Goldman Sachs: Bank will nicht mehr nur Super-Reiche locken

Goldman Sachs: Bank will nicht mehr nur Super-Reiche locken

, aktualisiert 02. Mai 2016, 15:06 Uhr
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Das Kreditgeschäft auszuweiten und auf eine breitere Kundenbasis zu setzen, hilft, einen Teil der Probleme im Handel von Goldman Sachs auszugleichen, sagen Branchenexperten.

Quelle:Handelsblatt Online

Der US-Investmentriese Goldman Sachs will für weniger vermögende Kunden attraktiv werden. Die Bank will künftig Kredite an Privatkunden vergeben. So will Goldman dem lahmenden Investmentbanking abhelfen.

New YorkGoldman Sachs: Der Name stand lange dafür, milliardenschwere Übernahmen einzufädeln, Großkonzerne an die Börse zu bringen und im Handel mit Aktien und Anleihen prächtig zu verdienen. Doch die führende Investmentbank der Wall Street verändert sich. Die Vergabe von Krediten spielt eine immer wichtigere Rolle. Insidern zufolge sucht Goldman dafür Partner in der Finanzbranche. Im Fokus sind nicht mehr nur sehr reiche Kunden, sondern immer mehr Normalsterbliche mit einem überschaubaren Vermögen.

„Das Kreditgeschäft auszuweiten und auf eine breitere Kundenbasis zu setzen, hilft, einen Teil der Probleme im Handel auszugleichen”, sagt Branchenexperte Steven Chubak, Analyst bei der japanischen Investmentbank Nomura. Denn der Handel wirft nicht mehr so viel Gewinn wie in der Vergangenheit ab. Das liegt an schwachen Märkten wie etwa im Rohstoff- oder Anleihenbereich, aber auch an den strengeren Vorgaben der Aufsichtsbehörden. So müssen Marktteilnehmer Transaktionen mit mehr eigenem Kapital absichern. Dieser Puffer soll verhindern, dass Banken in einer Krise wieder am Abgrund stehen und teilweise vom Staat gerettet werden müssten.

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Das geht aber zulasten des Gewinns. So kam Goldman Sachs im ersten Quartal nur auf eine Rendite von 6,4 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital. Das ist der niedrigste Stand seit dem Frühjahr 2012. In den Hoch-Zeiten vor der Finanzkrise waren es 30 Prozent und mehr. Das zwingt die Bank, neue Wege zu gehen. Und so werden intern die Rufe lauter, sich mehr dem Massenmarkt zu widmen.

Beispiel Vermögensverwaltung: Der typische Goldman-Kunde verfügt hier in den USA über ein Vermögen von rund 50 Millionen Dollar. Banker sagten der Nachrichtenagentur Reuters, dieses Klientel werde weiterhin im Fokus stehen. Künftig werde Goldman aber auch andere Kunden ansprechen. Die Details stünden noch nicht fest, es werde aber wohl auch um Kunden gehen, die weniger als eine Million Dollar anlegen.

Um dafür nicht zukaufen zu müssen, wolle Goldman sich mit kleineren Wertpapierhändlern und Vermögensverwaltern verbünden, sagten mit der Situation vertraute Personen. An die neuen Kunden könnten dann auch Kredite ausgereicht werden. Die Pläne seien noch in einem frühen Stadium und würden womöglich nicht vor dem nächstem Jahr umgesetzt.

Goldman Sachs wollte sich nicht zu den Reuters-Informationen äußern.

Im April hatte die Investmentbank eine 17 Milliarden Dollar schwere Übernahme abgeschlossen, um im Massenmarkt präsenter zu sein. Der GE Capital Bank wurden dabei Online-Kundeneinlagen abgekauft. Offen ist noch, wie bei Partnerschaften mit Brokern und Vermögensverwaltern die Gebühren geteilt werden. Auch Haftungsfragen müssen geklärt werden.

Experten zufolge besteht das Risiko, dass Goldman im Kampf um bonitätsstarke Kunden zu aggressiv expandiert. Wie aus Dokumenten an die Aufsichtsbehörden hervorgeht, hat Goldman das Kreditvolumen an die eigenen Kunden in der Vermögensverwaltung und im Geschäft mit Firmenkunden in den vergangenen drei Jahren bereits auf 45 Milliarden Dollar verdreifacht. Bei Kooperationen wäre Goldman zudem abhängig von Informationen der Geschäftspartner zur Kredithistorie und anderen sensiblen Daten. Auch das könnte sich als großes Risiko entpuppen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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