Hannover Messe: Merkels Appell für freien Welthandel

Hannover Messe: Merkels Appell für freien Welthandel

, aktualisiert 23. April 2017, 20:26 Uhr
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Der Gast an der Seite von Kanzlerin Angela Merkel (links) war während der offiziellen Eröffnung die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydło.

von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Merkel hat die Hannover Messe mit einem Bekenntnis für freie Märkte eröffnet. Ehrengast: die polnische Ministerpräsidentin. Szydło nutzte die Gelegenheit, die EU aufzufordern, die Souveränität der Einzelstaaten zu achten.

HannoverDer Unterschied könnte größer nicht sein. Vor einem Jahr glich Hannover einer belagerten Stadt: Polizei überall, strengste Sicherheitsvorkehrungen, selbst der Luftraum war über Stunden gesperrt. Der Aufwand galt einem Mann: Barack Obama, zu diesem Zeitpunkt noch Präsident der Vereinigten Staaten. Zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete er damals die Hannover Messe.

Merkel war auch an diesem Sonntagabend dabei, der Gast an ihrer Seite während der offiziellen Messeeröffnung im Congress-Centrum war diesmal die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydło. Das östliche Nachbarland ist in diesem Jahr Gastland der Hannover Messe. Der Sicherheitsaufwand hielt sich diesmal in bescheidenem Rahmen: keine Sicherheitsschleuse, keine Gepäckkontrollen, die Polizeipräsenz war nicht höher als bei einem Popkonzert.

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Doch die äußere Entspannung spiegelte sich nicht im Binnenverhältnis der beiden führenden Politiker in diesem Jahr wider. Wurden Bemerkungen zwischen Obama und Merkel vor einem Jahr stets mit einem Lächeln quittiert, blieb der Kontakt zwischen Merkel und Szydło während der Eröffnungsfeier professionell freundlich und distanziert. In den Reden wurden die politischen Unterschiede deutlich.

Die polnische Ministerpräsidentin unterstrich die Leistungen ihrer eigenen Regierung und forderte Europa auf, die Souveränität der Einzelstaaten zu achten. Aus dem geplanten Ausstieg der Briten aus der EU müsse Brüssel die richtigen Schlüsse ziehen. Die polnische Regierung steht einer stärkeren politischen Integration Europas ablehnend gegenüber.

Merkel in lindgrünem Kostüm, passend zum Frühling, der am Sonntagabend bei maximal zehn Grad keiner war, warb vor dem mit vielen Managern gefüllten Saal vor allem für den freien Welthandel. Dafür erntete sie viel Applaus. „Abschottung und Protektionismus erteilen wir eine klare Absage, weil sie nur zu Verlusten führen“, sagte die Kanzlerin. „Auch die Hannover Messe steht für die Weltoffenheit unserer Wirtschaft.“


Hermes-Award für Industrieroboter

Mit Blick auf die angelaufenen Austrittsgespräche mit Großbritannien betonte die Kanzlerin, wie wichtig es für die EU sei, die zentralen Grundlagen des gemeinsamen Binnenmarktes zu erhalten. Dennoch müsse die EU dafür sorgen, dass Großbritannien als wichtiger Partner der EU erhalten bleibt.

Zuvor hatte Forschungsministerin Johanna Wanka den Hermes-Award verliehen, einer der bedeutendsten Innovationspreise weltweit. Die Auszeichnung ging in diesem Jahr an den Spanntechnik- und Greifsystem-Spezialisten Schunk aus Lauffen am Neckar. Der hat einen intelligenten Greifer für sogenannte Cobots entwickelt – Industrieroboter für die direkte Zusammenarbeit mit menschlichen Kollegen. Der ausgezeichnete JL1 ist in der Lage, dank komplexer Sensorik und Intelligenz permanente Informationen über das zu greifende Bauteil sowie sein Umfeld zu erfassen. Rückt der Mensch ihm auf die Pelle, zieht sich der sogenannte Co-act-Greifer je nach Situation blitzschnell zurück – noch bevor es zu einer Berührung kommt.

Das 1945 gegründete Familienunternehmen hat es in diesem Segment zum Kompetenz- und Weltmarktführer gebracht. Henrik Schunk, der die Firma zusammen mit seiner Schwester Kristina in dritter Generation führt, nahm den Preis zusammen mit Schunks Markenbotschafter Jens Lehmann auf der Bühne entgegen. Der frühere Nationaltorwart wirbt in den Werbekampagnen des Unternehmens für sicheres Greifen.

JL1 arbeitet mit jedem Cobot zusammen – egal, ob sie von Kuka, ABB, Universal Robots oder anderen Herstellern kommen. Diese Industrieroboter, die keinen Schutzzaun mehr benötigen, sind das Megathema auf der diesjährigen Hannover Messe.

Zum 70-jährigen Bestehen der weltgrößten Industrieschau war das Messegelände komplett ausgebucht. Über 6.500 Aussteller aus über 70 Ländern hatten sich angesagt. Zentrales Thema ist erneut „Industrie 4.0“, diesmal mit dem Blickpunkt „Creating Value“. Die allermeisten Aussteller wollen zeigen, dass sich mit der Digitalisierung der industriellen Produktion durchaus Werte schaffen lassen – dir Effizienz soll sich deutlich erhöhen, die Kosten dadurch sinken und eine individuelle Produktion nach den Wünschen der Kunden rückt in greifbare Nähe.

Quelle:  Handelsblatt Online
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