Hannover Messe: Auf Tuchfühlung mit dem digitalen Polen

Hannover Messe: Auf Tuchfühlung mit dem digitalen Polen

, aktualisiert 24. April 2017, 13:42 Uhr
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Unter dem Leitthema „Integrated Industry – Creating Value“ zeigen dieses Jahr auf der Hannover Messe wieder Hunderte Aussteller ihre Lösungen rund um die Fabriken der Zukunft und die Energie- und Mobilitätswelt von morgen.

von Franz HubikQuelle:Handelsblatt Online

Intelligente Roboter, Elektrobusse, automatisierte Fabriken: Angela Merkel und Beata Szydlo rücken in Hannover deutsch-polnische Kooperationen in den Mittelpunkt. Die Länder sollen bei der Digitalisierung zusammenrücken.

HannoverJoe Kaeser sieht sich noch einmal um. Die Krawatte sitzt. Dann weiten sich seine Augen, er schmunzelt er kurz. Der Siemens-Chef kann die beiden Spitzenpolitikerinnen bereits aus der Ferne sehen. Angela Merkel und Beata Szydlo sind im Anmarsch. Kaeser hat für seine prominenten Gäste wortwörtlich den roten Teppich ausgerollt und beglückwünscht die deutsche und die polnischen Regierungschefin auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover mit eher ungewöhnlichen Geschenken – sie kommen frisch aus dem 3D-Drucker.

Merkel schaut verwundert, als ihr Kaeser das Präsent überreicht: Eine 3D-gedruckte Miniatur der Kanzlerin. Die Maße und Proportionen habe man geschätzt, witzelt Kaeser. Dann überreichte der Vorstandsvorsitzende des Münchner Industriekonzerns der Polin Szydlo noch einen Strauß künstlicher Tulpen. „Man kann auch Blumen drucken“, ließ Kaeser wissen und zeigte seinen Gästen einen blauen, vollbeweglichen Roboter. „Hier ist ein 3D-Drucker integriert“, erklärt Kaeser. Das sei schon der Beginn von Industrie 5.0. Seine Botschaft: Wo andere noch über die vernetzte Fabrik und das Industrie-4.0-Zeitalter reden, ist Siemens längst weiter.

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Unter dem Leitthema „Integrated Industry – Creating Value“ zeigen dieses Jahr auf der Hannover Messe wieder Hunderte Aussteller wie Siemens ihre Lösungen rund um die Fabriken der Zukunft und die Energie- und Mobilitätswelt von morgen. Im vergangenen Jahr waren die USA das Partnerland der Messe, dieses Jahr ist es Polen. Wie üblich bat Merkel daher ihren Gast zum obligatorischen Rundgang durch die Hallen.

Zuvor hat Merkel die Messe kurz nach 9 Uhr noch einmal gemeinsam mit Szydlo symbolisch eröffnet. Indem die beiden Spitzenpolitikerin auf eine Leinwand tippten, zerschnitten sie ein digitales Band. „Liebe Beata“, sagte Merkel. Bisher kenne sie von Polen vor allem die Landschaft, die Städte und die Kultur. In Hannover freue sie sich nun darauf, den Nachbarn auch mal von einer ganz anderen Seite kennenlernen – nämlich „das digitale Polen“, erklärte Merkel.

„Wir wollen uns als modernes, fortschrittliches Land präsentieren, das Digitalisierung in den Vordergrund stellt“, sagte Szydlo. 200 junge, dynamische Unternehmen aus Polen präsentieren sich auf der Messe.

Im violetten Blazer betonte Szydlo die gute wirtschaftliche Zusammenarbeit von Deutschland und Polen, 30 Milliarden Euro hätten deutsche Investoren bereits in Polen investiert. „Wir heißen deutsche Unternehmen bei uns sehr willkommen“, sagt Szydlo und appellierte an die Wirtschaft: „Bitte investieren Sie“.


VW präsentiert elektrischen Crafter

Deutsch-polnische Kooperation – dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch den Rundgang von Merkel und Szydlo. Egal welche Unternehmen sie auch besuchten – alle betonten, mit polnischen Unternehmen zu kooperieren oder in Polen eigene Fertigungen zu haben. So auch Volkswagen. Der vom Diesel-Skandal geplagte Autokonzern zeigt in Hannover seinen neuen Crafter, einen elektrisch betriebenen Kastenwagen.

Der neue Crafter werde ausschließlich in Polen produziert, erklärte VW-Chef Matthias Müller. 16.000 Mitarbeiter würden für den niedersächsischen Autobauer bereits im Nachbarland arbeiten, 800 Millionen Euro habe VW allein für sein neues Werk in Polen investiert.

Der elektrisch betriebene Crafter habe eine Reichweite von gut 200 Kilometer, erläuterte ein VW-Manager. „Wie lange dauert die Beladung“, wollte Merkel wissen. Es gehe bei einem Nutzfahrzeug wie dem Crafter nicht unbedingt um das schnelle Laden, wich der Automann aus. Das Fahrzeug würde über Nacht ja ohnehin nicht genutzt, sondern nur untertags für Zustelldienste.

Wichtig war dem VW-Manager zu betonen, dass der Elektro-Crafter Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht gänzlich ersetzen könne, etwa beim Verkehr auf Baustellen. „Warum beim Baustellen-Verkehr nicht?“, hakte Merkel nach. Das hohe Gewicht der Batterie, setzte der Automann zur Erklärung an. Aber Merkel schaute skeptisch. „Okay, dann machen wir erstmal den Zustellverkehr“, sagt die Kanzlerin und verabschiedete sich.

Eine Halle weiter besichtigte die Bundeskanzlerin und die polnische Premierministerin eine länderübergreifende Kooperation, von der beide mehr angetan schienen als zuvor vom Elektro-Crafter. Der polnische Autobushersteller Ursus zeigte einen Linienbus, in dem Antriebstechnik des deutschen Konzerns Ziehl-Abegg verbaut wurde. Der Clou dabei: Der Antrieb ist elektrisch und leise. Dabei lädt eine Brennstoffzelle die Batterie auf.

Mit dieser Technik komme der Bus auf eine Reichweite von bis zu 450 Kilometer, sagte Peter Fenkl. Der Vorstandschef von Ziehl-Abegg betonte: „Der Bus kann in nur acht Minuten sauber geladen werden“. „Die Busse werden heute schon eingesetzt?“, fragte Merkel. „Ja, in Skandinavien und Deutschland im öffentlichen Nahverkehr“, erklärte Fenkl.

Es sind solche Partnerschaften, die Merkel am Ende des Rundgangs zu dem Fazit veranlassen, dass heute „ein sehr guter Tag für die deutsch-polnischen Kooperation“ sei. Auch Szydlo sieht in Kooperationen wie jenen von Ursus und Ziehl-Abegg den „Beweis dafür, dass sich unsere Zusammenarbeit noch dynamisch weiterentwickeln kann“, erklärte die polnische Regierungschefin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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