Hapag-Lloyd: Containerriese steuert in Richtung MDax

Hapag-Lloyd: Containerriese steuert in Richtung MDax

, aktualisiert 29. Juni 2017, 16:14 Uhr
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Manager bei Hapag-Lloyd rechnen fest damit, dass Großaktionär Tui in den kommenden 18 Monaten sein Aktienpaket auf den Markt wirft.

von Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd will die Branchenkrise hinter sich lassen. Eine Kapitalerhöhung soll den hochverschuldeten Konzern finanziell stabilisieren. Gleichzeitig winkt der Börsenaufstieg.

HamburgFast elf Milliarden Euro Umsatz, mit 230 Schiffen fünftgrößte Reederei der Welt – doch an Frankfurts Börse notiert der Hamburger Containerriese Hapag-Lloyd gerade einmal im Einstiegssegment SDax, zusammen mit Börsenzwergen wie Cewe, Gerry Weber oder WCM.

Zwar hat es die seit November 2015 gelistete Reederei mittlerweile auf eine Marktkapitalisierung geschafft, die mit 4,3 Milliarden Euro MDax-Werte wie Stada, Rheinmetall oder Schaeffler bei weitem übertrifft. Doch das niedrige Handelsvolumen, bedingt durch einen mickrigen Streubesitz von 15,6 Prozent, verhinderte bislang hartnäckig den Aufstieg in die zweite Börsenliga.

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Das könnte sich bald ändern. Für Hoffnung sorgen die Rahmenbedingungen der geplanten Kapitalerhöhung, die Vorstandschef Rolf Habben Jansen jetzt vor Journalisten erläuterte. Danach ist zwar mit den Großaktionären vertraglich vereinbart, dass der angepeilte Betrag von 400 Millionen Dollar erreicht wird – und zwar bis spätestens zum 24. November. „Wir hoffen aber“, sagte Habben Jansen, „dass wir den Back Stop, also die Garantiezusage der Aktionäre, kaum brauchen werden.“ Ziel sei es, möglichst viele der neuen Papiere über den Markt zu verkaufen.

Geht der Plan auf, erhöht sich der Streubesitz deutlich und mit ihm das Handelsvolumen an der Börse.

Ein weiterer Schritt in Richtung MDax könnte sich anschließen. Denn Manager bei Hapag-Lloyd rechnen fest damit, dass Großaktionär Tui in den kommenden 18 Monaten sein Aktienpaket auf den Markt wirft. Bereits seit langem lässt Tui-Chef Fritz Joussen durchblicken, dass er nur noch nach einem günstigen Termin für den Ausstieg Ausschau hält. Trennt er sich über die Börse von den Papieren, würde dies den Streubesitz um weitere 7,9 Prozentpunkte ausbauen. „Falls Tui verkauft“, hofft Habben Jansen, „rücken wir in jedem Fall deutlich näher an den MDax.“

Bei der Frankfurter Börse taxiert man dies keineswegs als unwahrscheinlich. „Wenn Hapag-Lloyd den Freefloat und damit das Handelsvolumen erhöht“, sagt ein Sprecher, „könnte es als Kandidat für den MDax infrage kommen.“ Anfang September will man dort die Zusammensetzung der Börsenindizes ohnehin überprüfen. Aber auch jenseits der jährlichen Neuordnung seien Wechsel möglich, heißt es in Frankfurt. Etwa dann, wenn sich das Handelsvolumen eines Kandidaten gründlich verändert.

Der Aufstieg in den MDax kommt dem Börsenkurs üblicherweise zugute. Eine gute Handvoll Investmentfonds verfolgt die Anlagestrategie, das mittlere Börsensegment in den eigenen Portfolios abzubilden. Sollte Hapag-Lloyd den Sprung in den MDax schaffen, wären die Fonds gezwungen, Aktien der Reederei zu kaufen. Der damit verbundene Kursanstieg käme Altaktionären wie der Stadt Hamburg, dem Speditionsmilliardär Klaus-Michael Kühne oder der chilenischen CSAV-Holding zugute. 

Der Hamburger Seefahrtskonzern, der im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen schrieb, will die Branchenkrise in diesem Jahr endgültig hinter sich lassen. Sie währt seit 2011, weil nach dem Ende der Finanzkrise bei den Werften mehr Schiffe bestellt wurden, als die Frachtnachfrage hergab. Massive Überkapazitäten waren die Folge – und ein drastischer Verfall der Frachtraten.


Experten glauben an Rückkehr in die Gewinnzone

Doch spektakuläre Reederei-Pleiten – darunter die koreanische Hanjin und der Hamburger Charterreeder Rickmers – sowie Zusammenschlüsse einstiger Rivalen bereiteten dem Flottenwachstum jüngst ein Ende. Während seit Herbst 2015 Schiffe mit einer Traglast von einer Million Standardcontainern (Teu) verschrottet wurden, enterten nur noch Kapazitäten von 250.000 Teu neu die Meere.

Zugleich wuchs die Frachtnachfrage 2016 um 3,5 Prozent, wobei Experten für das laufende Jahr sogar ein Plus von bis zu 4,7 Prozent erwarten. „Angebot und Nachfrage kommen damit wieder näher zueinander“, glaubt Hapag-Chef Habben Jansen. Ob es 2017 für die Rückkehr in die schwarzen Zahlen reichen wird, will er im Juli verkünden.

Experten jedenfalls zeigen sich optimistisch. Das Analysehaus Jeffries riet vor wenigen Tagen zum Kauf der Hapag-Papiere und setzte mit 35 Euro ein Kursziel, das neun Euro über dem aktuellen Wert liegt. Die Reederei, die nach den Fusionen mit CSAV und UASC zur weltweiten Nummer fünf aufgestiegen ist, wäre der größte Profiteur einer Erholung der Frachtraten, glaubt Analyst David Kerstens. 

Pierre Gröning von der Privatbank Hauck & Aufhäuser erhöhte sein Kursziel sogar von 30 auf 37,20 Euro. Das Blatt bei den Frachtraten wende sich, auch weil das Geschäft mit den Schwellenländern anzieht. Zudem halte sich Hapag-Lloyd derzeit mit teuren Investitionen zurück.

Der Grund hierfür ist zweischneidig. Teure Frachter braucht Hapag nur deshalb nicht zu kaufen, weil die am 24. Mai besiegelte Fusion mit der arabischen UASC ausreichend moderne und große Dampfer unter die Regie der Hamburger bringt. Vorstandschef Habben Jansen zahlt dafür aber einen hohen Preis: Die Übernahme der verlustreichen UASC verdoppelt die Konzernschulden auf rund acht Milliarden Euro. Die Synergien aus dem Deal – angepeilt sind 400 Millionen Euro – muss der Konzern dagegen erst noch heben.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s glaubt aber, dass die Risiken aus der Fusion dennoch beherrschbar bleiben. Das Kreditrating beließen die Bonitätsprüfer in einer aktuellen Studie unverändert bei „B+“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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