Goldman Sachs und José Manuel Barroso: „Nicht in unserem Namen“

Goldman Sachs und José Manuel Barroso: „Nicht in unserem Namen“

, aktualisiert 30. August 2016, 12:38 Uhr
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„Ein verheerendes Symbol für die Europäische Union und ein gefundenes Fressen für alle Euro-Skeptiker.“

von Kerstin LeitelQuelle:Handelsblatt Online

Goldman Sachs hat den ehemaligen EU-Spitzenpolitiker José Manuel Barroso angeheuert. Eine Gruppe von EU-Bürgern will das nicht hinnehmen. Ihre Petition haben bislang fast 78000 Menschen unterschrieben.

London„Aus moralischer Sicht inakzeptabel“, mit diesen ungewöhnlich deutlichen Worten hatte Frankreichs Präsident Francois Hollande den Wechsel von José Manuel Barroso zur Investmentbank Goldman Sachs kritisiert. Er ist aber nicht der Einzige, der diesen Schritt verurteilt: Eine Gruppe von Angestellten der Europäischen Institutionen hat im Internet eine Petition gegen derartige „Drehtür“-Praktiken“ gestartet, die seit ihrem Start vor zwei Wochen mehr als 77.900 Unterstützer unterzeichnet haben.

Goldman Sachs sei eine derjenigen Banken, die am stärksten in die Hypothekenkrise verwickelt war, die zur Finanzkrise 2008 geführt habe, heißt es zur Begründung der Petition, die mit dem Satz beginnt: „Not in our name!“. Zudem habe das Institut zu der Entstehung der Griechenlandkrise beigetragen – von der sie darüber hinaus durch Spekulationsgeschäfte profitiert habe.

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Es sei „ein verheerendes Symbol für die Union im ungünstigsten Moment und ein gefundenes Fressen für alle Euro-Skeptiker, dass ein ehemaliger Präsident der Kommission mit den unkontrollierten und unmoralischen Werten von Goldman Sachs in Verbindung gebracht wird“, kritisieren die Urheber der Petition. Barrosos Entscheidung, für „solch eine Bank zu arbeiten, ist ein weiteres Beispiel der unverantwortbaren 'Drehtür'-Praktiken, die nicht nur den EU-Institutionen schaden, sondern trotz Legalität auch moralisch verwerflich sind“. 

Der Protestaufruf hat auch das Interesse der britischen Medien geweckt: Am Dienstag berichteten sowohl die „Financial Times“ als auch „The Guardian“ darüber.

Anfang Juli hatte die US-Bank – die wegen ihrer guten Beziehungen zur Politik auch schon als „Government Sachs“ bezeichnet wurde - mitgeteilt, dass der 60-Jährige als Berater und Verwaltungsratschef für Goldman Sachs International (GSI) in London arbeiten werde. Er bringe „Sichtweisen, Urteilsvermögen und Ratschläge mit", die für die Führung der Bank und die Aktionäre von großem Wert seien, hieß es in der offiziellen Erklärung. Barroso werde helfen, die Kunden des Instituts durch „das herausfordernde und unsichere wirtschaftliche Marktumfeld" zu steuern, hatte Michael Sherwood, Co-Chef von GSI, ergänzt. Denn dem Institut stehen – wie anderen Banken mit Sitz in London auch – wegen des Brexit-Votums keine leichten Zeiten bevor.

Der Portugiese ist wahrlich krisenerprobt. Von 2004 bis 2014 hatte Barroso an der Spitze der EU-Kommission gestanden – eine Zeit, in der die Finanz- und die Griechenlandkrise stattfanden und sich die Staatengemeinschaft durch Aufnahme zahlreicher neuer Mitglieder stark veränderte. Davor war Barroso zwei Jahre lang portugiesischer Ministerpräsident.

Sein Job bei Goldman Sachs werde jetzt die wichtigste Beschäftigung werden, sagte er der „Financial Times“ nach seiner Ernennung. Aber er werde weiterhin als Dozent an der US-Universität Princeton und in Genf und Lissabon arbeiten.

Barroso ist nicht der erste Politiker, der für Goldman Sachs arbeitet. Italiens ehemaliger Premier Mario Monti steht ebenfalls auf dem Gehaltszettel der amerikanischen Bank; Henry Paulson war sieben Jahre Chef der Investmentbank, bevor er zum amerikanischen Finanzminister ernannt wurde. Auch der heutige EZB-Präsident Mario Draghi hat bereits für Goldman Sachs gearbeitet.

Doch gegen den neuen Job von Barroso, dessen Amtszeit in der EU am 31. Oktober 2014 endete, wollen die Urheber der Petition, die sich selbst als „eine Gruppe von Angestellten der Europäischen Institutionen, verbunden durch unser Pflichtgefühl der Vertraulichkeit und professioneller Diskretion“ bezeichnet, vorgehen.

Ihr Ziel: Dass der Rat der Europäischen Union und die Europäische Kommission überprüft, ob der Portugiese „all seine Pflichten der Integrität und Diskretion gegenüber der Europäischen Union respektiert hat“ und ob man ihm seine Pension als ehemaliger Präsident der Kommission sowie alle EU-Ehrentitel streichen kann. Ende September soll die Petition übergeben werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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