Hall of Fame der Familienunternehmen: Weitsichtig, radikal, nachhaltig

Hall of Fame der Familienunternehmen: Weitsichtig, radikal, nachhaltig

, aktualisiert 12. Januar 2017, 10:25 Uhr
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Mit einem Gruppenfoto und viel Applaus endete der offizielle Teil.

von Anja MüllerQuelle:Handelsblatt Online

Bereits zum neunten Mal hat das Handelsblatt wahre Pioniere der Wirtschaft ausgezeichnet. Die neuen Mitglieder der Hall of Fame der Familienunternehmen haben bewiesen, dass sie für unsichere Zeiten bestens gerüstet sind.

MünchenDas Jahr 2017 verspricht für Familienunternehmer aufregend zu werden. Ein Superwahljahr in Deutschland und ein Familienunternehmer namens Donald Trump im Weißen Haus in Washington, von dem man noch nicht weiß, ob er seiner Spezies zur Ehre gereicht.

Dabei sei doch bereits das vergangene Jahr ziemlich innovativ und disruptiv gewesen, hob Gastgeber Gabor Steingart in seinem Abendbriefing im The Charles Hotel in München an. Und die mehr als 190 Familienunternehmer schmunzelten, als der Herausgeber und Geschäftsführer des Handelsblattes beschrieb, wie eine ganze Familie ins Weiße Haus einzieht. „Wer Immobilie kann, kann auch Weißes Haus, wer goldene Wasserhähne kann, kann auch CIA. Die Kinder werden reich bedacht, alles unter Vatis Aufsicht, und auch der Schwiegersohn wird einbezogen als Berater.“

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Noch lauter lachten die Unternehmer, als Steingart beschrieb, was die deutschen Familiendynastien Piëch und Porsche vorgemacht hätten. Nämlich wie Transformation funktioniert: „Von der Produktion von Autos kamen sie in hoher Taktzahl zur Produktion von Schlagzeilen.“ Und zwar nicht mit Fake News, sondern echten Nachrichten am laufenden Band aus Wolfsburg. Man darf also gespannt auf das kommende Jahr blicken. Sicher ist nichts.

Doch die neuen Mitglieder, die am Mittwochabend in die Hall of Fame der Familienunternehmen eingezogen sind, haben bereits bewiesen, dass sie mit Unsicherheit gut umgehen können. Sie sind für ihre Mitarbeiter Kompass und Ideengeber zugleich. So wie die beiden Cousins Baldwin und Nikolaus Knauf. Sie sind ein Beispiel, dass Vetternwirtschaft kein Schimpfwort sein muss, sondern zwei erfolgreiche Unternehmerleben beschreibt.

Zusammen schufen sie vom fränkischen Iphofen aus einen Weltkonzern mit einem Umsatz von 6,5 Milliarden Euro und waren nebenbei noch als Stadträte und Bürgermeister aktiv. Krisen, die es durchaus immer wieder gab, spornten sie immer wieder an, erklärte Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen in seiner Laudatio: „Es waren Krisen, die das Unternehmen Knauf nicht nur stark, sondern auch jedes Mal größer und erfolgreicher gemacht haben.“

Beide traten Ende der 60er-Jahre in das Unternehmen ihrer Väter ein, sie saßen immer in einem Büro, sie waren ein Team. Eines, in dem jeder seine Rolle hat, wie es Baldwin Knauf einmal formulierte: „Ein gutes Auto braucht Bremse und Gaspedal. Gemeinsam haben wir dann gesteuert.“ Und auf die Frage von Moderatorin Judith Rakers, die charmant und einfühlsam durch den Festabend führte, wer denn nun in dem Spitzenduo Bremse und wer Gaspedal sei, zeigte Baldwin Knauf sogleich auf seinen Cousin Nikolaus. „ Er ist das Gaspedal.“


Geschäftsführung statt Greenpeace

Auch Antje von Dewitz geht konsequent ihren Weg. Die Chefin des Outdoor-Spezialisten Vaude tritt beherzt die Nachfolge ihres Vaters und Firmengründers Albrecht von Dewitz an. Schnell ist klar, sie will schadstoffärmer und bald schadstofffrei produzieren. „Das war und ist kein leichter Weg für ein mittelständisches Familienunternehmen“, sagte von Dewitz den Familienunternehmern im Saal.

Doch die Mitarbeiter, sie gehen diesen Weg mit, erklärte Vera-Carina Elter, Bereichsvorstand für Familienunternehmen bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, in ihrer Laudatio. Auch habe Vaude keine Probleme mit dem viel beklagten Fachkräftemangel: „Und das mitten auf dem Land – weit weg von einer hippen Großstadt.“

Unternehmer müssen, heute mehr als in der Vergangenheit, ihre Geschäftsmodelle noch radikaler infrage stellen, um ihre Unternehmen enkelfest zu machen. Dass Antje von Dewitz auch an dieses Thema ohne Scheu geht, auch wenn es dem Umsatz schadet, beweisen ihre Ideen zur Reparatur von Zelten und Rucksäcken und einer eigenen Plattform auf Ebay, auf der Kunden gebrauchte Artikel anbieten können. Elter: „Sie haben bewiesen, dass Ökonomie und Ökologie kein Widerspruch sein müssen.“

Die anwesenden Unternehmer lächelten denn auch milde, als von Dewitz freimütig erzählte: „Ich dachte immer, ich geh zu Greenpeace, aber ich kann im Unternehmen meines Vaters noch mehr für Nachhaltigkeit leisten.“ Und von Dewitz ist sich durchaus bewusst, sagte sie den versammelten Familienunternehmern, dass die Zeiten sich deutlich geändert haben. Das Vaude-eigene Kinderhaus, dass sie für Kinder ab vier Monaten eingerichtet hat, war früher fast eine kleine Sensation, „heute fällt es unter Risikomanagement“, sagte die vierfache Mutter.


Betriebswirtschaft statt Bildende Kunst

Manfred Fuchs ging auch seinen Weg weitsichtig, konsequent und nachhaltig. Aber der langjährige Firmenchef des Schmierstoffspezialisten Fuchs Petrolub ging ihn ganz anders als der typische Familienunternehmer. Er ging an die Börse – bereits Mitte der 80er-Jahre. Dass auch das kein Widerspruch sein muss, zeigt seine Bilanz nach 41 Jahren Unternehmertum. Dabei wollte Fuchs gar nicht Unternehmer werden, sondern Bildhauer. Doch der Vater mahnte, der Bub solle etwas Rechtes lernen. Betriebswirtschaft also statt Bildende Kunst.

„Er hat die Kreativität des Künstlers in unternehmerische Kreativität verwandelt“, fast Laudator Sven Afhüppe zusammen. Und es geht ein Raunen durch den großen Saal des Charles Hotels als der Chefredakteur des Handelsblattes die Leistungen von Fuchs aufzählt: 70 Prozent Eigenkapitalquote, Börsenwert von mehr als 5 Milliarden Euro – Schwergewicht im MDax, 3.400 Prozent Wertsteigerung in den vergangenen 15 Jahren.

Und anders als die meisten Familienunternehmen sieht Manfred Fuchs noch heute, wie Afhüppe ausführt, dass der Börsengang einen „heilsamen Zwang“ entwickelt habe, um Dinge nüchtern zu betrachten und die familiären Emotionen auszuschalten. So zum Beispiel als Sohn Stefan sich bei der Nachfolge nicht nur beim Vater, sondern im ganzen börsennotierten Unternehmen beweisen musste. Dass dies gelungen ist und das Unternehmen heute noch erfolgreicher dasteht, ist eine generationenübergreifende Leistung, die erarbeitet sein will, vom Nachfolger und vom Übergeber.

Heute widmet sich Manfred Fuchs wieder der Kunst. „Das hilft mir auch bei meiner seelischen Balance“, sagt Fuchs in seiner Dankesrede. Mittlerweile malt er abstrakt und findet es am schwierigsten aufzuhören. In seinem Unternehmen aber hat er es geschafft.

Umrahmt wurde die festliche Preisverleihung von dem Auftritt der Sängerin Y'akoto mit ihren Songs „Diamonds“ und „Without You“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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