Hugo Boss – Kommentar: Das Ende der wilden Expansion

Hugo Boss – Kommentar: Das Ende der wilden Expansion

, aktualisiert 10. März 2016, 08:55 Uhr
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Georg Weishaupt ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Bei Hugo Boss kehrt wieder Vernunft ein. Der verbliebene Vorstand stellt nach dem Abgang von Claus-Dietrich Lahrs die massive Expansion in Frage. Nun müssen zügig Läden geschlossen werden. Ein Kommentar.

Kaum ist der Chef von Hugo Boss weg, kehrt bei Deutschlands Modekonzern wieder Vernunft ein. Claus-Dietrich Lahrs hatte die Expansion vor allem mit immer mehr eigene Filialen vorangetrieben. Jetzt, nach seinem abrupten Abgang, stellt Finanzvorstand Mark Langer die Investitionen und die Kostenstrukturen im eigenen Einzelhandel auf den Prüfstand.

Das ist dringend erforderlich. Denn das Wachstum über eigene Läden ist teuer und riskant. Es belastet den Konzern, weil er Millionen in die eigenen Läden investieren muss. Hinzu kommen in der schnelllebigen Modebranche alle drei bis fünf Jahre notwendige Modernisierungen und hohe Fixkosten wie die Ladenmieten in Spitzenlagen.

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Jetzt muss das verbliebene Management möglichst schnell klären, welche Läden dauerhaft nicht profitabel sind und sie dann zügig schließen. In China ist die Entscheidung bei 20 Filialen schon gefallen. Die Prüfung der Standorte in anderen wichtigen Märkten darf das Management jetzt nicht auf die lange Bank schieben. Sonst geht es Hugo Boss wie Tom Tailor oder Esprit, die erst in der Krise ihr Filialnetz ausdünnen.

Hugo Boss tut gut daran, wie andere in der Branche, die allzu einseitige Konzentration auf den eigenen Einzelhandel aufzugeben. Zu lange hat Lahrs den Großhandel, also den Verkauf über Handelspartner, vernachlässigt. Das rächt sich jetzt. Dabei sind die Vertriebskosten beim Verkauf über Shop-in-Shops bei Händlern wie Breuninger oder Peek & Cloppenburg wesentlich günstiger.

Der Konzern braucht vor allem bald einen neuen Vorstandschef, der die Neuausrichtung von Deutschlands größtem Herrenschneider schnell und konsequent umsetzt. Er muss für das Ende der extremen Expansionspolitik stehen. Denn die Gewinnwarnung und der überraschende Abgang von Lahrs haben das Image von Hugo Boss beschädigt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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