrauchern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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