Händler wirbt mit Minuszinsen: Neues Phänomen oder Marketing-Gag?

Händler wirbt mit Minuszinsen: Neues Phänomen oder Marketing-Gag?

, aktualisiert 11. April 2016, 14:29 Uhr
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Was verbirgt sich hinter dem Finanzierungsangebot?

von Laura de la MotteQuelle:Handelsblatt Online

Endlich scheinen die negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank auch beim Konsumenten anzukommen. Der Möbelhändler „Who's perfect“ wirbt mit einer Minus-Ein-Prozent-Finanzierung. Was wirklich dahinter steckt.

FrankfurtManche Düsseldorfer trauten wohl am Wochenende ihren Augen nicht. Mit einem Aufsteller in der Immermannstraße wirbt der Möbelhändler „Who's perfect“ mit einer Minus-Ein-Prozent-Finanzierung. Auch im Internet wird die Aktion angepriesen. Wer eine neue Einrichtung auf Pump kauft, muss dafür keine Zinsen zahlen, sondern bekommt sogar noch Geld geschenkt. Als Anlass nennt das Unternehmen das 20-jährige Firmenjubiläum. Der Zinssatz soll im gesamten April als Hingucker dienen.

Negative Kreditzinsen – ein Traum für alle Konsumenten. Wird er jetzt endlich wahr? Während die Banken aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank derzeit die Sparzinsen auf ein Minimum schrumpfen und sogar über Strafzinsen nachdenken, sinken die Kreditzinsen kaum. Und das, obwohl die Banken selbst derzeit für bis zu minus 0,4 Prozent Geld bei der EZB aufnehmen können, wenn sie es dann als Darlehen ausreichen.

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Die Minuszinsen an die Kreditnehmer weiterzureichen widerspricht zumindest der Tradition. Der Bankenfachverband, ein Zusammenschluss deutscher Verbraucher-Finanzierer, schreibt auf seiner Homepage zu einem „Kodex Verantwortungsvolle Kreditvergabe“: „Das geliehene Geld muss der Kunde in der Regel in festgelegten Fristen und mit Zinsen an die Bank zurückzahlen.“ In der Vergangenheit hatten einzelne Fälle von Krediten mit negativem Zins Schlagzeilen gemacht, etwa bei einem dreijährigen Darlehen in Dänemark.

Kommt jetzt auch in Deutschland der Durchbruch? Der vermittelte Verbraucherkredit stammt von der Santander Consumer Bank, einem der größten Konsumentenfinanzierer in Deutschland. Beim Blick in die Angebotsdetails zeigt sich: Es handelt sich in Wahrheit um eine Nullprozent-Finanzierung mit 24 Monaten Laufzeit. Der augenfällige Minuszins von „Who’s perfect“ wird vom Unternehmen als einprozentige Erstattung des Kaufpreises nach Auslieferung der Ware ausgezahlt. Das heißt im Klartext: Das Minus vor dem Zins ist in Wahrheit ein einprozentiger Rabatt auf den Kaufpreis, der durch den Händler gewährt wird – und nicht durch die Bank. Doch wer kann schon Kunden damit locken, dass etwas ein Prozent billiger ist? Der Negativzins erregt schlicht mehr Aufmerksamkeit.


Kaufpreis-Discount ist nicht unüblich

„Das Finanzierungsangebot ist eine clevere Marketing-Aktion“, bestätigt Peter Barkow, Geschäftsführer der Finanzierungsberatung Barkow Consulting. „Dass Kunden auch bei einer Nullprozentfinanzierung noch mal über den Kaufpreis nachverhandeln, ist nicht unüblich. Ein Discount von einem Prozent ist dabei noch relativ wenig“, erklärt der Experte. Auch Kunden, die keine Finanzierung abschließen, können versuchen, einen Kaufpreis-Rabatt auszuhandeln.

Echte negative Kreditzinsen von Banken für Verbraucher bleiben damit vorerst in Deutschland eine Utopie. Im Schnitt kostet eine private Finanzierung derzeit 6,2 Prozent. Das zeigen die jüngsten verfügbaren Daten der Bundesbank aus dem Februar. „Der durchschnittliche Zins der Banken für Konsumentenkredite ist seit 2012 zwar stetig gesunken, liegt aber immer noch meilenwert entfernt von negativen Werten“, betont Barkow.

Auch wenn es noch keine Negativzinsen gibt, sind Nullprozentfinanzierungen bei Möbel- und Elektromärkten häufig anzutreffen. Wird eine Finanzierung zu Null statt der durchschnittlichen 6,2 Prozent angeboten, ist der Zins subventioniert. „Die Kosten für den Zinsrabatt übernimmt in der Regel der Händler“ erklärt Barkow. Aber manchmal übernehmen auch die Banken einen Teil, um an Daten neuer Kunden zu gelangen. Den Neukunden können die Geldhäuser dann später eventuell weitere, lukrativere Produkte verkaufen – wie einen Baukredit. Die meiste Unterstützung bekommen Autohändler. „Autobanken subventionieren häufig Kredite, um den Absatz anzukurbeln“, beobachtet Barkow.

Quelle:  Handelsblatt Online
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