HSBC-Trinkaus-Vorsitzender zur China-Krise: „Eine Milliarde Konsumenten fallen nicht vom Planeten“

HSBC-Trinkaus-Vorsitzender zur China-Krise: „Eine Milliarde Konsumenten fallen nicht vom Planeten“

, aktualisiert 09. Januar 2016, 12:56 Uhr
Bild vergrößern

Andreas Schmitz rechnet mit weiterem Wachstum in China – nur moderater: „Je größer eine Masse ist, desto mehr Energie brauche ich, um sie zu bewegen.“

von Oliver StockQuelle:Handelsblatt Online

China hat die Börsianer schockiert. Doch Andreas Schmitz, der deutsche Aufsichtsratschef der HSBC, glaubt weiter an das Land der Mitte. Nur das Wachstum werde bescheidener. Kann er Recht haben?

Kaum eine westliche Volkswirtschaft ist so abhängig von China wie die deutsche. Doch nicht nur hierzulande hat das Beben auf den chinesischen Aktienmärkten hohe Wellen geschlagen. Die ganze Welt fragt sich: Findet das Land der Mitte wieder auf den Wachstumspfad zurück? Der deutsche Aufsichtsratsvorsitzende der Transaktionsbank HSBC Trinkaus meint: Ja. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, warum.

Glauben Sie, Herr Schmitz, dass wir nochmal zu den Wachstumszahlen in China von 7 bis 8 Prozent zurückkehren werden?
Für die nächsten beiden Jahre sehe ich durchaus ein Wachstum um und über 6 Prozent. Aber hier wirkt ganz einfach das Einstein’sche Gesetz: Je größer eine Masse ist, desto mehr Energie brauche ich, um sie zu bewegen. Das sehen wir überall, zum Beispiel auch in Südkorea – Wachstumsraten gehen auf Dauer zurück.

Anzeige

Muss uns das erschrecken?
Überhaupt nicht. Wir können den Chinesen beim Umbau ihrer Wirtschaft helfen. Wir müssen uns eben aber aus dem reinen Export von Gütern verabschieden.

Also weniger Autos, mehr Know-how liefern?
Die Autos sind geliefert, die Werke auch schon aufgebaut, jetzt geht es um die zweite Welle: Die Infrastruktur zum Beispiel. Straßen, Gebäudetechnik, Medizintechnik, Umwelttechnik – all das braucht China, um den Lebensstandard der Menschen weiter zu verbessern.

Sie sind Aufsichtsratsvorsitzender von HSBC Trinkaus und Burkhardt. Trifft die Banken der Börsencrash in China?
Erstmal nicht – was die Eigenanlage betrifft. Das Volumen ist nicht so groß. Aber wir reden natürlich mit unseren Kunden über deren Engagement in China.

Also nur mittelbar ...
Ja, als Kreditgeber zum Beispiel. Aber ich glaube, China wird weiter wachsen. Und der mögliche Rückgang kann durch die USA und leicht auch durch Europa kompensiert werden. Die Welt dreht sich weiter – wir haben eine Milliarde neue Konsumenten gewonnen, und die fallen nicht einfach vom Planeten.


„Die chinesische Bevölkerung schätzt eines: Stabilität“

Lässt sich der Konjunkturrückgang und das Desaster an der Börse auch politisch erklären? Ist der Staatskapitalismus chinesischer Prägung am Ende?
Nein – der Beweis müsste erst noch erbracht werden. Wir sehen, wie schnell dort Dinge umgesetzt werden: Viel schneller als hier. Bei uns gibt es oft eine lähmende Langsamkeit. Bei uns gibt es im übrigen auch Eingriffe in die Marktwirtschaft. Schauen Sie doch nur, was wir in der Finanzkrise – durchaus zu Recht – gemacht haben.

Aber in Sachen Aktienkultur muss sich wahrscheinlich doch etwas ändern in China, oder?
Manche chinesische Anleger kaufen Aktien, weil sie blau sind und das ist eine glückliche Farbe. Andere kaufen, weil eine Acht in der Aktie vorkommt und das ist eine Glückszahl. Aber das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist vielmehr, dass China dabei ist, sein Wachstumsmodell vom Kopf auf die Füße zu stellen. Sie sind sehr anpassungsfähig und haben ein lernendes System.

Heißt das von Europa lernen?
Nein. Wir sollten nicht der Versuchung erliegen, unsere Wertevorstellungen auf China zu übertragen. Da gibt es schon aus historischen Gründen viel zu viel Skepsis. Die chinesische Bevölkerung schätzt vor allem eines, und das ist Stabilität, und die können sie sich erhalten. Sie haben genügend Geld dazu.

Wie sollen Anleger auf China reagieren?
Es gibt weiter so viel Geld im Markt, dass der Börsencrash in China die Kurse hierzulande nicht dauerhaft nach unten treiben wird, auch weil die Konjunktur ja weiterläuft. Solange die Notenbanken da nicht umsteuern, gibt es zu Aktien wenig Alternativen.

Herr Schmitz – danke für dieses Gespräch.

Das Gespräch führte Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%