Handelsblatt Jobturbo: Umschwung auf dem Stellenmarkt

Handelsblatt Jobturbo: Umschwung auf dem Stellenmarkt

, aktualisiert 01. März 2017, 10:08 Uhr
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Der Weg zum Traumjob ist nicht einfach.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach dem Angebotsrekord zum Jahresende 2016 hat der Job-Markt den Aufwärtstrend beendet. Die Zahl der Annoncen ging um rund elf Prozent zurück. In welchen Branchen es trotzdem noch viele offene Stellen gibt.

Köln Seit Juni 2016 kannte das Job-Angebot am deutschen Stellenmarkt nur eine Richtung: aufwärts – sieht man von zwei kleinen Verschnaufpausen im September und November ab. Die Folge: Im August (5.464.801 Stellenangebote) und Oktober (5.616.554) wurden neue historische Höchststände erzielt, die im Dezember mit 5.775.668 Arbeitsplatz-Annoncen noch einmal eindrucksvoll überboten wurden.

Doch jeder Aufschwung hat ein Ende, der Job-Markt hat an Dynamik verloren, im Januar setzte eine deutliche Korrekturphase ein, nur noch 5.141.471 Stellen wurden ausgelobt. Im Jahresvergleich ist dies weiterhin ein grundsolider Wert, denn gegenüber Januar 2016 wuchs die Zahl der Annoncen um 16,04 Prozent, die Bewerbernachfragen ermäßigten sich leicht um 2,64 Prozent.

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Die jetzige Marke zeigt aber deutlich: Nur die Menge an Auswahlmöglichkeiten verringert sich – während die Erwerbstätigkeit an sich einen Höchststand verzeichnet. Gleichzeitig gehe der Stellenaufbau der Unternehmen weiter, stellt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fest.

Die deutsche Wirtschaft sieht deutlich Innovations- und Wettbewerbspotenziale, fürchtet aber jetzt schon um die „richtigen“ Fachkräfte. Die Zahl der älteren Fachkräfte, sprich der Generation der Babyboomer, werde daher zeitweise steigen (müssen), wie aus einer gerade veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht. „Die Anerkennung Älterer in der Gesellschaft, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Integration von Migranten sind Ziele, deren Stellenwert aus einer Arbeitsmarktperspektive heraus noch zunimmt“, prognostizieren die Arbeitsmarktforscher bei einer Betrachtung des Arbeitskräfteangebots bis zum Jahr 2060.Nach dem zum Jahreswechsel gemessenen Rekordhoch hat seit Anfang Januar am Job-Markt eine deutlich sichtbare Konsolidierungsphase eingesetzt.

Da die Bewerberzahlen seit dem Tiefstwert im September 2016 nur leicht gestiegen sind, haben wechselwillige Fachkräfte immer noch beste bis allerbeste Chancen auf der Suche nach dem idealen Job.

Der Blick auf den Gesamtmarkt

Kräftig durcheinandergewirbelt präsentiert sich das karriere.de-Berufsfelder-Ranking im Januar. Im Jahresvergleich ist zwar in zwölf von 18 analysierten Berufsfeldern weiterhin ein überdurchschnittliches Job-Wachstum zu konstatieren, aber die Rekordhatz der letzten Monate ist erst einmal vorbei. Gegenüber den Rekordmarken im Dezember mussten alle Berufsfelder – außer Gastronomie & Touristik – Job-Angebotsverluste hinnehmen.

In vielen Bereichen sind darüber hinaus deutlich anziehende Bewerberzahlen zu verzeichnen, der Angebots-Überschuss wird aufgrund dieser beiden Faktoren deutlich geringer. Die Entwicklung zeigt zum Beispiel im Handwerk erstmals wieder einen Rückgang der Stellenausschreibungen.


Berufsfelder mit dem höchsten Job-Zuwachs

Das Ranking enthüllt die prozentuale Zunahme des Job-Angebots, die Veränderung der Bewerbernachfragen, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage sowie die Chancen und Risiken von Bewerbern.

Ranking: Die Berufsfelder mit dem höchsten Job-Zuwachs

(Stellenangebote im Vergleich zu Januar 2016)

1. Gesundheit: + 67,26 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 2 mit + 54,07 Prozent.

Arbeits- und Betriebsmediziner, Altenpfleger, Pflegedienstleiter (Bewerber: + 38,27 Prozent; Job-Angebot seit Januar knapp unter der Bewerbernachfrage). 198.218 vakante Stellen waren im Januar ausgeschrieben, viel weniger als im Rekordmonat Dezember (236.092). Der Konkurrenzdruck steigt, Experten haben dennoch gute bis sehr gute Job-Chancen.

2. Wissenschaft & Forschung: + 65,72 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 1 mit + 97,06 Prozent.

Doktorand, Naturwissenschaftler, Projektleiter (Bewerber: + 17,94 Prozent; Job-Angebot knapp über Nachfrage). Das Allzeit-Hoch von Dezember (114.632 Jobs) wurde mit 95.553 Annoncen verfehlt. Dennoch haben Bewerber beste Job-Chancen.

3. Medien: + 46,97 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 3 mit + 48,87 Prozent.

Social Media, Marketing-Manager, PR & Kommunikation (Bewerber: + 8,1 Prozent; Job-Angebot stark über Nachfrage). 69.167 vakante Positionen bieten Medien-Profis allerbeste Chancen auf der Suche nach dem idealen Job, auch wenn das Dezember-Hoch (73.582) nicht mehr erreicht wurde.

4. Office: + 38,44 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 5 mit + 43,37 Prozent.

Bilanzbuchhalter, Kaufmännische Berufe, Notariatsfachangestellte (Bewerber: – 6,89 Prozent; Job-Angebot stark über Nachfrage). 345.982 Stellenvakanzen (Dezember-Hoch: 378.964) bieten sehr gute Karriere-Möglichkeiten. Berufseinsteiger sollten die Gunst der Stunde nutzen.

5. Transport, Logistik & Warenwirtschaft: + 30,10 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 4 mit + 43,71 Prozent.

Kraftfahrer, Einkäufer, Disponent (Bewerber: + 16,0 Prozent, Job-Angebot knapp über Nachfrage). Der Wettbewerb wird stärker, dennoch bieten 198.535 annoncierte Arbeitsplätze (Dezember-Hoch: 223.779) beste Job-Chancen.

6. Marketing: + 28,61 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 11 mit + 26,32 Prozent.

Produktmanager, Marketing Manager, Marketing Assistent (Bewerber: + 2,19 Prozent; Job-Angebot solide über Nachfrage). 188.091 Stellenanzeigen (Dezember-Hoch: 196.071) ermöglichen weiterhin beste bis allerbeste Karriereaussichten.

7. Bildung und Sozialberufe: + 25,31 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 13 mit + 17,34 Prozent.

Lehrer, Erzieher, Trainer (Bewerber: + 25,31 Prozent; Job-Angebot stark unter Nachfrage). Trotz 39.713 ausgeschriebenen Positionen (Dezember: 43.299) sorgt der starke Bewerber-Überschuss für enormen Konkurrenzdruck. So bleibt die Suche nach dem idealen Job weiterhin sehr schwierig.

8. IT & Telekommunikation: + 24,81 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 6 mit + 37,63 Prozent.

IT-Sicherheitsmanager, Software-Entwickler, Fachinformatiker (Bewerber: + 12,96 Prozent; Job-Angebot solide über Nachfrage). 707.920 Arbeitsangebote sind weit entfernt vom dem Dezember-Topwert (803.147), Spezialisten bieten sich jedoch beste Job-Aussichten.

9. Banking & Finance: + 21,83 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 9 mit + 27,83 Prozent.

Real Estate, Versicherungen, Buchhaltung (Bewerber: – 7,12 Prozent; Job-Angebot extrem unter der Nachfrage). Die Chancen auf der Suche nach dem idealen Job bleiben in dem von Krisen geschüttelten Berufsfeld trotz 86.253 Angeboten (Dez.: 93.508) gering, höchstens Experten können sich unter großem Konkurrenzkampf Job-Chancen ausrechnen.

10. Personalwesen: + 21,43 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 17 mit + 9,67 Prozent.

Talentmanagement, Nachwuchsförderung, Recruiter (Bewerber: + 3,38 Prozent; Job-Angebot solide über Nachfrage). 17.762 (Dez.: 17.961) Positionen waren im Januar in dem kleinen Berufsfeld unbesetzt. Job-Chancen: sehr gut bis bestens.


Die Plätze 11 bis 18

11. Jura: + 17,88 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 10 mit + 26,52 Prozent.

Handels- und Gesellschaftsrecht, Bau- und Kapitalmarktrecht (Bewerber: – 6,85 Prozent; Job-Angebot solide über Nachfrage). 43.574 Stellenausschreibungen (Dezember-Hoch: 52.282) ermöglichen bei zurückgehenden Bewerberzahlen allerbeste Job-Chancen.

12. Management & Leitung: + 17,80 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 14 mit + 15,90 Prozent.

Abteilungsleiter, Business Analyst, Bereichsleiter (Bewerber: – 8,19 Prozent; Job-Angebot deutlich unter der Nachfrage). Weiterhin gute Aufstiegs-Möglichkeiten (280.741 offene Stellen; Dez.: 292.964) für Experten, aber die Kluft zwischen Nachfrage und Angebot wird größer.

13. Consulting: + 9,79 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 15 mit + 15,47 Prozent.

Business Consultant, Berater, HR Consultant (Bewerber: – 16,99 Prozent; Job-Angebot seit Januar wieder knapp über Nachfrage). Nachlassende Bewerberzahlen und 233.348 Job-Angebote (Dez.: 253.756) bieten wechselwilligen Consulting-Profis neue Chancen auf der Suche nach dem idealen Job.

14. Gastronomie & Tourismus: + 5,60 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 18 mit + 8,63 Prozent.

Serviceleiter, Servicemitarbeiter, Koch, Catering (Bewerber: + 17,32 Prozent; Job-Angebot extrem über Nachfrage). Das einzige Berufsfeld, in dem die Zahl der ausgeschriebenen Stellen (472.947) gegenüber Dezember (470.449) gestiegen ist. Deshalb trotz des deutlichen Bewerberzuwachses beste bis allerbeste Job-Chancen.

15. Bauwesen & Immobilien: + 4,90 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 8 mit + 33,10 Prozent.

Hochbau/Tiefbau, Straßenbau, Immobilienkaufmann, Bauingenieur (Bewerber: + 12,70 Prozent; Job-Angebot knapp über Nachfrage). 139.558 Annoncen liegen nur noch knapp über dem Januarwert 2016, der Dezemberwert (180.228) rückte in weite Ferne. Nur die besten Fachkräfte haben zurzeit Chancen auf den idealen Job.

16. Ingenieure und Technik: + 4,74 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 12 mit + 22,74 Prozent.

Maschinenbau, Nachrichtentechnik (Bewerber: – 16,09 Prozent; Job-Angebot erstmals seit Juni 2016 wieder knapp unter Nachfrage). Der Konkurrenzdruck nimmt zu, da nützt selbst die Verminderung der Bewerberzahlen wenig. Wechselwilligen Kandidaten sollten einen höheren Angebots-Wert abwarten, denn der sank von 1.099.986 zu besetzenden Stellen im Dezember auf nur noch 932.878 im Januar. Lediglich Spezialisten haben gute Chancen bei der Suche nach dem Traumjob.

17. Vertrieb: + 4,07 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 16 mit + 10,78 Prozent.

Sales Assistent, Account Manager, Sales Manager (Bewerber: – 8,91 Prozent; Job-Angebot knapp über Nachfrage). Für Vertriebler wird die Luft am Stellenmarkt dünner, in ihrem Berufsfeld ist zwar noch ein geringer Zuwachs im Jahresvergleich messbar, die Zahl der Arbeitsangebote ging jedoch von 555.845 (Dez.) auf 502.911 zurück. Der Wettbewerb verschärft sich.

18. Handwerk: – 1,30 Prozent
• Platzierung in der Vergleichsanalyse (Okt. 2016): Rang 7 mit + 36,11 Prozent.

Elektriker, Betriebsschlosser, Maler, Mechatroniker (Bewerber: + 50,16 Prozent; Job-Angebot fällt deutlich unter die Nachfrage). Das ist das einzige Berufsfeld, dessen Job-Angebot sich im Jahresvergleich verringert hat. Noch im Dezember sorgten 194.777 zu besetzende Stellen für ein Allzeit-Hoch, im Januar waren es dagegen nur noch 137.844. Da sich die Bewerberzahlen auf kaum verändert hohem Niveau bewegen, haben nur die Besten überhaupt Chancen beim Berufseinstieg oder -wechsel. Eine professionelle Unterstützung bei der Jobsuche ist nötig.

Der Markt der Stellenbörsen wird von Jahr zu Jahr unübersichtlicher und ist für den Einzelnen kaum noch zu durchschauen. Im Schnitt werden täglich über 184.000 Job-Angebote in Zeitungen, Fachmagazinen, Stellenbörsen und Fachportalen geschaltet. Ohne professionelle Tools wird die Jobsuche schnell zu einem Fulltime-Job.

Quelle:  Handelsblatt Online
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