Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein: Ein klarer Merkel-Sympathisant

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein: Ein klarer Merkel-Sympathisant

, aktualisiert 06. September 2017, 21:34 Uhr
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Der Goldman-Sachs-Chef wirkte während des gesamten Gesprächs gelöst und locker.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein lobt bei der Tagung „Banken im Umbruch“ die deutsche Politik. Er spricht über Angela Merkel, hat Verständnis für die EZB und versucht, Donald Trump nicht zu hart zu kritisieren.

New YorkWenn Lloyd Blankfein Deutscher wäre, hätte Angela Merkel eine prominente Stimme sicher. „Sie hat einen tollen Job gemacht“, sagte der Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs über die Bundeskanzlerin im Gespräch mit Andreas Kluth, dem Chef der Handelsblatt Global Edition. Die beiden waren live von New York nach Frankfurt zur Tagung „Banken im Umbruch“ geschaltet. Im Interview ließ Blankfein keinen Zweifel an seiner guten Meinung über die „wichtigste Person der europäischen Politik“.

Etwas gewunden deutete er zudem seine Wertschätzung dafür an, dass die deutsche Regierung der Europäischen Zentralbank genug Handlungsfreiheit gelassen habe, die Finanzkrise und anschließend die Eurokrise zu bekämpfen. Schließlich habe Merkel in dem Punkt einen schwierigen Spagat zu meistern: Die Niedrigzins-Politik der EZB sei unpopulär, aber habe letztlich auch die europäischen Regierungen entlastet.

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Später bezog Blankfein auf Nachfrage von Handelsblatt-Ressortleiter Daniel Schäfer Stellung zur lockeren Geldpolitik der EZB. „Ich würde schon gerne eine Normalisierung der Geldpolitik sehen“, sagte er und schloss sich damit zahlreichen EZB-Kritikern der Frankfurter Tagung an. Er zeigte aber auch Verständnis für die Haltung der Zentralbank. „Man kann mehr Schaden anrichten, wenn man die Zinsen zu früh anhebt, als wenn man sie zu spät erhöht“, sagte er.

Aus einem einfachen Grund: Sollte die Inflation wegen der niedrigen Zinsen anziehen, lässt sich das leicht mit einem strafferen geldpolitischen Kurs bekämpfen. Wenn dagegen die wirtschaftliche Entwicklung zu früh gebremst wird, ist es viel schwieriger gegenzusteuern.

Blankfein machte deutlich, wie sehr die persönlichen Erfahrungen verschiedener Generationen die Sichtweise beeinflussen. „Meine Eltern waren von der Deflation der 30er Jahre geprägt, ich von der Inflation nach dem Krieg“, sagte er. „Und meine Kinder fragen mich, warum ich überall gleich Inflation befürchte.“ Deutschland hat zwar ähnlich wie die USA in den 30ern eine deflationäre Phase durchgemacht, aber im kollektiven Gedächtnis sind viel stärker die drastischen Geldentwertungen nach den beiden Weltkriegen verhaftet.

Mehr Mühe hatte Blankfein, seine Position zu US-Präsident Donald Trump deutlich zu machen. „Ich bin bis zu einem gewissen Grad enttäuscht, aber ich habe auch Hoffnung.“. Die bisherige Amtsführung findet er zum Teil „chaotisch“, führte dieses Verhalten im Interview aber auf seine mangelnde politische Erfahrung zurück. Denn: Er wolle nicht generell als Kritiker von Trumps Politik gelten. Dennoch betonte er, für seine Mitarbeiter einzustehen, wenn es etwa um die Einwanderungspolitik geht, die deren Reisen oder den Nachzug von Ehegatten behindern könnte. Er befürwortete jedoch Trumps Absicht, die US-Unternehmen und speziell die Banken von zu schweren Auflagen zu befreien.

Diplomatisch fiel die Antwort des Goldman-Chefs zu der Frage aus, ob er Präsidentenberater Gary Cohn, oder Janet Yellen, die bisherige Amtsinhaberin, als Chef der US-Notenbank bevorzugen würde. Er lobte zunächst die guten „Marktkenntnisse“ von Cohn, der bis zum Wechsel in die Regierung Blankfeins eigener Vizechef war. Dann stellte er aber Yellen ein beinahe so gutes Zeugnis für ihre Arbeit in den letzten Jahren aus wie Angela Merkel. „Wir haben geringe Arbeitslosigkeit, beachtliches Wachstum und kaum Inflation“, sagte er.

Den Vorwurf einer zu engen Verflechtung von Goldman Sachs und der Regierung in Washington ließ er nicht gelten. „Man redet immer von Drehtür“, sagte er. „Aber wir haben zwar viele Leute verloren, die in die Politik gegangen sind. Aber wir haben umgekehrt nur selten welche aus der Politik übernommen.“ Über sein eigenes Unternehmen sprach Blankfein bei der Veranstaltung nur wenig. Auf die Frage, welches das beste Unternehmen der Welt sei, gab er keine klare Antwort. Er deutete allerdings an, dass es wohl ein Firmenkunde von Goldman Sachs sein könnte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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