HNA: Großaktionär der Deutschen Bank muss Anleger mit Rekordrendite locken

HNA: Großaktionär der Deutschen Bank muss Anleger mit Rekordrendite locken

, aktualisiert 02. November 2017, 16:07 Uhr
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Großaktionär HNA steht in der Kritik.

Quelle:Handelsblatt Online

So teuer war eine einjährige Anleihe eines chinesischen Unternehmens noch nie. Der Mischkonzern HNA, größter Aktionär der Deutschen Bank, braucht das Geld offenbar um alte Schulden zu begleichen.

Peking, FrankfurtHNA ist das Symbol schlechthin für den Übernahmehunger der chinesischen Wirtschaft. Über 40 Milliarden Dollar hat der Mischkonzern aus der Volksrepublik für seine Einkaufstour ausgegeben und stieg dadurch zum Beispiel zum größten Aktionär der Hotelgruppe Hilton auf. Aber mit einer Beteiligung von rund zehn Prozent sind die Chinesen mittlerweile auch der wichtigsten Anteilseigner der Deutschen Bank. Doch jetzt holen die kurzfristigen Schulden, mit denen HNA die Übernahmewelle finanziert hat, den Konzern ein.

Für eine Anleihe, die 363 Tage läuft, muss HNA den Investoren Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge eine Rendite von 8,875 Prozent bieten. So teuer war bislang noch kein chinesischer Bond mit einer ähnlichen Laufzeit. Den bisherigen Rekord hielt ein Bond der Herun Holdings mit einer Rendite von acht Prozent.

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Die 300 Millionen Dollar aus dem Anleiheverkauf will HNA den Bloomberg-Informationen zufolge zur Refinanzierung von Auslandsschulden verwenden. Die kurzfristigen Schulden des chinesischen Konzerns beziffert die Nachrichtenagentur auf insgesamt 185,2 Milliarden Yuan (28 Milliarden Dollar), mehr als die Cash-Bestände des Unternehmens. Die Zinslast von HNA habe sich im ersten Halbjahr auf den Rekordwert von 15,6 Milliarden Yuan mehr als verdoppelt, und übersteige damit den Gewinn vor Zinsen und Steuern des Konzerns.

„Die Tatsache, dass das Unternehmen willens ist eine derart hohe Rendite für einen Bond mit einer Laufzeit von einem Jahr zu bezahlen, sollten die Investoren zum Innehalten bringen“, meint Todd Schubert, Leiter des Anleiheresearches der Bank of Singapore. HNA wollte die Bondplatzierung gegenüber Bloomberg zunächst nicht kommentieren.

 HNA steht seit einiger Zeit im Fokus der Aufseher innerhalb und außerhalb von China. Zuletzt hat die Versicherungsaufsicht in der Volksrepublik Mitte Oktober den Druck auf den Großaktionär der Deutschen Bank erhöht. Die CIRC untersagte für die nächsten sechs Monate jegliche Finanzhilfen der Versicherungstochter Bohai Life Insurance an den Mutterkonzern. Bei Bohai Life seien bei einer Überprüfung zwischen Mitte März und Mitte April Probleme unter anderem bei internen Kontrollen und Transaktionen zutage getreten.

Bereits im Juni hatte die chinesische Bankenaufsicht Kredite an übernahmehungrige Firmen unter die Lupe genommen, darunter auch an HNA. Der Mischkonzern steht wegen seiner undurchsichtigen Struktur und seiner Einkaufstour auch im Ausland bei Aufsehern und Banken unter besonderer Beobachtung. Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) scheinen das Engagement von HNA bei der Deutschen Bank mit einer Portion Misstrauen zu sehen. Die EZB prüft schon seit einiger Zeit, ob sie bei HNA ein sogenanntes Inhaberkontrollverfahren einleiten soll. In diesem Prozess überprüfen die Aufseher die Zuverlässigkeit von wichtigen Aktionären.

Quelle:  Handelsblatt Online
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