Hypo-Vereinsbank und Comdirect: Banken packt das Digitalisierungsfieber

Hypo-Vereinsbank und Comdirect: Banken packt das Digitalisierungsfieber

, aktualisiert 17. März 2016, 17:51 Uhr
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von Laura de la MotteQuelle:Handelsblatt Online

Die Bankenbranche modernisiert sich. Statt auf Filialen setzen viele der Geldhäuser auf Online- und Videoberatung. Die Branche sucht nach neuen Erlösquellen und scheut keine Kooperationen mit Start-ups.

MainzDie deutschen Geldhäuser drücken bei der Digitalisierung aufs Tempo. „Geschwindigkeit ist ein Erfolgsfaktor“, betonte Ansgar Oberreuter, Leiter Produkt- und Vertriebsmanagement bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) auf der „Handelsblatt-Tagung Privatkundengeschäft“ am Donnerstag in Mainz.
Die Münchner haben in den vergangene drei Jahren als erstes Institut das Filialnetz rigoros um 40 Prozent zusammengestrichen und setzen mehr auf Online- und Videoberatung. Die Kunden, die der Bank wichtig waren, hat man damit zumindest nicht verschreckt. „Es gab eine positive Entwicklung im Zielgruppensegment“, formulierte es Oberreuter.
Andere Häuser wie die Deutsche Bank folgen jetzt. Der Branchenriese will etwa 220 seiner derzeit gut 720 Filialen schließen. Die Maßnahmen gelten als notwendig, weil immer weniger Menschen in eine Filiale gehen. Das Bankgeschäft gerät zudem durch neue Angreifer, aber auch das Niedrigzinsumfeld und die Regulierung unter Ertragsdruck.

Insbesondere im Bereich der kleinen Privatkunden würden die Margen in den kommenden Jahren stagnieren, prophezeite Christian Sewing, Vorstand für Privat- und Geschäftskunden bei der Deutschen Bank. „Das lässt sich nicht über ein Erlöswachstum kompensieren, wir müssen auch Kosten senken“, ergänzte Michael Meyer, Vorstand der Stadtsparkasse Düsseldorf. Auch er will seine Filialen von derzeit 63 auf 46 reduzieren.
Gleichzeitig müssen sich die Geldinstitute auch schneller an die neue Lebenswelt anpassen. „Wir erhöhen unsere Innovationsgeschwindigkeit“, erklärte Sewing. Er verkündete, dass sein Haus eine „Digitale Fabrik“ ins Leben gerufen hat. 600 Mitarbeiter der Deutschen Bank sollen künftig dafür sorgen, dass neue Ideen, schneller als bisher programmiert und umgesetzt werden.

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„Banken, die nicht in Digitalisierung investieren, können in den kommenden Jahren bis zu 35 Prozent ihrer Erträge verlieren“, warnte Sewing. Allein für die Erneuerung seines Geschäftsbereichs nehme die Deutsche Bank bis 2020 insgesamt 750 Millionen Euro in die Hand. Sewing setzt dabei nicht nur auf neue Produkte, sondern will die gesamte Prozesskette digitalisieren.


Junge Fintechs versprechen Lösungen für die etablierten Banken

Ein Weg, der dabei von immer mehr Geldhäusern gewählt wird, ist die Kooperation mit jungen Technologieunternehmen („Fintechs“). Durch die Branche hinweg fallen die Berührungsängste zu den Finanz-Start-ups – von Kontowechsel-Apps bis hin zu automatischer Geldverwaltungs-Software. Banken holen sich Unterstützung von außen. „Der Kampf zwischen Fintechs und Banken ist in Kooperation gemündet“, konstatiert auch Arno Walter, Chef der Onlinebank Comdirect, die selbst mit mittlerweile neun Fintechs zusammenarbeitet.
Dabei erschließen erste Häuser auch zusätzliche Ertragsquellen. Die Deutsche Bank beispielsweise hat neue Services wie die Zusammenfassung mehrerer Konten auch von fremden Instituten sowie einen Online-Safe für wichtige Dokumente entwickelt. „Die Angebote müssen bankennah sein. Wenn der Kunde einen Mehrwert wahrnimmt, ist er auch bereit, dafür einen Preis zu zahlen“, sagte HVB-Manager Oberreiter.

Wachstumspotenzial sieht Deutsche-Bank-Vorstand Sewing bei vermögenden Kunden. Hier sei auf Fünfjahressicht eine Steigerung von jährlich zwei bis fünf Prozent zu erwarten, sagte er. „Es wird einen Schwenk in die Wertpapierberatung geben“, erläuterte Sewing seine Strategie. Ziel sei es, die Marktanteile bei den Kunden mit einem Vermögen zwischen 500 000 und zehn Millionen Euro zu erhöhen.
Das gleiche Potenzial sieht er auch im Firmenkundengeschäft. Hier hat die Deutschen Bank in den letzten Jahren Boden verloren. Nun will Sewing den Marktanteil bei den Mittelständlern mit einem Jahresumsatz von 25 bis 250 Millionen wieder auf über zehn Prozent erhöhen. Dazu will er neue Firmenkundenbetreuer einstellen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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