Hyperloop-Antriebstest: Der Realität einen Schritt näher

Hyperloop-Antriebstest: Der Realität einen Schritt näher

, aktualisiert 12. Mai 2016, 06:39 Uhr
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Das Hyperloop-System im Test: Ab 2021 sollen auch Personen transportiert werden können.

von Astrid DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Der Antriebstest für den Magnetschlitten Hyperloop One wird als voller Erfolg gefeiert. Die Show sollte vor allem Investoren überzeugen. Das Ziel: Personentransport ab 2021, jede Fahrt nicht teurer als ein Zugticket.

Las VegasIn zwei Sekunden ist alles vorbei. Der kleine Metall-Schlitten düst geschmeidig über die Teststrecke und erzeugt eine Staubwolke, als er von einem Haufen Sand abgebremst wird. Fürs Auge ist das eher unspektakulär. Doch der erste Antriebstest in der Wüste von Las Vegas wird von Hyperloop One als Meilenstein gefeiert.

Denn spannender ist, was man nicht sieht: ein elektromagnetisches Antriebssystem, das von sogenannten Statoren erzeugt wird. Die kleinen weißen Blöcke an der Schienenstrecke bilden „ein sich änderndes Magnetfeld, das sich mit dem Schlitten immer weiter nach vorne bewegt“, erklärt Knut Sauer, der bei Hyperloop One für die Geschäftsentwicklung und die Strategie zuständig ist.

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Die kurze Show auf dem Testgelände des Startups eine halbe Stunde nördlich von Las Vegas soll belegen, dass das futuristische Verkehrsmittel prinzipiell durchführbar ist. Und wenn es nach Hyperloop-Chef Rob Lloyd geht, soll das möglichst schnell passieren. „2019 wollen wir Fracht transportieren und ab 2021 dann Passagiere“, kündigt er am Mittwoch nach dem Test an.

Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg für das ambitionierte Startup. Denn das Hyperloop-Konzept, das auf eine Idee von Elon Musk zurückgeht, sieht vor, Kapseln in hohen Geschwindigkeiten durch Röhren zu schicken, die wahlweise auf Pfeilern ruhen oder unter Wasser verlaufen. Ende des Jahres soll auf dem Gelände in der Wüste ein Testmodell entstehen, samt Röhren, Kapsel und Steuerungssystem, das Spitzengeschwindigkeiten von 1200 Kilometer pro Stunde erzeugen soll.

Derzeit wird an allen großen Bereichen experimentiert: Mitgründer und Technologie-Vorstand Brogan BamBrogan will mit dem Münchener Unternehmen Knorr Bremse zusammenarbeiten, um das richtige Bremssystem für den Hyperloop zu finden. Klar ist, dass die Kapseln auf drei verschiedene Arten in der Röhre abstoppen können: mechanisch, aerodynamisch und elektromagnetisch.

Knorr, weltweit die Nummer eins für Schienen- und Nutzfahrzeuge, soll dabei die mechanischen Bremsen ausarbeiten. In der Hyperloop-Unternehmenszentrale in Las Vegas wird zudem in einem Windtunnel an der Aerodynamik gearbeitet und am Röhren-Design. Denn die Statoren sollen in dem nächsten Schritt direkt in die Röhren integriert werden. Weitere Partnerschaften mit Unternehmen sollen folgen.


Investoren fasziniert von der Idee

Am Anfang wurde das visionäre Projekt noch belächelt. Doch der Gedanke, lange Distanzen schnell, bequem und sicher überwinden zu können, fasziniert Investoren und traditionelle Transportunternehmen. Hyperloop One hat gerade erst eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen und 80 Millionen Dollar an frischem Kapital eingesammelt.

Das Unternehmen legt großen Wert darauf, dass das neue Verkehrsmittel rund ein Drittel billiger ist als Hochgeschwindigkeitszüge und drei Mal so schnell gebaut werden kann. Machbarkeitsstudien laufen auch in Europa. So wird eine Verbindung zwischen Stockholm und Helsinki durchgespielt, ebenso wie Cargo-Routen in der Schweiz.

„Für Passagiere soll ein Ticket in etwa so teuer sein wie ein Zugticket“, stellt Mitgründer und Risikokaptialgeber Shervin Pishevar im Gespräch mit dem Handelsblatt klar. Wenn es einmal so weit ist, sollen die Einnahmen aus dem Cargo-Geschäft den Personenverkehr subventionieren.

Viele Fragen sind noch unklar. Auch ist es eine Herausforderung, die Lieferkette so zu gestalten, dass die benötigten Teile schnell genug in Los Angeles und Las Vegas ankommen. Doch Pishevar, der sehr früh beim Taxi-Konkurrenten Uber eingestiegen ist, hat seine Vision für die Transportmittel der Zukunft klar vor Augen: „So wie wir heute Uber nutzen, um uns innerhalb einer Stadt fortzubewegen, werden wir den Hyperloop nutzen, um von Stadt zu Stadt zu kommen“, sagt er. Die Distanz zwischen Städten werde dahinschmelzen. „Es wird sich anfühlen wie Stopps von U-Bahn-Stationen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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