Hauptstadtflughafen: Der missglückte Auftritt des BER-Sprechers

Hauptstadtflughafen: Der missglückte Auftritt des BER-Sprechers

, aktualisiert 11. April 2016, 16:25 Uhr
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Das Projekt ist um eine Posse reicher.

von Silke KerstingQuelle:Handelsblatt Online

Deutschlands bekannteste Baustelle ist um eine Posse reicher. Daniel Abbou, Pressechef des Hauptstadtflughafens BER, muss nach einem freimütigen Interview gehen. War er tollkühn oder gar berechnend? Ein Kommentar.

BerlinAls Pressechef der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg hatte sich Daniel Abbou vorgenommen, die Kommunikation umzukrempeln. Offen sein, um die Glaubwürdigkeit des Berliner Pannenflughafens wieder herzustellen, das hatte sich Abbou vorgenommen, nachdem er im Dezember völlig überraschend ins Amt gehievt worden war.

Dieser an und für sich lobenswerte Versuch ging jetzt gründlich daneben. Nach einem erstaunlich offenen Interview im „PR Magazin“ ist der Pressechef von Flughafenchef Karsten Mühlenfeld zunächst beurlaubt worden.

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Man muss es tollkühn nennen – oder berechnend, was Abbou freimütig so alles erzählte. Gewiss ist es lobenswert, wenn mit Problemen am Berliner Flughafen, für dessen Finanzierung ja zu einem großen Teil der Steuerzahler aufkommt, nicht hinterm Berg gehalten wird. Das indes ist etwas anderes als seinen Chef etwa mit den Worten zu kritisieren: „Das war der Punkt, an dem ich meinen Kopf auf die Tischplatte gehauen habe“. Auf einen Brief Mühlenfelds an den brandenburgischen Landesrechnungshof angesprochen, erklärt er, er habe „die Stirn gerunzelt“, als er dieses Schreiben gesehen habe.

Jeder gute Pressesprecher, sagte Abbou auch, müsse auf seinen Chef aufpassen. Er dagegen hat seinen Chef eher in die Pfanne gehauen. Vielleicht dient es als Erklärung, dass Abbou nicht auf Betreiben Mühlenfelds eingesetzt worden war, sondern der Berliner Senatskanzlei – das gilt in Berlin als offenes Geheimnis. Abbou war im Berliner Senat Sprecher der Justiz- und später der Finanzverwaltung, wechselte dann als Sprecher in das Finanz- und Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg, wo er auch als stellvertretender Regierungssprecher der Landesregierung tätig war. Zuletzt hatte Abbou als Leiter Public Affairs die politische Kommunikation des Stadtmöblierers und Außenwerbers Wall in Berlin verantwortet. Dem SPD-Mitglied werden beste Beziehungen in die Landespolitik nachgesagt.

Doch warum dieser Auftritt? Es muss Abbou klar gewesen sein, dass seine Sätze, die allenfalls für ein Hintergrund-Gespräch taugen würden, bei Mühlenfeld auf wenig Gegenliebe stoßen würde. Das Interview von Abbou sei nicht mit der Geschäftsführung abgestimmt, erklärte Mühlenfeld am Montag. Aus der Berliner Politik war nichts zu hören. Kein Wunder, würde doch eine Intervention möglicherweise aus dem Fall Abbou ein Fall des Regierenden Bürgermeisters Müller machen. Manch ein Beobachter wertet Abbous Sätze zum wackligen Eröffnungstermin („Wir können nur sagen, wir arbeiten hart, versuchen, Wege zu finden, Probleme zu lösen, und strengen uns an, aber garantieren wird Ihnen da keiner etwas“) als Wegbereiter für eine abermalige Verschiebung.

Es ist schier unfassbar, wie dieser Flughafen von sich reden macht. Am 22. April tagt der Aufsichtsrat – dann wird sich entscheiden, ob das nächste Desaster droht: die abermalige Verschiebung des Starttermins.

Quelle:  Handelsblatt Online
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