Hyperloop: Die Deutschland-Connection

Hyperloop: Die Deutschland-Connection

, aktualisiert 05. Mai 2016, 18:55 Uhr
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von Astrid DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Die Idee für ein super-schnelles Transportsystem der Zukunft kommt von dem amerikanischen Visionär Elon Musk. Zwei deutsche Unternehmen helfen dabei, den Hyperloop Wirklichkeit werden zu lassen.

New York„Wir arbeiten daran, dass Reisen weniger nervig zu wird“, fasst Dirk Ahlborn seine ehrgeizige Mission zusammen. Der gebürtige Berliner ist Chef von Hyperloop Transportation Technologies, einem von zwei Unternehmen, die derzeit versuchen, eine neuartiges Transportsystem aufzubauen. „Wir wollen etwas erschaffen, das auch wirtschaftlich sinnvoll ist und ein gutes Geschäftsmodel hat“, versicherte Ahlborn am Dienstag auf der DLD-Konferenz in New York.

Die Idee beruht auf einem Entwurf von Elon Musk, der den Elektroautobauer Tesla und das Raumfahrtunternehmen SpaceX leitet. Musk beschrieb das Projekt einst als „eine Mischung aus Concorde, Schienengewehr und Air-Hockey“. Dabei sollen Kapseln knapp unter der Schallgrenze in Röhren von einem Ort zum anderen jagen. Mit Geschwindigkeiten von 1220 Kilometern pro Stunde wäre der Hyperloop schneller als Flugzeuge.

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Auch zwei deutsche Firmen helfen dabei, das futuristische Projekt Wirklichkeit werden zu lassen. Eine zentrale Rolle für den Antrieb spielt die Kölner Firma Oerlikon Leybold. Der Vakuum-Spezialist liefert die Berechnungen, um den Unterdruck in den Röhren zu erzeugen, der nötig ist, um so hohe Geschwindigkeiten zu erreichen.

„Wir haben ein Dokument ausformuliert, in dem wir die Vakuum-Theorie erklären, die für den Hyperloop relevant ist. Anschließend haben wir verschiedenen Simulationen für eine Teststrecke gemacht und gezeigt, was überhaupt notwendig ist, um die Strecke unter Vakuum zu setzen und welche Auswirkungen das auf die Stabilität und zum Beispiel den Stromverbrauch hat“, erklärt Carl Brockmeyer, der bei Oerlikon Leybold die Geschäftsentwicklung leitet.

Hyperloop Transportation Technologies ist ein gewöhnliches Unternehmen. Es beruht auf einer Plattform, die es erlaubt, Ressourcen von allen möglichen Firmen und Einzelpersonen einzuholen. Wer sich bei dem Projekt engagiert, wird vorerst in Aktien bezahlt. Ein Börsengang ist für Ende des Jahres geplant – erst dann können die Mitarbeiter ihre Anteile zu Geld machen.

Die Kölner arbeiten mit Teams auf der ganzen Welt zusammen, um eine ganze Reihe wichtiger Aspekte zu klären. Eine wichtige Voraussetzung ist, die Röhre gegen Lecks abzusichern. „Wir sprechen dazu mit Teams, die zum Beispiel für den Bau der Röhre zuständig sind. Oft werden wir gefragt, ob wir Erfahrungen mit einem bestimmten Material gemacht haben. Stahl, Beton und Polymere gibt es ja in verschiedenen Formen. Da gibt es immer neue Situationen, die wir vakuum-technisch bewerten müssen“, sagt Brockmeyer.

Auch müssen die Vakuum-Pumpen in regelmäßigen Abständen platziert werden. Das eröffnet neue Fragen: Jeder zusätzliche Anschluss an die Röhre sei ein Risiko für ein Leck, gibt Brockmeyer zu Bedenken. Jeder Anschluss braucht eine Schweißnaht. Die Pumpen müssen mit Energie versorgt werden. Das sei wieder mit Kosten verbunden, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Auch wenn es noch ein weiter Weg ist, die Vakuum-Experten aus Köln sind zuversichtlich, dass das futuristische Projekt nicht bloß eine unfundierte Vision ist. „Technisch realisierbar ist der Hyperloop aus unserer Sicht absolut“, ist Brockmeyer überzeugt. Das Unternehmen betrachtet das Engagement als strategische Partnerschaft und hofft darauf, eines Tages auch die Pumpen für die Hyperloops liefern zu können.

Wenn es um das Innenleben in der Kapsel geht, dann ist die Münchener Firma Re’Flekt am Zug. Das Unternehmen hat sich auf Augmented und Virtual Reality spezialisiert und arbeitet für den Hyperloop unter anderem daran, eine Art digitale Fenster in die Kapseln zu bauen. „Die Kapsel hat keine Fenster und bewegt sich in einer Röhre. Das kann klaustrophobische Gefühle hervorrufen“, erklärt Marketing-Chef Dirk Schart. Vor allem beim Start und bei der Bremsung sei es daher wichtig, den Passagieren einen Bezugspunkt zur Außenwelt zu geben. Die Bildschirme sollen dank neuster Technologien so gestaltet sein, dass sie sich anpassen, wenn der Fahrgast seinen Blickwinkel ändert.

Während der Fahrt eröffnen die digitalen Fenster und die kleinen Bildschirme, die jeder Passagier vor sich haben wird, eine Reihe von Möglichkeiten – auch für die Werbebranche. So könnten die Kapseln zum Beispiel von einem Filmstudio oder einem Sportartikelhersteller gesponsert werden und während der Fahrt Film-Szenen oder die neusten Produkte zeigen. Auch könnten die Hyperloop-Fahrer dank Augmented Reality zusätzliche Informationen zu ihrem Zielort oder zu den Orten einblenden, an denen sie vorbei fahren. „Wir können den Passagieren eine ganz andere Form der Unterhaltung bieten“, sagt Schart.

Viele Meetings finden für das Hyperloop-Projekt via Skype statt, kleinere Aufgaben werden in Projektmanagement-Tools wie Trello organisiert, damit die Beteiligten aus aller Welt darauf zugreifen und ihre Ideen einbringen können. Am Ende bleibt die Herausforderung, dass alle Teile zusammen passen müssen.

Re’Flekt ist derweil weiter auf Expansionskurs. Das 40 Mitarbeiter große Tech-Unternehmen will in den nächsten Wochen ein Büro in Los Angeles eröffnen. Auch dafür ist die ungewöhnliche Zusammenarbeit mit Hyperloop gut. Es bringt sie mit potenziellen Kunden in Kontakt und es erleichtert die Suche nach Mitarbeitern und Büroräumen. „Wir fangen nicht bei null an“, sagt Schart, „ das ist ja fast unbezahlbar.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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