GLS Bank: Der Soli-Beitrag für die Bank

GLS Bank: Der Soli-Beitrag für die Bank

, aktualisiert 17. Juni 2016, 19:02 Uhr
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Mit einer neuen Jahresgebühr will sich die GLS neue Einnahmen sichern – und setzt dabei auf Verständnis ihrer Kunden.

von Julia RotenbergerQuelle:Handelsblatt Online

Die GLS Bank will 2017 einen Grundbeitrag einzuführen. So lagert Deutschlands größte Nachhaltigkeitsbank die Kosten des Niedrigzins-Umfeldes auf ihre Kunden aus. Die haben angeblich damit kein Problem.

BochumIn dem grauen Audimax-Betonklotz Bochumer Ruhr-Universität geht es am Freitag ziemlich grün zu. Infostände zu nachhaltigem Investieren und zur Naturkosmetik stehen in der Audimax-Halle. Davor recken sich Luftballons gegen den Himmel. „I like my Girokonto” steht darauf. Die GLS Bank hat zur Jahresversammlung geladen.

Deutschlands größte Nachhaltigkeitsbank hat Details zu ihrem neuen Gebührenmodell vorgestellt: Ab 2017 sollen Privat- und Geschäftskunden einen Jahresbeitrag bezahlen – eine Art „Banken-Soli”. Höhe: Zwölf Euro für junge Kunden, 60 Euro für alle anderen. Ob der Beitrag tatsächlich erhoben wird, entscheiden die Mitglieder bei einer außerordentlichen Versammlung im Herbst.

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Schon im November will die Bank aber ihre Kontogebühren anpassen – das erste Mal seit zehn Jahren. Statt zwei Euro zahlen Privatkunden bei der GLS nun Kontoführungsgebühren von 3,80 Euro. Bei den Geschäftskunden erhöht sich dieser Betrag von fünf auf acht Euro. Ein kleines Zuckerbrot gibt es aber auch: Ab dem 1. November will die Bank keine Dispo-Gebühren mehr verlangen. Kunden werden dann gebührenfrei das Dreifache ihres Monatseinkommens überziehen dürfen. Allerdings gibt es ein Limit von 10.000 Euro. Und an Bonität gebunden sind die günstigen Konditionen außerdem.

Die Veränderungen machen deutlich: Ob grün oder nicht – niedrige Zinsen machen das Geschäftsmodell der Banken madig. Zu 85 Prozent finanziert durch die GLS durch ihr Einlagen- und Kreditgeschäft. Sie verdient an der Differenz zwischen den Zinsen, zu denen sie Kredite an ihre Kunden vergibt, und jenen, die sie für die Kundeneinlagen zahlt. Diese Zinsmarge wird von Jahr zu Jahr niedriger. Betrug sie im Jahr 2015 noch 1,74 Prozent, so liegt sie in diesem Jahr bei 1,57 Prozent. Für das kommende Jahr prognostiziert die Bank einen Rückgang auf 1,43 Prozent.

Der Margen-Rückgang ist zu einem großen Teil der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken geschuldet. So liegt der Leitzins in der Euro-Zone bei null Prozent – die Zentralbank hatte ihn im März abermals gesenkt. Der Einlagezinssatz für Banken – also der Zinssatz, bei dem sie ihre Gelder bei der Europäischen Zentralbanken kurzfristig parken können – liegt sogar bei minus 0,4 Prozent. Das soll das Geldparken für die Banken unattraktiv machen und so die Kreditvergabe ankurbeln. Zugleich macht es ihnen schwer, Geld zu verdienen.


Monatlich kommen 1400 neue Kunden

„Man könnte meinen, dass die Banken von den Niedrigzinsen auch profitieren”, sagt GLS-Vorstandsvorsitzender Thomas Jorberg. Doch das stimme nur bedingt. „Die Kreditzinsen sind schneller gesunken als der Einlagezins. Deshalb geben wir die günstigen Konditionen überproportional an unsere Kunden weiter.”

Mit der neuen Gebührenstruktur wolle man das Genossenschaftsprinzip der GLS aufgreifen, so Jorberg. „Und wir wollen uns unabhängiger von den Finanzmärkten machen, die nicht immer im Sinne unseres Geschäfts arbeiten.”

Die Gebühr wäre für die GLS mitnichten ein Kleckerbetrag, wenngleich auch kein Topf voll Gold. Die Bank hat inzwischen rund 201.000 Kunden, im Schnitt kommen monatlich 1400 Kunden dazu. Wenn jeder zahlt, käme ein zweistelliger Millionenbetrag zusammen. Auch die GLS-Bilanz weist Wachstum auf. So stiegen die Kundeneinlagen im ersten Quartal 2016 um 4,7 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Die Kreditvergabe wuchs im gleichen Zeitraum um 3,4 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Wirtschaftlich sieht es also so aus, als könnte die Bank es sich leisten, ihre Kunden zur Kasse zu bitten. Nur: Lassen sie das auch mit sich machen?

Vorstandsvorsitzender Jorberg ist davon überzeugt: „Die Kunden kommen zur GLS nicht, weil sie bei einer anderen Bank kein Konto eröffnen könnten, sondern weil sie mit ihren Geldern die Gesellschaft gestalten möchten”, sagt er. Eine interne Umfrage unter GLS-Mitgliedern und Kunden habe ergeben, dass sie im Schnitt sechs Euro im Monat zu zahlen bereit wären, also sogar mehr, als nun gefordert.

Dennoch lässt sich die Bank für die Einführung der Gebühr Zeit. In Diskussion ist der Beitrag schon seit dem vergangenen Jahr. Doch sowohl inhaltliche und auch formelle Voraussetzungen würden Zeit erfordern, so Jorberg. Übrigens ist noch nicht klar, was mit jenen Kunden passieren soll, die sich ihrer Bank gegenüber nicht solidarisch zeigen wollen und den Betrag nicht zahlen. Es werde eine Übergangsfrist von einem Jahr geben, danach wird weitergeschaut. Fest steht aber schon jetzt: Niedrigzinsen machen kreativ.

Quelle:  Handelsblatt Online
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