Green Finance – Banken im Umbruch: „Es geht nicht nur ums Gewissen“

Green Finance – Banken im Umbruch: „Es geht nicht nur ums Gewissen“

, aktualisiert 06. September 2017, 20:55 Uhr
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Das Geschäft mit „Green Bonds“ werde sich in den nächsten Jahren vervielfältigen, sagen die Panel-Teilnehmer bei „Banken im Umbruch“.

von Leonard Kehnscherper Quelle:Handelsblatt Online

Ökologisch, sozial und ethisch verantwortungsvoll: Grüne Anleihen, Fonds und Aktien liegen länger im Trend. In der Finanzwelt scheinen viele das noch nicht erkannt zu haben. Ursachenforschung bei „Banken im Umbruch“.

Frankfurt2007 gab die Weltbank den ersten Green Bond heraus. Zehn Jahre später hat sich die Neuemission grüner Anleihen verdoppelt – auf beinahe 200 Milliarden Dollar weltweit. Neben ökologischen spielen bei Green Finance auch soziale und ethische Kriterien eine Rolle. Doch noch immer sind viele Emittenten sehr zurückhaltend, wenn es um grüne Börsenprodukte geht. Woran liegt das? Über diese Frage diskutierte ein Panel auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ – vor einem interessierten Publikum, das vor dem Thema offenbar nicht zurückschreckt.

„Die Finanzindustrie lässt das Thema Nachhaltigkeit nicht komplett links liegen“, sagte Carola von Schmettow, Vorstandssprecherin der HSBC Deutschland. Rund 1400 Investoren hätten mittlerweile den Prinzipien der Vereinten Nationen zum nachhaltigen Investieren zugestimmt. Das entspreche immerhin einem Investitionsvolumen von 60 Billionen US-Dollar. Die HSBC veranstalte zudem seit 2005 eine der weltweit größten Aktienkonferenzen zum Thema Nachhaltigkeit und Verantwortung im Investment.

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„Die Finanzwelt lebt Nachhaltigkeit in der Regel nicht in der Breite, wie sie es eigentlich sollte“, entgegnete Ingo Speich, Vermögensmanager der Union Investment. In Europa sei beispielsweise nur ein Prozent der Gelder nachhaltig angelegt. Einzelne Spieler seien jedoch sehr stark. Das nachhaltig verwaltete Vermögen der Union Investment sei beispielsweise in den vergangenen zehn Jahren jährlich um 40 Prozent gewachsen. Insgesamt sei das Interesse jedoch zurückhaltend – unter anderem, weil bei nachhaltigen Anlagen auch weiche Faktoren miteinbezogen würden. „Der klassische Finanzanalyst ist jedoch nicht darauf trainiert, diese Faktoren aus den Bilanzen herauszulesen“, so der Portfoliomanager.

Der Druck, sagte Speich, sei immens – nicht zuletzt durch die EU-Richtlinie zur Corporate Social Responsibility (CSR), die kapitalmarktnahe Unternehmen zu verantwortungsvollerem Handeln verpflichtet. Dazu komme die Brüsseler Richtlinie zu Aktionärsrechten, die auch in Deutschland in knapp zwei Jahren umgesetzt werden muss. „Das sind zwei ordentliche Bretter, die die Branche zum Umdenken zwingen“, konstatierte Speich. Es gehe bei nachhaltigen Investments übrigens nicht nur um das gute Gewissen der Emittenten und Anleger. Vielmehr könnten Manager mit einer nachhaltigen Anlagestrategie bedeutende Reputations- oder Klagerisiken herausfiltern.

Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold sieht den Hauptgrund für den bislang wenig „grünen“ Finanzmarkt hingegen woanders: „Es gibt zu wenig grüne Investments, die sich rechnen. Bei der Lösung dieses Problems sehe ich Sie als Partner“, erklärte er dem Publikum auf der Handelsblatt-Tagung.

Das reichlich vorhandene Kapital könne nur investiert werden, wenn ökologische Rahmenbedingungen für die zentralen Wirtschaftssektoren geschaffen würden. „Wir müssen schneller machen mit der Energie-, Verkehrs- und Agrarwende“, forderte Giegold. Bankenverbände sollten von Brüssel nicht weniger Regulierung fordern, sondern die Ökologisierung schneller vorantreiben. „Denn die schönsten Green Bonds nützen nichts, wenn es nicht genügend Investitionsgelegenheiten gibt“, erklärte der Grüne.

„Wie viel Geld wird in Europa wohl in zehn Jahren nachhaltig angelegt sein?“, fragte Daniel Schäfer, Leiter der Handelsblatt-Finanzzeitung die Diskutanten. Von mehr als 25 Prozent gegenüber einem Prozent von heute, schätzte HSBC-Chefin von Schmettow. Und auch der Vermögensmanager Speich zeigte sich zuversichtlich, dass sich nachhaltige Anlagen in den nächsten fünf Jahren deutlich stärker etablieren.

Als Politiker wollte sich Giegold mit Zahlenprognosen zurückhalten. Er sei sich aber in jedem Fall sicher: „Entweder hat sich in zehn Jahren der entscheidende politische Wandel vollzogen – oder wir spüren die Folgen unseres nicht-nachhaltigen Handelns.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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