Hüter eines „unentdeckten Schatzes“: Werner Hoyer bleibt EIB-Chef

Hüter eines „unentdeckten Schatzes“: Werner Hoyer bleibt EIB-Chef

, aktualisiert 27. Juli 2017, 09:18 Uhr
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„In einer solchen Zeit muss man die positiven Geschichten der EU erzählen, und die EIB kann dazu beitragen.“

Quelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Investitionsbank ist nicht übermäßig bekannt, selbst ihre Anteilseigner unterschätzen sie bisweilen. Ihr Chef aber versteht sie als eine der Erfolgsgeschichten der EU – und als letzten unentdeckten Schatz.

Luxemburg Als Werner Hoyer 2012 als Präsident zur Europäischen Investitionsbank (EIB) wechselte, unkte man in Berlin über einen Abschied aus Verdruss. Denn der FDP-Mann war zeitweilig als Außenminister im Gespräch - und wurde es dann doch nicht. Nun aber scheint Hoyer derart in seinem Element zu sein, dass er den Job in Luxemburg noch sechs Jahre weiter machen will. Die Rückendeckung für eine zweite Amtszeit ab 2018 hat der 65-Jährige jetzt sicher. „Ich fühle mich hier fest im Sattel“, sagt Hoyer.

Der im November 1951 in Wuppertal geborene Wahl-Kölner war in seinem früheren Leben als Politiker eine Art graue Eminenz - der vielleicht wichtigste Mann der zweiten Reihe. Fraktionsgeschäftsführer der Liberalen im Bundestag war er, FDP-Generalsekretär, außenpolitischer Sprecher und Staatsminister im Auswärtigen Amt. Jetzt leitet er ironischerweise eine Institution, die selbst wirkt wie die graue Eminenz der Europäischen Union: einflussreich und enorm unbekannt.

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Hoyer weiß das sehr gut, der Volkswirt findet eine geradezu poetische Umschreibung dafür: „Die Bank ist in den jetzt bald 60 Jahren ihrer Existenz in den Wäldern von Luxemburg zum letzten unentdeckten Schatz der europäischen Integrationsgeschichte gewachsen.“

Selbst EU-Staatenlenker verlören bisweilen aus dem Blick, dass die EIB als Institution doppelt so groß sei wie die Weltbank. Und die Europäer wüssten oft nicht, dass die Bank und der angegliederte europäische Investitionsfonds Efsi mit Förderbescheiden im Wert von jährlich 85 Milliarden Euro durchaus Spuren im Alltag hinterlassen.

Als Beispiel nennt Hoyer die Sanierung der Emscher im Ruhrgebiet. Das offene Abwassersystem des einstigen Kohleabbaugebiets soll ökologisch renaturiert, aus einer „Kloake“ wieder ein ansehnlicher Flusslauf in einer Region mit zweieinhalb Millionen Menschen werden. 1,2 Milliarden Euro hat die EIB dafür an langfristigen Krediten gegeben.

Projektförderung, Investitionen in Entwicklungsländern, Finanzierung für kleine und mittlere Unternehmen - das ist das Geschäft der Förderbank, die den derzeit noch 28 EU-Ländern anteilig gehört und sich mit dieser Rückendeckung selbst zu Spitzenkonditionen am Kapitalmarkt Geld leiht. Hoyer preist die Bank als Erfolgsmodell in einer für Europa schwierigen Phase: „In einer solchen Zeit muss man die positiven Geschichten der EU erzählen, und die EIB kann dazu beitragen.“

Dafür dreht der verheiratete Vater zweier Teenager auch an der Pensionsgrenze seine Runden durch Europa und die Welt. Die Verankerung zuhause in Köln sei ihm sehr wichtig, beteuert er - doch schon im nächsten Atemzug räumt Hoyer ein, dass er dort bestenfalls mal am Wochenende aufschlägt. „Ich glaube, mein Lebensmittelpunkt ist irgendwo im Flugzeug zwischen den Kontinenten. Ich reise mehr, als ich als Staatsminister im Auswärtigen Amt gereist bin, und ich dachte früher, das geht gar nicht.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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