Handelsblatt-Umfrage: Warum ist Dr. Z. so cool?

Handelsblatt-Umfrage: Warum ist Dr. Z. so cool?

, aktualisiert 08. Juni 2016, 16:17 Uhr
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Ist er Deutschlands beliebtester CEO? Auf jeden Fall einer der lässigsten.

von Stefan Menzel, Catrin Bialek und Markus FasseQuelle:Handelsblatt Online

Das Handelsblatt will wissen, wer der interessanteste Firmenlenker, die beste Chefin ist – und zwar von Ihnen. Derzeit führt Daimler-Chef Dieter Zetsche unsere Umfrage an. Sieben Gründe für seine besondere Popularität.


Dieter Zetsche hat beste Aussichten, zum beliebtesten deutschen Unternehmenschef gekürt zu werden – zumindest im Kreise der Handelsblatt- Leserinnen und Leser. Seit Ende vergangener Woche fragt die Redaktion, welchen Unternehmenslenker Sie am liebsten mal bei einem Gespräch kennenlernen möchten. Bis heute Nacht können Sie noch abstimmen. Der 63-Jährige Zetsche jedenfalls liegt bislang klar vorn – vielleicht wegen folgender sieben Faktoren.

Der CEO

Dieter Zetsche steht an der Spitze eines mittlerweile wieder gefeierten Unternehmens. Daimler hat zwar eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Doch die Marke Mercedes überstrahlt alles. Die Autos mit dem Stern aus Schwaben haben weltweit hohes Renommee. Seit 1976 arbeitet Dieter Zetsche in diesem Konzern – und hat dabei genau gelernt, was Daimler-Kunden wünschen, aber auch was die Marke Mercedes von diesen Träumen wahrmachen kann.

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Der Kämpfer

Vor drei Jahren sah es so aus, als ob Daimler den Anschluss verloren hätte und die beiden großen Premium-Konkurrenten BMW und Audi auf Dauer am Stuttgarter Konzern vorbeigezogen wären. Zetsche bekam die Krise ganz persönlich zu spüren, als ihm der Aufsichtsrat quasi zur Bewährung nur eine Vertragsverlängerung von drei statt der üblichen fünf Jahre gewährte.

Seine Antwort: Mit glänzenden Zahlen hat er das Imperium an die Spitze zurückgebracht und darf jetzt sogar bis 2019 als Vorstandschef weitermachen. Im vergangenen Jahr hat Daimler 8,7 Milliarden Euro verdient, ein Plus von 19 Prozent. Noch beliebter als geborene Sieger sind indes jene, die nach einer echten Niederlage wieder aufstehen. Im Jahr 2000 wurde Zetsche in die USA geschickt, wo er im Auftrag von Jürgen Schrempp die angeschlagene Tochter Chrysler saniere sollten.

Fünf Jahre blieb er in Detroit, konnte immerhin einige Erfolge verbuchen. Doch am Ende reichten all seine Anstrengungen nicht. Es war auch eine Niederlage für Zetsche, als Daimler im Jahr 2007 die Tochter Chrysler wieder verkaufte. Die lange gefeierte „Hochzeit im Himmel“ hatte nicht funktioniert. Der Premiumhersteller aus Stuttgart und der Massenanbieter aus Detroit passten einfach nicht zueinander.

Ein Mann als Marke

Auch Optik ist längst wichtig für einen Manager. Der Walross-Schnauzbart ist mittlerweile für Zetsche, was der Stern für Mercedes ist: ein ganz persönliches Markenzeichen. Als Chrysler-Chef in den USA ließ er die Comic-Figur „Dr. Z“ samt eigener Homepage kreieren – und sammelte damit als Deutscher unter der amerikanischen Belegschaft Pluspunkte. Dieter Zetsche versteht etwas von Markenbildung und Kommunikation.

Und nicht nur er. Sein Kommunikationschef Jörg Howe kommt ursprünglich aus dem Journalismus und war lange Chefredakteur des privaten Fernsehsenders SAT1. Ende 2014 sorgten Zetsche und sein oberster Markenchef Jens Thiemer für Aufruhr in der deutschen Werbebranche.

Denn den Agenturen, die sich damals um den lukrativen Werbeetat beworben hatten, erteilte Mercedes eine klare Absage. Die Mercedes-Markenarbeit vertrauten sie den renommierten Werbern Tonio Kröger und André Kemper an. Das Duo gründete 2015 eigens die neue Agentur Antoni, verewigte die eigenen Vornamen auf diese Weise im Klingelschild und nahm die Arbeit auf. Binnen weniger Monate wurden mehr als 70 Mitarbeiter angeworben.

Das Showtalent

Der Stuttgart Konzernchef ist (fast) für jeden Spaß zu haben und beweist regelmäßig sein schauspielerisches Talent. Auf großen Automessen klettert er schon einmal aus einem Überraschungspaket heraus, setzt sich einen Feuerwehrhelm auf oder zapft am Daimler-Stand Bier für seine Gäste. Beim großen Pathfinder-Event des Handelsblatts in Berlin legte er eine fröhliche Tanzeinlage hin, als der Kanadier Eric Gauthier mit seiner „Dance Company“ auf die Bühne trat.

Das Signal: Dieser CEO versteckt sich nicht. Am Mittwochabend etwa folgt er einer Einladung von Bild-Herausgeber Kai Diekmann, um in dessen Haus seine Visionen selbst unters Medienvolk zu bringen.


Weltenbummler, Steher, Visionär

Der Weltenbummler

Dieter Zetsche hat eine Bilderbuch-Karriere hinter sich und extrem große internationale Erfahrung im Daimler-Konzern gesammelt. Immer wieder arbeitete er für längere Zeit in den USA, außerdem führte er Auslandstöchter in Brasilien und Argentinien. Zudem wechselt er mehrfach zwischen den Lkw- und Pkw-Sparten innerhalb des Konzerns – eine Grundvoraussetzung dafür, um bei Daimler ganz weit nach oben zu kommen.

Der Steher

Dieter Zetsche hat nicht nur beruflich den einen oder anderen Schlag verkraften müssen. Besonders hat traf ihn der Tod seiner Frau, die vor sechs Jahren einem Krebsleiden erlag. Der Daimler-Chef hat anschließend schwere Zeiten überstanden. Das prägt ihn bis heute. Und das hat auch sein Denken und Handeln verändert. Mit Details zu seinem Privatleben hält er sich zurück.

Der Visionär

Dieter Zetsche warnt gern davor, sich auf aktuellen Erfolgen auszuruhen. „Es geht nun darum, hungrig zu bleiben“, beteuert der Daimler-Chef. Zetsche meint damit an allererster Stelle die Digitalisierung, die der gesamten Autobranche bevorsteht. Für ihn ist dieser Wandel „unser wichtigstes Innovationsfeld und die Basis für wirklich intelligente Autos“.

In den verbleibenden drei Jahren als Daimler-Chef wird es Zetsches letzte große Aufgabe sein, diesen Wandel im eigenen Konzern voranzubringen. Offensiv. Am Mittwochabend streitet er sich zum Beispiel in Berlin mit Uber-Chef Travis Kalanick über die Mobilität der Zukunft.

Auch zu Hause in Stuttgart will er noch mal richtig angreifen. Zetsche gehört zu den Automanagern, die fest an das autonome Fahren glauben. Daimler hat bereits angekündigt, dass im Jahr 2020 das erste selbstfahrende Auto des Konzerns unterwegs sein soll. Als Premiumanbieter hat der Konzern dabei einen großen Vorteil gegenüber Massenherstellern. Der Stuttgarter Konzern wird das autonome Fahren schneller als andere durchsetzen können: Neue Technik im Auto ist immer teuer, Premiumkunden sind am ehesten dazu bereit, dafür auch zu zahlen.

Im Konzern macht das autonome Fahren einen höheren Entwicklungsaufwand erforderlich. Zetsche passt auf, dass im Daimler-Konzern entsprechend mehr investiert wird. In der Jahresbilanz für 2015 stehen Entwicklungsausgaben von knapp 4,8 Milliarden Euro, immerhin ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Handelsblatt-Leser scheinen Zetsche den Veränderungswillen zuzutrauen, sonst hätten sie ihn wahrscheinlich nicht auf den derzeit ersten Platz in unserem aktuellen Ranking gesetzt. Auf Rang zwei folgt Nicola Leibinger-Kammüller, die Chefin des Maschinenbauunternehmens Trumpf aus dem schwäbischen Ditzingen. Vielleicht holt sie oder einer der anderen Kandidaten ja noch auf. Ausnahmsweise darf man hier mal einen alten Slogan der Konkurrenz von Toyota missbrauchen: Nichts ist unmöglich. Bis heute Nacht kann gewählt werden.


Das Voting

Die Idee: Dax-Vorstände, Aufsichtsräte, Internetpioniere, Familienunternehmer – das Handelsblatt trifft sie alle. Zu Interviews, zu Hintergrundgesprächen, auf der Bühne. Ergebnis sind unterhaltsame Begegnungen und aufschlussreiche Diskussionen. Doch trifft die Redaktion eigentlich immer die richtige Auswahl? Wer ist für unsere Leserinnen und Leser der spannendste Wirtschaftsboss oder die erfolgreiche Unternehmerin? Wir wollen es von Ihnen wissen. Bei unserer großen Umfrage haben wir 40 Top-Kandidaten aufgelistet – treffen Sie jetzt Ihre Entscheidung.

Wie sich das Voting zusammensetzt? Wir haben die 30 Dax-CEOs auf die Liste gesetzt plus zusätzlich die zehn von unseren Leserinnen und Lesern seit Freitag meist genannten Familienunternehmer und Internetpioniere. Grundsätzlich können sich alle Leserinnen und Leser weiterhin an der Aktion beteiligen und bestimmen, wen wir gemeinsam mit ihnen besuchen sollen. Noch bis Mittwochnacht läuft die Aktion.

Ihre Favoritin, ihr Favorit findet sich nicht im Voting? Einfach eine Mail an steingart@morningbriefing.de


Quelle:  Handelsblatt Online
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