Höhere Gebühren drohen: Wie Banken ihren Betrieb finanzieren wollen

Höhere Gebühren drohen: Wie Banken ihren Betrieb finanzieren wollen

, aktualisiert 12. Juni 2017, 16:27 Uhr
Bild vergrößern

Kostenfreie Girokonten werden immer seltener. Häufig knüpfen Banken Bedingungen an den Verzicht auf Gebühren.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die niedrigen Zinsen setzen Banken unter Ertragsdruck, die Zeche zahlen die Kunden. Und es drohen weitere Gebühren. Dabei stufen die Institute laut einer Umfrage ihre Geschäftsaussichten so positiv ein wie lange nicht.

FrankfurtNeue Gebühren für das Girokonto, Gebühren für Überweisungen, Gebühren für das Geldabheben, Negativzinsen für hohe Guthaben – viele Banken haben auf der Suche nach neuen Ertragsquellen in den vergangenen Monaten wenig unversucht gelassen. Und an dieser Strategie wird sich so schnell nichts ändern, wie das aktuelle „Bankenbarometer“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) zeigt, für das 120 deutsche Kreditinstitute befragt wurden.

Praktisch jedes dritte Institut hat danach in diesem Jahr die Gebühren für Privatkunden erhöht oder plant so eine Maßnahme. 27 Prozent der Befragten schraubte an den Gebühren für das Girokonto, 19 Prozent erhöhten die Kosten für Überweisungen und immerhin 16 Prozent der Befragten haben Gebühren für das Geldabheben eingeführt oder werden das noch tun.

Anzeige

„Alle Banken müssen sich Gedanken darüber machen, wie finanziere ich meinen Betrieb“, sagte Dirk Müller-Tronnier, der das Banken- und Kapitalmarktgeschäft von EY leitet, am Montag in Frankfurt. „Früher war es möglich, mit hohen Zinseinnahmen andere Dienstleistungen quer zu subventionieren – das geht im aktuellen Niedrigzinsumfeld nicht mehr“, ergänzte er. Die Banken müssten sich fragen, wie sie ihren Betrieb finanzieren wollten. Gebühren lägen da nahe.

Ob diese Strategie erfolgreich sein kann, ist Müller-Tronnier zufolge die andere Frage. Schließlich würden Banken damit auch riskieren, Kunden zu verlieren. Alternativen stehen Bankkunden nach wie vor offen: Immerhin sagen 68 Prozent der Umfrageteilnehmer von sich, dass sie die Gebühren für Privatkunden nicht angehoben haben und dies auch nicht tun wollen.

Auch auf das Kreditgeschäft hat die Suche nach Ertragsquellen der Umfrage zufolge Einfluss. Obwohl der Wettbewerb um Kunden in Deutschland sehr hart ist, rechnen immerhin ungefähr 40 Prozent der teilnehmenden Banken, dass sie die Konditionen für Firmen- und Immobilienkredite in diesem Jahr „nach oben“ anpassen werden. Eine Minderheit von sechs bis sieben Prozent rechnet damit, dass sie die Konditionen für die Kunden verbessern werden.

Wenn Bankenverbände über die Lage ihrer Klientel sprechen, dann betonen sie derzeit häufig die vielen Probleme, die immer neue Regulierungsvorhaben und die niedrigen Zinsen verursachen. Tatsächlich zählen das Risikomanagement, Kostensenkungen und die individuellen zusätzlichen Kapitalpuffer, die Bankenaufseher von den Kreditinstituten verlangen, eine wichtige Rolle für jeden Bankenchef.

Doch das ist für die Mehrzahl der Banker selbst bislang kein Grund für Depressionen. Im Gegenteil: Zu den überraschenden Resultaten der Umfrage zählt, dass die befragten Institute ihre Geschäftsaussichten so positiv eingestuft haben sie nie seit EY mit dem Bankenbarometer 2008 begonnen hat.


Intensiver Wettbewerb in Deutschland

Speziell im Firmenkunden und im gehobenen Privatkundengeschäft stufen 41 Prozent ihre Aussichten als „gut“ ein, weitere 53 beziehungsweise 48 Prozent stufen sie als „eher gut“ ein. Für fast ebenso aussichtsreich halten sie den Wertpapierhandel und sogar das Geschäft mit kleinen Privatkunden gilt noch als ziemlich aussichtsreich.

Große Skepsis ist derzeit praktisch nur im Einlagengeschäft zu spüren. Woher dieser Stimmungsumschwung kommt, kann sich auch EY-Bankenexperte Müller-Tronnier nicht genau erklären, schließlich waren die deutschen Institute jahrelang eher skeptisch. Vielleicht hätten sie sich ja an die niedrigere Ertragssituation gewöhnt, rätselt er.

Dass das Bankengeschäft aktuell kein Selbstläufer ist, zeigt sich auch an anderer Stelle: 43 Prozent der Banken rechnen damit, dass sie in den nächsten zwölf Monaten zumindest leicht Personal abbauen werden. Das ist wenig im Vergleich zum Vorjahr, wo dies noch für 60 Prozent der Institute gilt. Ein deutliches Signal ist das aber noch immer.

Und die Banker, die bleiben, können sich auch nicht auf eine üppige Entlohnung einstellen. Gerade einmal 14 Prozent der Banken rechnen mit einer steigenden Gesamtvergütung, während es im Vorjahr noch 32 Prozent war. Dafür ist der Anteil der Banken, die mit einer sinkenden Gesamtvergütung rechnen, von sieben auf 17 Prozent sogar noch gestiegen.

Und auch das Fusionskarussell wird sich weiter drehen. Fast jede zweite Bank rechnet schon im kommenden Jahr mit weiteren Zusammenschlüssen von Banken. Auf Sicht von drei Jahren erwarten dies sogar vier Fünftel aller Befragten. Treffen wird dies aber in erster Linie Sparkassen und Volksbanken. Mit grenzüberschreitenden Fusionen rechnen gerade einmal drei Prozent aller Befragten.

Für Bankkunden muss das keine gute Nachricht sein: Je weniger Banken übrig bleiben, desto schwieriger wird es, höheren Bankgebühren durch einen Kontowechsel auszuweichen. Schon vor kurzem hat eine Statistik der EZB gezeigt: Nirgendwo sonst ist der Wettbewerb so intensiv wie in Deutschland, schlicht weil selbst die großen Institute keine dominante Stellung einnehmen können.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%