Hellas-Krise: Hedgefonds wetten wieder auf Griechenland

Hellas-Krise: Hedgefonds wetten wieder auf Griechenland

, aktualisiert 07. Mai 2016, 15:49 Uhr
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Große Hedgefonds haben Griechenland wieder ins Visier genommen: Sie wollen die günstigen Aktien und faulen Kredite kaufen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die günstigen Aktien und faulen Kredite aus dem südlichen EU-Staat sind günstig zu haben: Das zieht Investoren an. Während sich die Mehrheit noch zurückhält, platzieren die ersten Experten schon ihre Einsätze.

LondonGriechenland ist noch längst nicht aus dem Schneider. Die wirtschaftlichen und politischen Probleme sind weiterhin groß. Die Regierung ringt um die nächste Milliarden-Infusion der Euro-Partner. Doch in der Finanzwelt wittern Spekulanten schon ein Comeback: Für manche Hedgefonds ist Griechenland wieder eine Wette wert.

„Es überrascht mich nicht, dass es wohl ein größeres Interesse an Griechenland gibt“, sagt Zoeb Sachee, der bei der US-Großbank Citi den Handel mit europäischen Staatsanleihen leitet. „Seit dem Höhepunkt der Krise im vergangenen Sommer scheint sich die Lage dort stabilisiert zu haben.“ Vor einem Jahr drohte dem Land noch ein Austritt aus der Euro-Zone. Aktuell ist eine ähnliche Zuspitzung nicht absehbar, obwohl sich die Verhandlungen mit den Geldgebern über weitere Finanzspritzen erneut in die Länge ziehen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich jüngst optimistisch zu den Einigungschancen: In diesem Jahr werde es keine große Griechenland-Krise geben, sagte er voraus.

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Einige Investoren gehen sogar davon aus, dass das Land nach sieben Jahren der Krise vor einer Erholung steht. Aus ihrer Sicht sind wichtige Grundlagen geschaffen. So hätten die griechischen Banken mittlerweile bessere Möglichkeiten, ihre faulen Kredite loszuwerden. Dafür sorgten die Rekapitalisierung der Geldhäuser im vergangenen Jahr sowie neue Insolvenzregeln.

„Es kommen zur rechten Zeit mehrere Dinge zusammen“, erläutert Rudolf Bohli. Er ist Gründer und Chefstratege des Hedgefonds RBR Capital, der zuletzt einen Griechenland-Fonds aufgelegt und bereits mit dem Kauf von Aktien örtlicher Unternehmen begonnen hat. Erfolge mit einem derartigen Vorgehen kann RBR bereits vorweisen. Im Jahr 2012 hatte die Gesellschaft 30 Prozent Rendite eingefahren mit Wetten auf eine Konjunkturbelebung in Spanien.


Die politische Lage ist fragil

Griechische Aktien sind mitunter zu historisch günstigen Preisen zu bekommen. Die Börse in Athen war im Februar auf ein Rekordtief gefallen. Dieses lag 85 Prozent unter dem 2007 erreichten Spitzeniveau. Andere Einstiegsgelegenheiten werden im Geschäft mit faulen Krediten gesehen, die in Griechenland rund 40 Prozent aller ausstehenden Darlehen ausmachen. Normalerweise sind Anleger hier zu Käufen zu bewegen, wenn sich der Preis auf lediglich 20 Prozent des Originalwerts beläuft.

Der Hedgefonds PVE Capital will in diesem Jahr risikobehaftete Kredite in Griechenland erwerben, nachdem er dies schon in Italien getan hat. PVE-Gründer Gennaro Pucci setzt nach eigenen Worten insbesondere auf eine Bereinigung der Bankenbilanzen.

Auch die Hedgefonds Worldview Capital Management, VR Capital Group und Jabre Capital wollen von einer ökonomischen Genesung Griechenlands profitieren. Worldview plant dazu einen Spezialfonds, der in angeschlagene Unternehmen investiert. VR kauft Bankaktien. Und Jabre hat einen Fonds für "European Credit Opportunities" aufgelegt. „Die Preise für viele griechische Vermögenswerte befinden sich weiter auf dem Niveau zu Krisenzeiten und könnten deutlich nach oben gehen“, sagt Jabre-Fondsmanager Farid Gargour.

Doch es bleiben Risiken. Die politische Situation ist angespannt. Die Reformpläne, die die Geldgeber der Regierung als Bedingung für die nächste Hilfszahlung über fünf Milliarden Euro auferlegten, sorgen für massive Proteste. Athen braucht das Geld, um im Juli Kredite abzahlen zu können und die zunehmenden Zahlungsrückstände des Staates zu begleichen. Hinzu kommt die Flüchtlingskrise.

Die seit langem erhoffte Wirtschaftserholung ist nicht ausgemacht. Der Milliardär und Hedgefonds-Manager John Paulson hatte bereits für 2013 den Tiefpunkt der Rezession vorausgesagt - und sich getäuscht, auch weil die Regierung mit den Gläubigern heftig zusammenrasselte. Mainstream-Investoren dürften daher weiterhin einen Bogen um Griechenland machen. „Auch wenn es dort ein großes Aufschwungspotenzial geben kann, bereiten uns die Gefahren eines weiteren Niedergangs immer noch Sorgen“, sagte der führende Anlagestratege eines europäischen Pensionsfonds. „Wir haben andere Investitionsstandorte gefunden.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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