Hochbau-Studie: Auf dem Bau herrscht Zuversicht

Hochbau-Studie: Auf dem Bau herrscht Zuversicht

, aktualisiert 25. April 2016, 17:29 Uhr
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Die Branche ist zuversichtlich, dass sie ihr Wachstum 2016 fortsetzen kann.

von Martin TofernQuelle:Handelsblatt Online

Die deutsche Bauindustrie hat wieder auf Wachstum umgestellt. Neben aktuellen Konjunkturprognosen bestätigt das auch die Hochbaustudie 2016 der Strategieberatung OC&C. Vor allem der Mietwohnungsbau boomt.

DüsseldorfFür die deutsche Bauwirtschaft hält der Trend nun schon seit zwei Jahren an, und ein Ende ist nicht in Sicht. Nach zwei Jahren der Konsolidierung und einem starken Jahr 2014 mit einem Wachstum von 2,3 Prozent wuchs der deutsche Hochbau auch 2015 – und zwar um 0,9 Prozent auf ein Marktvolumen von 219,8 Milliarden Euro. „Wir verzeichnen beim Hochbau nur leichtes Wachstum, aber wir sind auf einem sehr hohen Niveau – sowohl beim Neubau als auch bei der Renovierung“, sagt Björn Reineke, Bauexperte der Strategieberatung OC&C. Für eine Art Sonderkonjunktur im Winter sorgte das milde Wetter im November und Dezember – die Branche verzeichnete „eine positive Dynamik“ bei Auftragseingängen und Baugenehmigungen.

In ihrer „Hochbauprognose 2016“ erwarten die Bauexperten von OC&C für das laufende Jahr wieder ein stärkeres Wachstum von 1,3 Prozent. Dabei gehen sie von einer erhöhten Investitionsbereitschaft im „Nichtwohnungsbau“ aus und von einer Erholung beim öffentlichen Bau. Wichtigster Wachstumsfaktor ist allerdings weiterhin der Bau von Mietwohnungen: „Das liegt an dem ungebrochenen Trend zur Urbanisierung und am Wohnungsmangel in den Städten“, erklärt OC&C-Experte Axel Schäfer.

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Neben der ansteigenden Wohnungsnachfrage sorgen aber auch der extrem niedrige Zinssatz, eine anhaltende Attraktivität von Immobilienanlagen sowie die Wohnungsbauoffensive der Bundesregierung für Schwung: „Der Bund hat ein Programm zur Unterstützung des Neubaus von Wohnungen mit einem Ziel von insgesamt 250.000 Einheiten pro Jahr aufgelegt“, sagt Schäfer weiter. Viele Experten haben zwar einen Bedarf von etwa 400.000 neuen Wohnungen im Jahr errechnet. Aber klar ist auch: Es wird geklotzt und nicht mehr gekleckert. Wohnungssuchende können also auf eine baldige Entspannung auf dem Markt hoffen.

Gut für die Bauwirtschaft, dass so viele Wohnungen gebraucht werden: „Der öffentliche Bau ist nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete schwach. Wir erwarten, dass er leicht ins Positive dreht, aber er wird kein Wachstumstreiber“, sagt Schäfer. Die durch die Zuwanderung notwendig werdenden Investitionen werden sich allerdings schon ab 2016 positiv auswirken. Aber noch ist es schwer vorherzusagen, wie viel das ausmachen wird.

Laut Studie sorgen die guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklungsaussichten sowie positive Tendenzen bei der Bevölkerungsentwicklung (inklusive Zuwanderung), Pro-Kopf-Wohnraumbedarf, niedrige Zinsen sowie günstige Finanzierungsbedingen dafür, dass das Neubaugeschäft bis zum Jahr 2018 weiterwachsen wird – und zwar im Schnitt um 2,2 Prozent pro Jahr. Für Renovierungen sehen die Experten keine zusätzlichen Wachstumsimpulse. Sie prognostizieren aber eine stabile Nachfrage auf hohem Niveau.

Allerdings sehen die Experten von OC&C auch Faktoren, die das Wachstum am Bau begrenzen könnten. „Die Preise für Neubauten sind in Ballungsräumen stärker gestiegen als die Mieteinnahmen“, sagt Berater Reineke. Und sein Kollege Schäfer ergänzt: „Die Kaufpreise steigen stärker als die Mieten.“ Diese Entwicklung wirke sich negativ auf die Rendite von Immobilieninvestitionen aus und sei damit ein gegenläufiger Aspekt zu den niedrigen Zinsen. Das Auseinanderdriften von Miet- und Kaufpreisen sei besonders in den Großstädten zu beobachten. Außerhalb der Ballungsräume seien die Preise weiterhin günstig. Investoren seien deshalb verstärkt auf der Suche nach Objekten in nur mittelgroßen, aber dynamischen Städten wie Magdeburg oder Leipzig.

Zu einem weiteren Hemmschuh für das Wachstum könnte in Zukunft der Personalmangel werden. Auf dem hohen Niveau des Bauvolumens scheinen die Unternehmen des Baugewerbes zunehmend an ihre Kapazitätsgrenze zu stoßen, heißt es in der Studie. Insbesondere an Facharbeitern bestehe erheblicher Bedarf. So habe bereits 2014 die Anzahl der in den Ruhestand verabschiedeten Arbeiter gegenüber Neuverträgen für gewerblich Auszubildende deutlich höher gelegen.

„Die Nachwuchssorgen auf dem Bau sind ein limitierender Faktor“, sagt Bauexperte Schäfer. „Wir müssen den jungen Leuten zeigen, dass man im Handwerk durchaus eine interessante Arbeit finden und ordentlich Geld verdienen kann.“ Die Arbeitslosenstatistik macht das Dilemma deutlich: Die Zahl arbeitsloser Baufacharbeiter und Bauingenieure ist seit 2009 um etwa 40 Prozent gefallen – bei gleichzeitigem Anstieg der offenen Stellen.

Was tun die Unternehmen dagegen? Sie beschäftigen zunehmend auch Facharbeiter aus dem Ausland oder vergeben Aufträge gleich komplett ins unmittelbare Ausland. So ist es nicht mehr weiter erstaunlich, dass beim Umbau einer feinen Einkaufsgalerie auf der Düsseldorfer Königsallee Angestellte einer Schreinerfirma aus Portugal werkeln.

Der große Zukunftstrend ist beim Hochbau wie auch in der gesamten Bauwirtschaft die Umstellung auf IT-Systeme. „Die Veränderungsgeschwindigkeit beim Bau ist so hoch wie lange nicht. Sie wird getrieben insbesondere durch die Digitalisierung“, erklärt Reineke. Er sieht auch einen positiven Effekt für Unternehmen wie OC&C: „Deshalb ist die Baubranche derzeit ein interessantes Umfeld für Berater.“ Übersetzt in klares Deutsch: Im Baugeschäft dürfte in den kommenden Jahren noch viel Musik drin sein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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