Haniel: Traditionskonzern bekommt „digitale Werkbank“

Haniel: Traditionskonzern bekommt „digitale Werkbank“

, aktualisiert 11. April 2016, 15:40 Uhr
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Das schwache Geschäft des Rohstoffhändlers belastet das Ergebnis der Haniel-Gruppe.

von Florian KolfQuelle:Handelsblatt Online

Haniel will von Start-ups lernen: Ein firmeninterner Inkubator soll dem traditionellen Unternehmen auf die Sprünge helfen. Neuer Schwung kann nicht schaden – ist doch das Ergebnis im vergangenen Jahr eingebrochen.

DuisburgDie Manager der Unternehmen aus der Haniel-Gruppe bekommen bald ein interessantes Nachhilfeprogramm. Der Duisburger Mischkonzern will sich an Start-ups beteiligen und dann Mitarbeitern aus ihrem Kerngeschäft die Möglichkeit bieten, eine Zeit lang bei den jungen Tech-Firmen mitzuarbeiten. „Wir wollen die Arbeitsweise dieser Start-ups besser kennenlernen, wollen verstehen, wie die Szene tickt“, sagt Haniel-Chef Stefan Gemkow dem Handelsblatt.

Rund 50 Millionen Euro hat der Traditionskonzern bereitgestellt für Investitionen in Start-up-Fonds. Voraussetzung ist, dass die Fonds dem Investor einen direkten Kontakt zu den jungen Unternehmen ermöglichen. Aus welchen Branchen diese Unternehmen kommen, ist nicht so entscheidend. „Wir wollen sehen, ob es da Ideen und Technologien gibt, die wir in unseren Unternehmen auch umsetzen können“, sagt Gemkow. Geplant sind Anteile an fünf verschiedenen Start-up-Fonds mit jeweils etwa zehn Unternehmen.

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Die Start-up-Investments sind eng verflochten mit einer neu gegründeten „digitalen Werkbank“ bei Haniel, wie Gemkow es nennt. Dabei handelt es sich um einen firmeninternen Inkubator, genannt „Schacht One“, in dem Ideen für neue Produkte oder neue Prozesse weiterentwickelt werden können. „Die Ideen sollen aus den verschiedenen Haniel-Töchtern kommen“, so Gemkow, „und in der digitalen Werkbank können sie dann beschleunigt umgesetzt werden.“ Mitarbeiter der Tochterunternehmen könnten dann drei bis sechs Monate an diesen neuen Ideen arbeiten, unterstützt von Programmierern.

Im Inkubator sollen die Erfahrungen für die Digitalisierung der Geschäftsprozesse gebündelt werden. „Es muss ja bei uns nicht jeder das Rad neu erfinden“, sagt Gemkow. Die Unternehmen der Haniel-Gruppe seien eher traditionelle Firmen, die von der Digitalisierung durchaus gefährdet seien. „Schacht One“ solle helfen, auch die Chancen der Entwicklung zu nutzen und den Wandel von Haniel zu einem digitalen Unternehmen zu beschleunigen.

In der Tat stammen die Haniel-Töchter aus Geschäftsbereichen, die mit der Digitalisierung bisher eher weniger zu tun haben. Oder wie es Haniel-Finanzchef Florian Funk augenzwinkernd formuliert: „Es sind nicht die Unternehmen, die einem auf den ersten Blick Begeisterung ins Gesicht treiben.“ Dabei sind die meisten von ihnen auf den zweiten Blick besonders für den Finanzchef attraktiv – werfen sie doch eine sehr gute Rendite ab, wie die nun vorgestellten Jahreszahlen zeigen.


Rohstoff-Tochter ELG war „Pechvogel des Jahres“

Beispiel Bekaert Textiles: Der im vergangenen Jahr zugekaufte Hersteller von Matratzenbezügen hat in den sieben Monaten, seit er bei Haniel ist, bei einem Umsatz von 139 Millionen Euro ein operatives Ergebnis von 16 Millionen Euro erzielt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist Bekaert zweistellig gewachsen – und will sein Wachstum weiter beschleunigen. So hat Marktführer Bekaert im Februar den Branchenvierten Deslee Clama übernommen.

Beispiel Takkt: Der Versandhändler für Bürobedarf hat erstmals die Umsatzgrenze von einer Milliarde Euro geknackt und das operative Ergebnis um 16 Prozent auf 129 Millionen Euro gesteigert. Mit dem Projekt „Dynamic“ soll der Versandhändler jetzt zu einem Multichannel-Anbieter umgebaut werden.

Dass das Ergebnis der Haniel-Gruppe trotzdem im vergangenen Jahr um elf Prozent auf 193 Millionen Euro abgestürzt ist, hat einen einfachen Grund; Finanzchef Funk nennt ihn den „Pechvogel des Jahres“: Der Rohstoffhändler ELG musste zahlreiche Rückschläge verkraften und hat operativ ein Minus von vier Millionen Euro verbucht - nach einem Ergebnis von 59 Millionen Euro im Jahr zuvor.

ELG, das hauptsächlich vom Recycling von Metallen für die Edelstahlproduktion lebt, hat dramatisch unter den eingebrochenen Preisen für Nickel, Chrom oder Molybdän gelitten. Dazu kam: Chinesische Edelstahlproduzenten haben wegen der Flaute im eigenen Land zunehmend Edelstahl exportiert und ELG damit das Geschäft verdorben. Außerdem belastete eine Sonderabschreibung in den USA das Ergebnis.

Nur die Finanzbeteiligung am Handelskonzern Metro konnte Haniel im abgelaufenen Geschäftsjahr das Ergebnis einigermaßen retten. So steuerte Metro 57 Millionen Euro zum Ergebnis bei. Im Jahr zuvor waren es nur 14 Millionen gewesen.

Um so wichtiger ist für Haniel die Expansion in lukrative neue Geschäftsbereiche. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen bereits eine halbe Milliarde Euro für Übernahmen ausgegeben, dieses Tempo will der Konzernchef beibehalten. Über eine Milliarde Euro stehen für Zukäufe zur Verfügung.

Doch Haniel ist durchaus wählerisch bei der Auswahl. „Wir suchen die Nadel im Heuhaufen“, so Gemkow. Die Erfahrungen mit „Schacht One“ und dem Austausch mit Start-ups können da nur hilfreich sein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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