Hyatt, GM, Shell: Aktien, die Hedgefonds-Manager lieben

Hyatt, GM, Shell: Aktien, die Hedgefonds-Manager lieben

, aktualisiert 06. Mai 2016, 12:00 Uhr
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Hedgefonds werden gerne Mal als Heuschrecken verschrien. Dabei können die Empfehlungen ihrer Manager Anlegern durchaus nützen.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Hedgefonds sind für ihre Wetten berüchtigt. Doch sie wetten nicht nur auf den Niedergang vom Aktien, sondern auch auf deren Aufstieg. Welche Anteilsscheine die illustren Investoren empfehlen.

New YorkHedgefonds machen oft von sich reden, weil sie gegen bestimmte Aktien wetten, auf deren Kursverfall setzten und die jeweiligen Unternehmen schlecht machen. Ihre Manager haben aber umgekehrt manchmal auch Lieblinge – Papiere, die sie höher einschätzen, als der breite Markt es tut. Auf der hochklassigen Sohn Investment Conference gaben sie Empfehlungen.

Richard Deitz, Gründer und Chef von VR Capital, setzt auf Griechenland, vor allem auf die vier großen Kreditinstitute: Alpha Bank, Eurobank, National Bank of Greece und Piraeus Bank. „Die haben zusammen einen Marktanteil von 90 Prozent“, sagt er. Seiner Meinung nach sind sie nach der Rettungsaktion im vergangenen Jahr völlig überkapitalisiert, die entsprechenden Stress-Test seien damals „sehr konservativ“ ausgefallen. Er glaubt, dass sie in rund drei Jahren beginnen werden, einen Teil des Kapitals an die Aktionäre zurückzuzahlen. Von den laufenden Verhandlungen mit der EU erhofft er sich zudem, dass die griechischen Banken künftig wieder Anleihen ihres eigenen Staates bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen und dafür von ihr günstige Kredite bekommen können. Außerdem rechnet er damit, dass es auch für Staatsanleihen, die sich im öffentlichen Besitz befinden, zum Beispiel bei der EZB, günstigere Konditionen geben wird. Allerdings dürfte gerade dieser Punkt aus juristischen und politischen Gründen schwierig sein, was von angelsächsischen Experten manchmal unterschätzt wird.

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Deitz ist mit seinem Fonds auf die Ausnutzung von Krisen spezialisiert. Er steht mit seiner Meinung zu Griechenland nicht allein. Morgan Stanley hat zeitgleich eine Studie veröffentlicht, nach der ein Kurssprung der griechischen Bankaktien bis zu 90 Prozent möglich ist, wenn Athen zu einem günstigen Kompromiss mit der EU kommt.

Ein großes Thema gleich für mehrere Hedgefonds ist der Ölpreis. David D’Alessandro glaubt, dass er sich noch weiter erholen wird, über die Marke von 50 Dollar hinaus. Seiner Meinung wird China weiter ein starker Käufer bleiben und Indien noch mehr als in der Vergangenheit verbrauchen. Der Chef und Gründer des auf Rohstoffe spezialisierten Hedgefonds CMDTY Capital Management befürchtet auch nicht, dass mit einem Anstieg des Preises die US-Unternehmen gleich wieder die Produktion ausdehnen. „Allein in Texas haben rund 200.000 Leute die Branche verlassen“, sagt er, „die sind heute zum Teil ganz woanders beschäftigt.“ Außerdem werden viele Unternehmen höhere Mittelzuflüsse eher zum Abbau ihrer Verschuldung als zu neuen Investitionen nutzen.

Nick Tiller, Gründer von Prerocity Capital, sieht ebenfalls stabile Ölpreise voraus. Davon wird seiner Einschätzung nach besonders Shell profitieren. Das Unternehmen ist im Vergleich zu Exxon unterbewertet und hat bessere Chancen zu wachsen, sagt er. Wegen eines hohen Anteils an Erdgas steht es zudem in Zusammenhang mit dem Klimawandel weniger unter Druck.

Zacharias Schreiber, Chef von Point-State Capital, sieht dagegen nur auf kurze Sicht eine Erholung des Ölpreises, danach eine flaue Entwicklung voraus. Seiner Meinung wird darunter vor allem Saudi-Arabien leiden. Das Land brauche einen Ölpreis von rund 90 Dollar, um seinen Staatshaushalt stabil zu halten, argumentiert er. Der saudische Riyal ist, anders als etwa der russische Rubeln, trotz des niedrigen Ölpreises bisher nicht gefallen, weil er an den Dollar gekoppelt ist. Schreiber glaubt, dass das nicht mehr lange hält und rät, auf einen Verfall des Riyal gegenüber dem Dollar zu wetten.


Hotel- und Motorenhersteller-Aktien sind begehrt

Einige Hedgefonds-Manager setzen auf bekannte amerikanische Titel. John Koury, Gründer von Long Pond Capital, hat sich intensiv mit Hyatt aus einander gesetzt. Wie andere Hotel-Aktien auch steht das Papier von Hyatt unter Druck. Die Investoren fürchten, dass die Branche durch Airbnb, also die Vermittlung von privaten Wohnungen an Reisende, ihre Bedeutung verlieren wird.

„Das gilt aber mehr für preiswerte Hotels und weniger für den Bereich der Geschäfts- und Luxusreisen“, sagt Koury, „und gerade dort ist Hyatt stark“. Außerdem macht die Kette 45 Prozent ihres Gewinns mit der Bereitstellung ihrer Marke und ihres Buchungssystems, also ohne eigene Betten-Kapazität. Dieser Bereich wächst nicht nur stärker als das Geschäft mit eigenen Hotels, sondern er benötigt auch weniger Kapital, was sich positiv auf die Marge auswirkt. Ein weiteres Argument für Koury: Die Familie Pritzker, die bei Hyatt das Sagen hat, kauft zu. „Vielleicht will sie den Konzern irgendwann von der Börse nehmen“, sagt er. Auch das sollten den Kurs auf mittlere Sicht stützen.

David Einhorn, Chef von Greenlight Capital und einer der bekanntesten Hedgefonds-Manager, setzt auf General Motors und rät zugleich dazu, auf einen Kursrückgang von Caterpillar zu wetten. Der Autokonzern GM ist mit weniger als dem Sechsfachen des Gewinns bewertet, Caterpillar dagegen mit mehr als dem 20fachen. Seiner Meinung ist beides nicht gerechtfertigt. „Die Bewertung von GM entspricht der Erwartung eines drastischen Einbruchs, die von Caterpillar der einer starken Erholung“, sagt er. Seiner Meinung nach wird beides nicht stattfinden.

GM ist in den USA und stark, und laut Einhorn werden die Leute dort auch in Zukunft Autos kaufen und nicht flächendeckend auf Car-Sharing oder ähnliche Konzepte umsteigen. „Wer in New York lebt und ohne Auto auskommt, übersieht, dass die Situation auf dem Land ganz anders ist“, sagt er als Seitenhieb auf Wall-Street-Analysten. Er hält auch die Nachfrage in China für stabil. „Die Chinesen steuern ihre Wirtschaft um von Investitionen auf Konsum. Sie bauen weniger Geisterstädte, aber kaufen mehr Autos, um darin herumzufahren“, ist er überzeugt. Für Caterpillar wirkt sich dagegen der Rückgang des Rohstoffverbrauchs in China fatal aus. Der Konzern liefert zudem auch Ausrüstungen für Kohleminen, die zurzeit nicht gerade in Mode sind. Einhorn glaubt daher nicht, dass er wieder zur alten Stärke zurück findet.

In der letzten Zeit, vor allem in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres, haben viele Hedgefonds schlecht abgeschnitten. Auch prominente Manager wie Bill Ackman hat es zum Teil böse erwischt. Aber auf lange Sicht haben viele der bekanntesten Hedgefonds doch erstaunlich hohe Ergebnisse erwirtschaftet, weshalb ihre Strategien besondere Beachtung finden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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