Hacker: Das Eldorado der Cyber-Piraten

Hacker: Das Eldorado der Cyber-Piraten

, aktualisiert 28. April 2017, 11:07 Uhr
von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Mit der digitalen Vernetzung der Industrie steigen auch die Risiken durch Hacker, Cyber-Attacken gehören schon jetzt zum Alltag. Experten rechnen mit einer dramatischen Zunahme - denn es lohnt sich für die Hacker.

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Ob der Erpresser um die Ecke wohnt oder tausende Kilometer entfernt in einem fremden Land, spielt keine Rolle mehr.

HannoverAuf der diesjährigen Hannover Messe war es überdeutlich: Ohne Digitalisierung läuft in der Industrie nichts mehr. Kein Produkt kommt mehr ohne IT aus, das Gleiche gilt für Vertrieb und Abwicklung der Aufträge oder das Design, die Steuerung oder die Überwachung der Anlagen. Dabei umfassen die digitalen Netzwerke nicht mehr nur einzelne Produktionslinien innerhalb einer Fabrik sondern verbinden diese mit einer ganzen Kette von Fertigungsstätten, idealerweise rund um den Globus.

Eine schöne neue Welt voller neuer Möglichkeiten wie maßgeschneiderte Produkte, deutlichen Effizienzsteigerungen und sinkenden Kosten – wenn nicht zugleich die Anfälligkeit solcher weitgespannten Netzwerke steigen würde. Hacker-Attacken auf Unternehmen oder kritische Infrastruktur wie Kraftwerke gehören schon jetzt zum Alltag. Doch sie werden nach Einschätzung von Experten an Qualität und Menge dramatisch zunehmen.

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„Es lohnt sich, zu hacken“, bringt es Oliver Tuszik, Deutschland-Chef des amerikanischen Telekommunikationsunternehmens Cisco auf den Punkt. „Das ist ein professionelles Geschäft mit ähnlich hohen Margen wie im Drogenhandel oder der Prostitution.“ Tuszik macht dabei eine einfache Gleichung auf: „Je stärker die Vernetzung voranschreitet, desto interessanter wird es für Cyber-Kriminelle.“ Vor allem die Erpressung von Unternehmen scheint zunehmend lukrativ zu sein, weil der Schaden für Firmen oftmals um ein Vielfaches größer ist als die geforderte Summe.

Dabei kennt das Internet keine Grenzen: Ob der Erpresser um die Ecke wohnt oder tausende Kilometer entfernt in einem fremden Land, spielt keine Rolle mehr.
Als Infrastrukturanbieter für die weltweiten Telekommunikationskonzerne, über deren Netze das Internet läuft, ist Cisco sich dieser Gefahren sehr bewusst. Allein in Deutschland investiert der US-Konzern zur Beschleunigung der Digitalisierung rund eine halbe Milliarde Dollar. Die auf den Netzen übermittelten Daten vor unbefugtem Zugriff zu schützen, gilt dabei das Hauptaugenmerk. Denn: „Ohne Sicherheit können Sie nicht digitalisieren“, sagt Tuszik.

Cisco konzentriert sich dabei auf das Telekommunikationsnetz. Aus einer einfachen Beobachtung heraus: „Keine Mauer ist hoch genug, um Attacken abprallen zu lassen“, sagt Tuszik. „Wir brauchen Lösungen, die den Schaden begrenzen.“
Keine Frage, dass ein Netzwerkspezialist die Früherkennung solcher Angriffe im Netz ins Auge fasst. „Das Netz sieht sie als erstes“, wirbt Tuszik. Eine eigens errichtete Task-Force mit weltweit 400 Spezialisten kann bei Anomalien schnell reagieren. Das gilt insbesondere bei Attacken über ganze Gruppen von Computer-Schadprogrammen, sogenannte Botnetze.

Häufig gelinge es, solche Attacken schon im Netz zu bekämpfen, bevor sie ihre Zielobjekte, Rechenzentren oder Computer in den Unternehmen erreichen. Bei der Abwehr hilft, dass andere Firmen sofort informiert werden, wenn andernorts Cyber-Angriffe gestartet werden.


Die Einfallstore der Cyber-Angreifer

Auch andere Konzerne rüsten auf. So steckt Microsoft rund eine Milliarde Dollar pro Jahr in die Sicherheit, um allein die rund 400 Millionen Geräte besser vor Cyber-Attacken zu schützen, die über Windows 10 laufen. Der US-Softwarekonzern baut derzeit massiv sein Industriegeschäft aus, weil er sich hier enorme Wachstumsraten verspricht.

Die Deutsche Telekom will in den Kampf gegen Cyber-Attacken auf sogenannte „kritische Infrastrukturen“ wie etwa Energie- oder auch Wasserversorgung eingreifen. Intelligente, vorausschauende Wartung vernetzter Fabriken und Maschinen mit Eingriffen aus der Ferne via virtueller Realität ist einer der Mega-Trends der Hannover Messe. Die Schnittstellen nach außen stellen aber ein potenzielles Einfallstor für Cyber-Angreifer dar, warnte der Leiter der neuen Telekom-Security-Sparte, Dirk Backofen. Ziel sei, einen virtuellen Raum in der Cloud zu schaffen, in dem Techniker kritische Fälle prüfen – ohne direkt Zugriff auf etwa ein Kraftwerk zu erhalten.

Seit Januar bündelt der Konzern in dem neuen Geschäftssegment Telekom Security die entsprechenden Kompetenzen des Unternehmens – mit 1200 Mitarbeitern. Backofen geht davon aus, dass der Sicherheitsmarkt für Industrienetzwerke bundesweit etwa 2,5 Milliarden Euro schwer ist, in Europa seien es Schätzungen zufolge 13 Milliarden Euro.

Fast jedes größere Unternehmen in Deutschland war laut Studien schon Ziel einer größer angelegten Cyber-Attacke. Die Telekom hat laut Backofen Erfahrung darin, ihr eigenes Netz zu schützen. Das Unternehmen arbeite daran, nicht nur bekannte, sondern auch neue Angriffsmuster zu erkennen und die Abwehr der Systeme zu trainieren. Über scheinbar ungesicherte, virtuelle Lockangebote für potenzielle Angreifer registriert die Telekom täglich mehrere Millionen Angriffe.

Doch trotz aller Anstrengungen – es gibt nur Etappensiege, das wissen alle Beteiligte. So macht sich auch der Cisco-Deutschland-Chef keine großen Illusionen: „Das ist wie bei einem Marathonlauf – allerdings mit mitlaufendem Ziel.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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