GIC Singapur: Einer der mächtigsten Staatsfonds der Welt

GIC Singapur: Einer der mächtigsten Staatsfonds der Welt

, aktualisiert 09. November 2011, 15:52 Uhr
Bild vergrößern

Das Finanzzentrum Singapurs.

Quelle:Handelsblatt Online

Singapur lässt seinen staatlichen Reichtum zum Wohle des Volkes international über eine Staatsfonds anlegen - doch mit seiner Milliardenmacht ist der Fonds oft auch ein Elefant im Porzellanladen.

PekingWie ein einfachen Angestellten bestellte der Staatsfonds von Singapur den Top-Banker Oswald Grübel in ihre Firmenzentrale ein. Grübel, der Chef des Schweizer Geldhauses UBS, war zwar offiziell wegen eines Formel-1-Rennens in Südostasien. Doch es hatte Symbolwert, dass er in Singapur ein Heimspiel bieten musste.

Der Chef von mehr als 60.000 Mitarbeitern gab sich entsprechend zerknirscht, als er die Umstände des Milliardenverlustes eines untreuen Händlers erklärte. Und er fing sich eine deutliche Rüge ein: „Wir sind enttäuscht und besorgt und fordern zügige Maßnahmen zur Lösung des Problems“, bekam er im September von den Managern der Government of Singapore Investment Corporation (GIC) zu hören.

Anzeige

Die GIC ist mit einem angelegten Kapital von über 100 Milliarden Dollar einer der größten Investoren weltweit. An der UBS hält sie einen Anteil von 6,4 Prozent. Doch sie hat auch in zahlreiche andere prominente Unternehmen investiert, darunter die US-Bank Citigroup oder die italienische Modekette Benetton. Details sind nicht bekannt – Staatsgeheimnis.  

Die jährliche Rendite lag lag bis zur Finanzkrise bei durchschnittlich 17 Prozent, derzeit liegt sie (auf den Zielhorizont von 20 Jahren hochgerechnet) bei knapp fünf Prozent. Mit solchen Zahlen ist die Leistung der GIC der Neid jedes Fondsmanagers, ob staatlich oder privat – schließlich sind ihre Investments nicht zur hochprofitabel, sondern zugleich auch besonders sicher angelegt.

Während der zweite Staatsfonds des Stadtstaates, die Temasek Holding, etwas waghalsiger anlegen darf, soll die GIC im erster Linie stabile Erträge sicherstellen. „Temasek wird höhere Risiken eingehen im Gegenzug für höhere Rendite“, sagt der 88-jährige Chairman der GIC, Lee Kuan Yew, der ehemalige Regierungschef von Singapur. „Wir behandeln GIC mehr als Pensionsfond und wir sind bereit, Abstriche bei der Rendite zu machen, weil wir nichts ins Risiko gehen wollen.“

Lernfähig

In Singapur musste sich die GIC daher auch rechtfertigen, in die UBS investiert zu haben, ohne deren Probleme mit der internen Überwachung erkannt zu haben. „Wir haben den Anteil gekauft, bevor die internationale Finanzkrise eingesetzt hat“, die Heftigkeit des Wertverlustes sei nicht absehbar gewesen, teilte GIC ungewohnt kleinlaut mit. So hat sich die Welt in den vergangenen Jahren gewandelt: Der Stadtstaat in Südostasien hat sich als Anker der Seriosität bewährt, währende die Schweiz wegen ihrer Finanzwirtschaft immer etwas im Gerede ist.

Doch auch bei den Staatsfonds von Singapur läuft ab und zu etwas schief - manchmal fehlt es den Verwaltern des 100-Milliarden-Schatzes an Sensibilität gegenüber der Bevölkerung von Ländern, in denen sie investieren. Vor vier Jahren gab es in Thailand große Demos gegen Temasek nach deren Einstieg in den dortigen Medienkonzern Shin Corp - steuerfrei für den umstrittenen Politiker Thaksin Shinawatra.

Doch seitdem haben Temasek und GIC gelernt. Sie gehen jetzt vorsichtiger vor und achten genauer darauf, dass sie nicht mit dem örtlichen Recht in Konflikt geraten, wenn sie rund um den Globus Milliarden bewegen. Das ist die GIC als staatliche Einrichtung dem Volk von Singapur schuldig - schließlich geht es auch um das grundsätzlich makellose Image. In erster Linie, und das sollte keiner vergessen, geht es jedoch um den Profit: "GIC hat zum Staat die Beziehung eines Fondsmanagers zu seinem Kunden", sagte Staatspatron und GIC-Aufseher Lee.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%