Hugo Boss: Das schwere Erbe des Ex-Modebosses

Hugo Boss: Das schwere Erbe des Ex-Modebosses

, aktualisiert 10. März 2016, 08:09 Uhr
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Der Modemacher kämpft mit der Rabattschlacht – und mit hausgemachten Problemen.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Nach dem Rücktritt des langjährigen Vorstandschef Lahrs legt Hugo Boss seine Geschäftszahlen offen. Besonders die Prognose hat es in sich: Der Gewinn soll stark zurückgehen. Doch die Anleger bleiben verschont.

DüsseldorfDer Modekonzern Hugo Boss hält trotz des Gewinnrückgangs die Dividende stabil. Je Anteilsschein schlug der Vorstand für 2015 eine Ausschüttung an die Aktionäre von 3,62 Euro je Aktie vor, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Der auf die Anteilseigner entfallende Konzerngewinn lag aufgrund höherer Abschreibungen und gestiegener Finanzaufwendungen mit 319 Millionen Euro um vier Prozent unter dem Vorjahreswert. Boss hatte bereits im Januar vorläufige Zahlen zur schwachen Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr bekannt gegeben.

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Boss hat mit einer Rabattschlacht, vor allem in den USA und einem schwachen China-Geschäft zu kämpfen. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (Ebitda) soll in diesem Jahr um eine niedrige zweistellige Prozentzahl schrumpfen. Im vergangenen Jahr war das Ebitda um ein Prozent auf 594 Millionen Euro gestiegen, deutlich weniger als in Aussicht gestellt. Der Umsatz legte 2015 währungsbereinigt um drei Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. In diesem Jahr soll er ebenfalls niedrig einstellig wachsen.

Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs hatte vor zwei Wochen seinen Hut genommen, kurz nachdem er eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr aussprechen musste. Viele Jahre war Lahrs erfolgreich: Er baute das Filialnetz massiv aus. So verdoppelte er die Zahl der eigenen Läden seit 2010 weltweit auf rund 1100. Gleichzeitig trieb er so den Umsatz in die Höhe. Außerdem gab Lahrs hohe Zielvorgaben für das Ergebnis des Modekonzerns aus, wohl zu hohe. Branchenkenner kritisieren, dass länger schon klar war, das diese hohen Zielvorgaben nicht zu halten waren.

Doch dem Investor Permira gefiel die Strategie. Er profitierte von steigenden Kursen. Im März vergangenen Jahres stieß der Finanzinvestor sein letztes Aktienpaket mit einem ordentlichen Gewinn ab. Auch Lahrs verkaufte damals sein Aktienpaket zu einem ordentlichen zweistelligen Millionenbetrag.

Aber seitdem ging es mit dem einstigen Vorzeigeunternehmen bergab. In China konnte der Konzern lange Zeit seine Anzüge zu Preisen verkaufen, die deutlich über den Preisen in Europa lagen. Doch das funktioniert weder bei Boss noch bei vielen Luxuskonzernen noch. Denn die Chinesen kennen inzwischen den Preisunterschied – und kaufen Boss lieber in Europa ein.


Ausflug ins Luxussegment riskant

So musste Lahrs kurz nach seiner Gewinnwarnung vom 23. Februar abtreten. Da spätestens wurde klar, dass seine ehrgeizigen Ziele für die nächsten Jahre nicht mehr zu erreichen waren. So wollte der Ex-Chef eine Rendite von 25 Prozent vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen Ebitda vor Sondereffekten erreichen. Der Aktienkurs hat sich innerhalb eines Jahres von 118 auf rund 54 Euro mehr als halbiert.

Einen Nachfolger gibt es noch nicht, auch keinen Kronprinz im Konzern. Lahrs hat Hugo Boss stark auf sich konzentriert. So konnte sich kein zweiter starker Mann in Metzingen für die Top-Führungsposition entwickeln. Der Manager hat vor allem den Ausbau des eigenen Ladennetzes übertrieben. Die Umsätze auf vergleichbarer Fläche gingen 2015 zurück.

Die Probleme mit der zu exzessiven Expansion bekommen auch andere deutsche Modemarken zu spüren. Die Freizeitmodemarke Tom Tailor will 80 bis 100 Läden schließen. Auch Gerry Weber aus Halle in Westfalen macht nach einem Gewinneinbruch erstmals Filialen in größerem Stil dicht.

Lahrs gab auch die Devise aus, dass Hugo Boss stärker ins Luxussegment vorstoßen soll. Doch das halten Branchenexperten für riskant. Schließlich ist Boss von jeher vor allem stark im Geschäft mit gehobener Kleidung für den breiten Markt. Es ist schwer, einerseits solide Business-Kleidung anzubieten und andererseits mit Luxus-Männermarken wie etwa Ermenegildo Zegna, Brioni oder Armani zu konkurrieren.

Außerdem leidet die gesamte deutsche Modebranche unter zwei milden Wintern. Zu viele warme Kleidung blieb in den Regalen liegen. Die Folge: Die Rabattschlacht war zur Jahreswende dieses Mal besonders hart und lang. Das drückte die durchschnittlichen Margen und damit die Gewinne der Modeunternehmen.

Zwar stieg der Gesamtumsatz der Textilhändler im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels BTE insgesamt um zwei Prozent auf 62 Milliarden Euro. „Dieses Umsatzplus resultiert jedoch in vielen Fällen aus einer Flächenexpansion“, sagte BTE-Präsident Steffen Jost vor kurzem bei einer Pressekonferenz in Köln. „Auf vergleichbarer Fläche gab es längst nicht überall ein Wachstum“, räumte Jost ein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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