Hochwasser in Niedersachsen: Böses Erwachen bei den Wohngebäudeversicherungen

Hochwasser nach Starkregen: Wenn die Versicherung nicht zahlt

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Vollgelaufener Keller? Die gewöhnliche Wohngebäudeversicherung hilft hier nicht.

von Christian SchnellQuelle:Handelsblatt Online

Bei einem vollgelaufenen Keller hilft die gewöhnliche Wohngebäudeversicherung nicht. Zusätzlich muss eine Elementarversicherung abgeschlossen werden. Doch das machen nur etwa ein Drittel der deutschen Hausbesitzer.


Es ist mittlerweile leider schon fast traurige Tradition. Im vergangenen Jahr überflutetet ein kleiner Bach den niederbayerischen Ort Simbach am Inn den kompletten Ortskern, nun erlangt die bislang überregional ebenfalls kaum bekannte Holtemme in Niedersachsen eine Berühmtheit, auf die die Anwohner gerne verzichten würden. Die höchste Warnstufe 4 wurde dort ausgerufen. Und die Kreisstadt Hildesheim südlich von Hannover bereitet sich schon auf die Evakuierung vor.

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Stark- und Dauerregen, heftige Gewitter und Überschwemmungen gehören mittlerweile in Deutschland zum Sommer. Die Frage ist lediglich, welche Region es trifft. Und welchen Namen die Meteorologen sich nebenher für die jeweiligen Tiefs ausdenken. Rasmus und Paul hießen sie vor zwei Wochen, diesmal hört die Schlechtwetterfront auf den Namen Alfred. Gemeinsam ist beiden, dass es jedes Mal tendenziell eher den Norden des Landes traf.

„Extreme Wetterlagen mit Sturm, Hagel und stärksten Regenfällen sind auch in Deutschland nichts Ungewöhnliches“, beobachtet Bernhard Gause, Mitglied der Geschäftsführung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Sie könnten jederzeit in jedem Landstrich auftreten und hohe Schäden anrichten. Das böse Erwachen kommt vielen betroffenen Hausbesitzern erst hinterher. Nämlich dann, wenn sie merken, dass sie gegen Sturzfluten gar nicht versichert sind. Dafür braucht es innerhalb der Wohngebäudeversicherung den Zusatzbaustein der erweiterten Naturgefahrenversicherung. Erst dann werden Überschwemmungsschäden an Häusern und Hausrat von der Versicherung ersetzt. Andere Worte dafür lauten Elementarversicherung oder Elementarschadenversicherung.

Damit wird zwar die Wohngebäudeversicherung grundsätzlich teurer. Weil die Schäden bei Überflutungen indes oft in den fünf- oder gar sechsstelligen Bereich gehen können, ist das in der Regel eine sinnvolle Absicherung. Gerade im Hinblick darauf, dass die Zahl der Wetterkapriolen in den vergangenen Jahren auch in Deutschland rapide zugenommen hat. Die reinen Zahlen zeigen indes noch eine erhebliche Unterversorgung. So sind in Deutschland zwar 85 Prozent der Wohngebäude gegen Sturm und Hagel versichert, allerdings nur 35 Prozent, wenn der Keller vollläuft, heißt es von den Wetterexperten der Munich Re.

Nach den heftigen Regenfällen Ende Juni und Anfang Juli haben die deutschen Versicherer insgesamt 600 Millionen Euro an ihre Kunden überwiesen. Diesmal könnte die Zahl sogar noch übertroffen werden. Eine genaue Prognose ist indes schwierig, hält der Dauerregen in vielen Regionen Deutschlands wohl noch mindestens bis Donnerstag an. Vielerorts steigen deshalb im Moment die Pegel, ohne dass bisher schon Konsequenzen zu erkennen sind.


Hohe Schadensumme möglich

Möglicherweise könnte so die Schadensumme, die die deutschen Versicherer allein im Juli auszahlen, bereits in die Nähe der Gesamtzahlung für 2015 kommen. Damals lag die Leistung in der Sachversicherung bei 1,9 Milliarden Euro. Verglichen mit dem Jahr 2013, als 7,2 Milliarden Euro für die Beseitigung von Schäden durch Naturkatastrophen gezahlt wurden, ist das aber überschaubar.

Gedanken sollten sich Betroffene auch um das machen, was sich innerhalb der eigenen vier Wände befindet. Also Möbel und Küche, Kleidung und Elektronik. Dafür ist die Hausratversicherung zuständig. Eine solche haben zwar die meisten Deutschen, sehr unterschiedlich ist indes die Ausgestaltung. Mit jedem Baustein, der aufgenommen wird, steigt der Beitrag. Das gilt übrigens auch für die Wohngebäudeversicherung. Wer also zum günstigen Sparangebot greift, der bleibt im Schadensfall möglicherweise an einem Gutteil der Summe selbst hängen. Ein realistischer Blick auf den Wert des eigenen Inventars, womöglich mit Hilfe eines lokalen Versicherungsvertreters, schützt hier vor unliebsamen Überraschungen. Im Vergleich zu anderen Regionen dieser Welt kommen die Bürger in Deutschland bei Naturkatastrophen jedoch noch immer glimpflich davon.

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Im ersten Halbjahr sind knapp die Hälfte der Schäden durch Naturkatastrophen durch Gewitter und Tornados in den USA entstanden. Bei 18,5 Milliarden Dollar lag die Schadenssumme dort, hervorgerufen durch insgesamt sechs schwere Gewitter und Tornados vor allem im ersten Quartal des Jahres. Weltweit betrog die Schadensumme durch Naturkatastrophen 41 Milliarden Dollar.

Das hat Peter Höppe, Leiter der Geo Risiko Forschung beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re, errechnet. Dabei war das teuerste Schadensereignis mit 3,1 Milliarden Dollar das Hochwasser in Peru im Februar und März. Insgesamt hat die Datenbank NatCat-Service der Munich Re im ersten Halbjahr 350 schadenrelevante Ereignisse erfasst und damit 40 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Quelle:  Handelsblatt Online
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