Hypo Alpe Adria: Heta-Gläubiger geben Österreich einen Korb

Hypo Alpe Adria: Heta-Gläubiger geben Österreich einen Korb

, aktualisiert 04. März 2016, 11:57 Uhr
von Yasmin Osman und Kerstin LeitelQuelle:Handelsblatt Online

Der Streit um die Krisenbank Heta ist noch lange nicht beigelegt. Zwar bot Österreichs Finanzminister Schelling den Gläubigern vor kurzem einen Nachschlag. Doch darauf wollen diese sich nicht einlassen.

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Die Absage der Heta-Gläubiger gefällt Österreichs Finanzminister Schelling nicht.

Frankfurt am MainDer Schuldenschnitt der österreichischen Pleitebank Heta wird zu einer Zitterpartie. Bis zum 11. März läuft derzeit ein Angebot des Bundeslandes Kärnten, bei dem die Gläubiger freiwillig auf ein Viertel der Schuldensumme verzichten sollen. Vor kurzem hat Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling den Gläubigern, darunter vor allem deutsche Banken und Versicherer, noch eine Art Zuschlag versprochen.
Doch wenige Tage vor Ablauf der Annahmefrist wird klar: Die Mehrheit der Anleihebesitzer der Heta wollen auch die verbesserte Offerte nicht akzeptieren.„Eine Annahme von Rückkaufangebot und zusätzlichem Angebot ist für diese Gläubiger nach wie vor nicht vertretbar“, teilten am Freitag die drei größten Gläubigergruppen mit. „Das zusätzliche Angebot, das erst kurz vor Ablauf der Angebotsfrist veröffentlicht wurde, verfehlt das Ziel der vollen Ansprüche nach wie vor deutlich“.

Die Gruppe vertritt die Interessen von Anleihebesitzern, die mit mehr als fünf Milliarden Euro knapp die Hälfte der im Feuer stehenden elf Milliarden Euro an Heta-Schulden halten. Da für das Angebot zwei Drittel der Gläubiger zustimmen müssten, besitzt die Gruppe praktisch ein Veto-Recht. Schellings Vorstoß steht damit vor dem Scheitern.

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Um die Offerte zu akzeptieren, müssten die Gläubiger aktiv auf Kärnten zugehen. Danach sieht es derzeit nicht aus. Es herrsche Funkstille, heißt es aus Gläubigerkreisen.
Hintergrund für den erbitterten Zwist sind die Garantien, die das Bundesland Kärnten einst für die Anleihen der Heta ausgesprochen hatte. Die Gläubiger argumentieren, jeden Verlust, den sie bei der Heta erleiden, muss Kärnten ausgleichen. Kärnten wiederum argumentiert, dass es sich mit den Garantien finanziell übernommen hat und vor der Pleite stünde, wenn die Gläubiger dies tun.


Das lässt die Gruppe, die unter anderem die Interessen von Commerzbank, HSH Nordbank und der FMS Wertmanagement, der Abwicklungsanstalt der früheren Hypo Real Estate vertritt, aber nicht gelten. Sie sagen, dass Kärnten mehr Geld zur Begleichung der Schulden einbringen könnte, als es das bislang getan hat. „Der seitens des Landes Kärnten angebotene Beitrag von 1,2 Milliarden Euro spiegelt nicht einmal ansatzweise dessen Vermögenswerte und Leistungsfähigkeit wider“, sagen sie.
Konkret hatte Schelling vorgeschlagen, dass die Gläubiger, die zunächst einen Schuldenschnitt von 25 Prozent akzeptieren, diese Erlöse - also 75 Prozent der Ursprungsschuld - in eine Anleihe der Republik Österreich investieren dürfen. Diese Anleihe würde dann 18 Jahre später zu 100 Prozent wieder zurückgezahlt. Wer also eine 1000-Euro-Anleihe besitzt, bekäme also zunächst 750 Euro, aus denen dann 18 Jahre später wieder 1000 Euro würden. Zusätzliche Zinsen gäbe es in der Zwischenzeit nicht, denn es handelt sich um eine Nullkuponanleihe, im Fachjargon Zerobond genannt.


Warum die Gläubiger die Schelling-Offerte ablehnen

Doch an genau diesem langen Rückzahlhorizont stören sich die Investoren. Schließlich weiß niemand so genau, wie viel dieser Rückzahlbetrag angesichts von möglicher Inflation noch wert sein würde. „Es lässt sich nicht ausschließen, dass der Marktwert der Zerobonds aufgrund der Marktgegebenheiten sogar unter dem ursprünglich angebotenen Barbetrag von 75 Prozent zu liegen kommt“, argumentier die Gläubigergruppe.

Weniger technisch ausgedrückt: Wenn die Inflation nur hoch genug ausfällt, dann sind die 1000 Euro, die die Gläubiger in 18 Jahren bekämen, vielleicht sogar noch weniger wert, als die 750 Euro, die sie sofort von der Heta bekommen könnten.
Der Poker geht also weiter.

Auch andere Gläubigergruppen hatten sich zuvor schon kritisch geäußert, darunter die „Teutonia“, die 200 Millionen Euro vertritt. Die Investoren fordern eine Verkürzung der Laufzeit auf sieben bis zehn Jahren, da dies „im wesentlichen zu keinen Mehrkosten gegenüber einer Laufzeit von 18 Jahren führen würde“, hieß es dort.

Mindestens bis zum nächsten Freitag. An dem Tag endet die Angebotsfrist. Finanzminister Schelling hatte die Gläubiger eindringlich davor gewarnt, noch weiter zu pokern und die Annahmefrist des Angebots am 11. März zu verpassen. „Dieses Angebot steht unwiderruflich bis 11. März und ist nicht verhandelbar. Nach dem 11. März ist das Angebot tot, es wird auch kein weiteres Angebot geben.“

Doch die Gläubiger wollen auch nicht „die Büchse der Pandora öffnen“, wie es aus ihren Reihen heißt. Schließlich könne Österreich ja zahlen. Die von Schelling vorgeschlagene Nachbesserung laufe auf rund 80 Prozent raus, das sei nicht akzeptabel. Das Verhalten Österreichs wird kritisch gesehen. „Noch ist nicht alles Vertrauen zerstört, aber die internationalen Investoren schauen genau hin, wie es weiter geht“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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