Girokonten: Onlinebanken sind die Gewinner

Girokonten : Onlinebanken sind die Gewinner

, aktualisiert 10. Juli 2017, 17:10 Uhr
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Onlinebanken wie ING-Diba, DKB und Comdirect locken mit Gratiskonten. Darauf springen viele Kunden an.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Verbraucher in Deutschland zieht es immer mehr zu Onlinebanken – auch weil Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Gebühren erhöht haben. Vor allem eine Kundengruppe verlässt die klassische Banken überdurchschnittlich.

Auf gut 18 Millionen Kunden kommen Direktbanken wie ING-Diba, Comdirect und DKB derzeit – Tendenz steigend. Bis zum Jahr 2020 werden sie die Zahl ihrer Kunden auf 22 Millionen erhöhen, erwartet die Unternehmensberatung Investors Marketing.

Das Wachstum geht auf Kosten von Sparkassen sowie genossenschaftliche Volks- und Raiffeisenbanken. Sie dürften Marktanteile verlieren, so Investors Marketing. Die Direktbanken, bei denen die Kunden ihre Konten in der Regel komplett online führen und die weitgehend auf Filialen verzichten, haben bereits einen rasanten Aufstieg hinter sich. Im Jahr 2000 kamen sich auf nicht einmal vier Millionen Kunden.

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Ein großer Vorteil der Onlinebanken: Ihre Kosten sind weitaus geringer als die klassischer Filialbanken, die mehr für Mitarbeiter ausgeben und für die Gebäude. „Die Direktbanken behaupten sich in Zeiten von Niedrigzinsen und zunehmender Digitalisierung“, sagt Investors-Marketing-Chef Oliver Mihm. Sie hätten bereits stark in IT und Service investiert, Kosten gesenkt und die Abhängigkeit vom Einlagengeschäft verringert. Sie würden sich besonders auf den Kunden konzentrieren.

Die Minizinsen nagen an den Erträgen der Kreditinstitute. Zum einen schwinden die Margen im Kreditgeschäft, zum anderen verdienen die Banken weniger, wenn sie Geld sicher am Kapitalmarkt anlegen wollen. Das trifft besonders Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die stark vom klassischen Bankgeschäft mit Einlagen und Krediten leben.

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Quelle: Getty Images

Wer niedrige Kosten hat, kann auch auf Gebühren verzichten. Direktbanken bieten häufig Gratiskonten. Es gibt keine Kontoführungsgebühr, auch Girokarte und Kreditkarte sind oft kostenlos. Das lockt Kunden, zumal viele Sparkassen und Volksbanken, aber auch beispielsweise die Postbank zuletzt die Preise angehoben haben. „Die Gebührenerhöhungen bei Filialbanken haben den Direktbanken im vergangenen Jahr viele Neukunden beschert“, sagt Mihm.

Das gilt vor allem für junge Kunden. Direktbanken gewinnen laut Investors Marketing überdurchschnittlich bei Berufseinsteigern sowie Kunden in der Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen, "die sich auf Grund gestiegener Finanzbedürfnisse intensiver mit unterschiedlichen Angeboten auseinandersetzen". Und dann womöglich zu einer Bank mit Gratiskonto wechseln. Ein Problem für Sparkassen und Genossenschaftsbanken, meint Mihm: Der Verlust dieser potenzialstarken Klientel sei schmerzhaft.


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Hinzu kommt, dass zumindest ein Teil der Kunden sich grundsätzlich vorstellen kann, zu er anderen Bank zu wechseln. Mehr als jeder Zehnte wird wahrscheinlich im nächsten Jahr das Konto bei seiner Bank kündigen und damit zu einem anderen Geldhaus umziehen. Das ergab kürzlich eine Umfrage der Beratungsfirma Eurogroup Consulting.

Zwar heißt wechselwillig noch lange nicht, dass Kunden die Bankverbindung tatsächlich ändern. Aber immerhin ist das nicht mehr so aufwändig wie noch vor kurzem. So erleichtert seit vergangenem September ein Gesetz zum Kontowechsel den Vorgang für Verbraucher. Nach den neuen Vorgaben muss die Bank, zu dem der Kunde wechselt, zum Beispiel dessen Daueraufträge direkt übernehmen. Die alte Bank muss die Daten übermitteln.

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Auch wenn Onlinebanken noch deutlich wachsen könnten - für das vergangene Jahr allerdings sehen sich auch klassische Kreditinstitute als Gewinner. Sowohl große Direktbanken als auch die Gruppe der Sparkassen und der Genossenschaftsbanken haben 2016 nach eigenen Angaben Kunden gewonnen. Die knapp 400 Sparkassen zählen insgesamt rund 35 Millionen Girokonten, die rund 950 Genossenschaftsbanken fast 29 Millionen. Die Commerzbank registrierte ebenfalls viele neue Kunden.

ING-Diba, die größte Onlinebank, kam Ende 2016 auf rund 1,7 Millionen Girokonten, ein Plus von etwa einem Viertel gegenüber einem Jahr zuvor. Insgesamt hat die Bank aber mehr als acht Millionen Kunden – viele haben nur ein Tagesgeldkonto dort oder ein Wertpapierdepot oder einen Hauskredit bei ING-Diba aufgenommen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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