Hitachi-Chef im Gespräch: Wie das Siemens von Japan in Deutschland expandieren will

Hitachi-Chef im Gespräch: Wie das Siemens von Japan in Deutschland expandieren will

, aktualisiert 24. März 2017, 11:25 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Über Hannover nach ganz Deutschland: Hitachi will seine digitalen Dienstleistungen hierzulande verstärkt vermarkten, etwa für die vorausschauende Wartung von Industrieanlagen. Dafür sucht Konzernchef Higashihara Partner.

HannoverDie Digitalisierung ist für viele deutsche Firmenlenker ein Topthema. Davon will von der japanische Industrieriese Hitachi profitieren: Er plant, digitale Dienstleistungen offensiv in Deutschland zu vermarkten. Dabei steht seine Plattform fürs Internet der Dinge im Mittelpunkt – also die Vernetzung von Geräten wie Produktionsanlagen, Fahrzeugen oder Haushaltsgeräten.

„Für Hitachi ergibt sich eine große Chance“, sagte Konzernchef Toshiaki Higashihara dem Handelsblatt auf der Cebit. Allerdings brauche es dafür Partner, die das Land gut kennen. Daher spreche man in Hannover mit deutschen Unternehmen über eine mögliche Kooperation. Japan ist in diesem Jahr Partnerland der Messe, neben Hitachi sind knapp 120 weitere Aussteller von dort dabei. Mit seiner grauen Mähne ist Higashihara das Gesicht der japanischen Wirtschaft: Er ist Vorsitzender der Außenhandelsorganisation Jeita.

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Hitachi gilt als das Siemens von Japan: Der Industriekonzern baut beispielsweise Kraftwerke, Züge, Industrieanlagen und Lösungen für den Straßenverkehr. Die Sparten mit Fernsehern und Festplatten, mit denen der Konzern in Europa größere Bekanntheit erlangt hat, verkaufte der Konzern vor einigen Jahren in der Wirtschaftskrise.

„Der Trend zur Digitalisierung und zum Internet der Dinge verursacht signifikante Veränderungen“, sagte Higashihara – das gelte nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft. Hitachi brachte im Mai 2016 die Plattform Lumada an den Start, die die Vernetzung von Geräten und die Analyse von Daten ermöglichen soll. Hitachi habe bereits 200 Nutzungsszenarien identifiziert, erklärte der Spitzenmanager.

Als Beispiele nannte er die vorausschauende Wartung von Zügen: Die Analyse von Sensordaten soll es ermöglichen, die Ausfälle von Maschinen vorherzusagen und so die Kosten für Wartung oder Ausfälle zu reduzieren. Auch im Energiesektor sieht Higashihara viel Potenzial. „Wir erwarten, dass diese Szenarien unser Wachstum stark antreiben“, sagte Higashihara. Sie müssten aber vorher an die jeweiligen lokalen Märkte angepasst werden.

Das Internet der Dinge gilt als Markt mit Potenzial. Nach einer Schätzung der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) wächst der Umsatz bis 2020 um jährlich 20 Prozent auf 250 Milliarden Euro. Hitachi steht allerdings in einem intensiven Wettbewerb, so investieren IT-Konzerne wie IBM und SAP, aber auch Industrieriesen wie Siemens und GE massiv.

Ähnlich wie Deutschland mit der Initiative Industrie 4.0 will sich auch Japan auf die digitale Transformation einstellen: Unter dem Namen „Society 5.0“ will die Regierung Entwicklungen zur Erneuerung der Gesellschaft anstoßen, nicht zuletzt, um den demografischen Wandel abzufedern. Fortschritte in der Robotik sollen beispielsweise die Pflege älterer Menschen erleichtern.

Im Vergleich zu anderen japanischen Konglomeraten wie Sony, Toshiba und Sharp steht Hitachi gut da. Nach einer schweren Krise richtete sich der Konzern neu aus. Seit 2013 wächst das Geschäft wieder, 2016 auf 10.000 Milliarden Yen (83 Milliarden Euro). Der Nettogewinn sank auf 172 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro).

Quelle:  Handelsblatt Online
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