Glücksspiel in Kambodscha: Die Poker-Zocker von Phnom Penh

Glücksspiel in Kambodscha: Die Poker-Zocker von Phnom Penh

, aktualisiert 04. Mai 2017, 20:12 Uhr
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Wie hier während einer spirituellen Zeremonie in Phnom Penh deutlich überspitzt dargestellt, legen immer mehr junge Kambodschaner Wert auf Geld und Luxusgüter. Nach Jahren der Schreckensherrschaft durch die Roten Khmer konnte in den vergangenen Jahren eine freie Marktwirtschaft etabliert werden.

von Frederic SpohrQuelle:Handelsblatt Online

Drogen, Party und Glücksspiel: Junge Männer führen in Kambodschas Hauptstadt ein ausschweifendes Leben – und finanzieren es mit Kartenspielen. Eine Weltgeschichte.

Phnom PenhAndrew macht nicht gerade den Eindruck, als hätte er im Alter von 26 Jahren tatsächlich schon 500.000 US-Dollar verdient. Er trägt ein ärmelloses Shirt der Biermarke „Beer Lao”, seine Haare sind zerzaust und irgendwann muss er aufgehört haben, sich die Fingernägel zu schneiden. Eine halbe Million an Einnahmen dürfte es insgesamt schon gewesen sein, schätzt er.

So richtig glaubwürdig wirkt das nicht, zumal Andrew schon ein paar Bier getrunken hat und die Nacht fortgeschritten ist. Andererseits hat Andrew in genau diesem Zustand gerade ein paar hundert US-Dollar beim Poker abgesahnt und währenddessen einen Teil seiner Gehirnrechenleistung für Witze über Donald Trump verwendet.

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Andrew trifft man im Red Fox, einem Hostel mit angeschlossener Bar. Es ist eine Backpacker-Absteige, wie es von ihnen Tausende in Südostasien gibt. Aber das Red Fox ist ein bisschen anders, denn wenn man am Tresen nach einer Pokerrunde fragt, führt einen die Kellnerin eine enge Treppe hinauf und man kommt in einen Raum, in dem die Luft noch ein bisschen stickiger ist, als in der Bar selbst. Dafür hört man statt der lauten Rockmusik nur noch das Herumgealbere der Spieler und in spannenden Spielsituationen das Surren der Klimaanlage.

In Phnom Penh gibt es mehrere solcher Hinterzimmer-Pokerräume. Das Land wird immer beliebter bei Zockern aus dem Westen, die sich für Monate oder sogar Jahre hier niederlassen: Günstiges Bier, das Wetter und unkomplizierte Einreisebedingungen machen das Land für sie attraktiv. Und die Branche selbst ist kaum reguliert – wie vieles in dem Land. Kambodscha ist der Wilde Westen Südostasiens, der kleine ungezogene Bruder Thailands.


Je mehr Alkohol fließt, desto höher werden die Einsätze

Halbseidene Halunken tummeln sich aber nicht im Red Fox: Es sind junge Burschen aus der ganzen Welt, die irgendwann ihr Faible für Zahlen und Wahrscheinlichkeiten entdeckten. Vielleicht hätten sie Programmierer werden können, vielleicht hätten sie Raumschiffe gebaut oder einen Super-Computer. Aber als sie herausfanden, dass sie auch mit Poker irgendwie überleben können, war es um sie geschehen. Jetzt sitzen sie in Südostasien, trinken Bier und spielen Karten.

Da ist ein stiller Typ aus der Ukraine, der den ganzen Abend nur Milch trinkt und nur einmal alles setzt, alles verliert. Der Australier, der eigentlich im Norden Thailands wohnt, und jedes zweite Wochenende zum zocken nach Phnom Penh fliegt. Der Finne, der einmal aussteigt, dann aber mit einem großen Schnaps zurückkommt und mit 300 Dollar wieder einsteigt. Die Karten mischt und verteilt eine junge Kambodschanerin, die fleißig mitspielt und mehrere hundert Dollar verliert, aber an anderen Tagen solche Summen wohl wieder zurückgewinnt. Denn wie der Finne später versichert, verdiene sie mit dem Dealen selbst nur ein paar Dollar am Tag.

Die meisten von ihnen kennen sich, sie leben in Phnom Penh oder kommen immer wieder hier her: Das Red Fox ist so etwas wie der Rückzugsort der Zocker. Das eigentliche Geld verdienen sie in größeren Etablissements wie dem „Riverking“, einem abgewohnten Hotel, das ebenfalls einen Pokersaal bereit hält. Dort wimmelt es von „Fischen”, wie sie sagen, und auf die haben sie es abgesehen: asiatische Tycoons, denen es nichts ausmacht, wenn sie mal ein paar Tausend US-Dollar am Abend verlieren. „Es ist leichter, hier mit Poker Geld zu verdienen als im Internet”, sagt Andrew. Klar, manchmal laufe es auch weniger gut. Zum Beispiel, wenn die zwei Franzosen da sind, die nie etwas sagen, aber immer gewinnen.

Im Red Fox spielen sie nur zum Entspannen. Je mehr Alkohol fließt, desto höher werden auch hier die Einsätze. Anschließend ziehen die Jungs noch weiter durch die Bars, so wie jeden Abend eben. „Ich habe vielleicht 500.000 US-Dollar verdient”, sagt Andrew. „Aber ich hatte nie mehr als 20.000 US-Dollar auf dem Konto.”

Quelle:  Handelsblatt Online
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