Handelsblatt Jobturbo: Die schwierige Suche nach Personal-Experten

Handelsblatt Jobturbo: Die schwierige Suche nach Personal-Experten

, aktualisiert 31. August 2016, 11:11 Uhr
Bild vergrößern

Die Bewerberzahlen im Bereich Personal gehen zurück. Foto: Fotolia

Quelle:Handelsblatt Online

Die Stellenangebote im Berufsfeld Personal nehmen aktuell stetig zu und übertreffen die Nachfrage. Doch nicht alle Berufssegmente sind gleichermaßen betroffen. Wo HR-Experten besonders dringend gesucht werden.

KölnKonnten Unternehmen seit 2013 bei der Rekrutierung von gut ausgebildeten und berufserfahrenen Human-Resources-Profis (HR) noch auf eine hohe Zahl von Bewerbern zugreifen, hat sich die Situation im ersten Halbjahr 2016 merklich verändert. Erstmals seit Dezember 2012 ist das Job-Angebot wieder größer als die Nachfrage, was die Suche nach passenden HR-Kandidaten schwieriger macht, stellt karriere.de in seiner Bewerbermarkt-Analyse fest. HR-Profis zeigten sich oft wechselunwillig und seien nicht aktiv suchend, sondern beobachteten lediglich den Job-Markt.

Die Personalberatung Kienbaum unterstreicht in ihrer HR-Studie die Schwierigkeiten der Unternehmen, im Bereich Personal Talente zu rekrutieren. Nicht zuletzt deswegen, da sich HR-Prozesse im Wandel befänden und sich der Bedarf im Rahmen der voranschreitenden Digitalisierung verändere. Es sei bei den Entscheidern „noch nicht als Topthema verankert“, die Mitarbeiter auf die digitale Transformation vorzubereiten, bemängelt auch der Personaldienstleister Hays und bezieht sich dabei auf eine von ihm in Auftrag gegebene empirische Studie beim Institut für Beschäftigung und Employability (IBE).

Anzeige

Daraus folgt: Wenn also die Personalfunktion stärker in die digitale Unternehmenstransformation eingebunden werden soll, wird sich der Bedarf an entsprechenden Mitarbeitern in Zukunft deutlich erhöhen müssen. Doch noch würden die Personaler „abgehängt, weil sie im digitalen Veränderungsprozess nicht als relevante Partner des Managements wahrgenommen werden“, sagt Walter Jochmann, Geschäftsführer des Kienbaum Insitut@ISM. Eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts belegt aber auch, dass bislang nur die wenigsten Personaler die Chance erkennen, „an der strategischen Entwicklung des Unternehmens mitzuwirken“.

In den Stellenanzeigen spiegelt sich dieser Trend daher noch nicht wider, wie die HR- Bewerbermarktanalyse von Karriere.de zeigt. Die Segmente, die zurzeit vom Bewerbermangel besonders betroffen sind und die Bereiche, in denen Chancen auf der Suche nach Bewerbern bestehen, zeigen, dass die Suche nach Fachkräften für die Personalabteilungen zukünftig nicht einfacher wird.


Der Blick auf den Gesamtmarkt

Ungünstige Entwicklung für Stellenanbieter in einzelnen HR-Bereichen

Fachkräftemangel ist einer der am häufigsten verwendeten Begriffe im Zusammenhang mit dem deutschen Bewerbermarkt 2016. Denn es ist äußerst schwierig, qualifizierte und berufserfahrene Arbeitskräfte zu gewinnen. So stieg die Nachfrage im Gesamtmarkt von Januar bis Juni 2016 um winzige 3,16 Prozent, gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Stellenausschreibungen um 12,31 Prozent. Im Berufsfeld Personal ist die Entwicklung für Stellenanbieter noch ungünstiger: Die Nachfrage verringerte sich seit Januar 2016 um 3,90 Prozent, das Angebot hingegen erhöhte sich um 11,33 Prozent.

VERLIERER (rückläufige Bewerbernachfragen im Vergleich zum Januar 2016)

Personalentwicklung: – 14,45 Prozent
Talentmanagement, Nachwuchsförderung

Personalreferent: – 13,17 Prozent
Referent Personalverwaltung, Human Resources Manager

Personalleitung: – 7,86 Prozent
Direktor Human Resources, Teamleiter

Die Suche nach idealen Job-Kandidaten ist schwieriger geworden, denn dem Rückgang der Bewerberzahlen steht die positive Entwicklung der Stellenangebote gegenüber. Im zweitgrößten Bereich Personalentwicklung stiegen die Job-Angebote um 4,37 Prozent (Juni 2016: 2.768 Stellenausschreibungen). Lediglich der Umstand, dass ein Nachfrage-Überschuss besteht, eröffnet Stellenanbietern Chancen auf der Suche nach geeigneten Kandidaten.

Die Gewinner-Bereiche

Im größten Segment Personalreferent zogen die Job-Angebote um 5,23 Prozent gegenüber Januar 2016 (Juni 2016: 9.259 Stellenausschreibungen) an. Der deutliche Angebots-Überhang verschlechtert die Chancen von Unternehmen auf der Suche nach idealen Bewerbern. Noch ungünstiger gestaltet sich die Suche im Segment Personalleitung, denn das Angebot erhöhte sich um überproportionale 29,68 Prozent. Da auch in diesem kleinen Bereich (Juni 2016: 254 Stellenausschreibungen) das Angebot die Nachfrage deutlich übertrifft, haben Recruiter größte Schwierigkeiten, ideale Job-Kandidaten zu finden.

GEWINNER (zunehmende Bewerbernachfragen im Vergleich zum Januar 2016)

Personalmanagement: + 114,45 Prozent

Personalkaufmann, Personalsachbearbeiter


Personalmarketing: + 49,13 Prozent

Headhunter, Recruiter


Assistenz Personalleitung: + 27,53 Prozent

Personalassistent, Assistent der Personalleitung


Lohn & Gehalt: +1,89 Prozent

Sachbearbeiter Lohn/Gehalt, Assistent Lohn/Gehalt


Personalcontrolling: + 1,64 Prozent

Personalcontroller, Assistent Personalcontroller

Die steigende Nachfrage in den kleinen Bereichen Assistenz Personalleitung, Lohn & Gehalt und Personalcontrolling sowie das zum Teil deutlich zurückgehende Angebot (Lohn & Gehalt: – 20,96 Prozent; Controlling: – 20,51 Prozent) erhöhen die Chancen von Anbietern auf der Suche nach dem idealen Bewerber.

Die überdurchschnittliche Zunahme der Bewerber in den Bereichen Management und Marketing vereinfacht die Suche nach geeigneten Kandidaten jedoch nur vordergründig, denn gleichzeitig legten auch die Stellenausschreibungen beinahe ebenso stark oder stärker (Management: +76,59 Prozent; Marketing: + 61,75 Prozent) zu. Wenn dann auch noch – wie im Personalmarketing – ein deutlicher Angebots-Überschuss besteht, macht dies die Suche nach dem idealen Kandidaten schwieriger. Deshalb hilft auch in diesem Fall nur ein Mittel: die gezielte Ansprache von Bewerbern.

Der Markt der Stellenbörsen wird von Jahr zu Jahr unübersichtlicher und ist selbst für Unternehmen kaum noch zu durchschauen. Über 16.000 Angebote für HR-Experten wurden im Juni 2016 in Zeitungen, Fachmagazinen, Stellenbörsen und Fachportalen geschaltet. Viele dieser Jobs blieben unbesetzt, denn ohne professionelle Tools wird die Bewerbersuche für Unternehmen schnell zur Dauerbelastung.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%