Hyundai i30 im Handelsblatt-Test : Kein Volkswagen, aber einer für jedermanns Alltag

Hyundai i30 im Handelsblatt-Test : Kein Volkswagen, aber einer für jedermanns Alltag

, aktualisiert 11. Mai 2017, 07:41 Uhr
Bild vergrößern

Der neue Hyundai i30 tritt in der so genannten Golf-Klasse gegen beinharte Wettbewerber an. In Sachen Design und Ausstattung kann der in Europa designte und gebaute Koreaner aber zunächst mal Punkte sammeln.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

In punkto serienmäßiger Sicherheit und Ausstattung ist der neue i30 ein Vorbild unter den Kompakt-Pkw. Auch optisch hat sich die koreanische Golf-Alternative dem Wolfsburger Rivalen angenähert. Kann er ihn überholen?

München/DüsseldorfEr tritt gegen VW Golf, Ford Focus, Opel Astra, Mazda3, Nissan Pulsar, und Renault Mégane an, um hier nur mal die namhaftesten Gegner des Hyundai i30 zu nennen. Ist der in Europa designte, erprobte und gebaute Korea-Kompakte also nur einer unter Vielen? Oder stellt die dritte i30-Generation doch etwas Besonderes dar?

Von außen betrachtet stimmt erst mal alles: Scharfe LED-Scheinwerfer, die aber nicht aggressiv wirken, schauen mich aus einer flachen, langen Motorhaube an, sie nehmen einen kaskadenförmig gestalteten Chrom-Kühlergrill in die Zange, der das Selbstbewusstsein der Marke signalisiert, die kein asiatisches Billig-Schnäppchen sein möchte.

Anzeige

Der i30 sieht tatsächlich wohltuend moderner, akzentuierter aus als sein rundlicherer Vorgänger. Die Präsenz auf dem Asphalt ist nun dynamischer. Was auch daran liegt, dass er insgesamt länger, breiter und flacher geworden ist, ohne im geringsten aufdringlich zu wirken.

Innen setzt sich der gute Eindruck fort: Vor allem die besser ausgestatteten Versionen verwöhnen mit guter Materialauswahl und ungewöhnlichen Extras, tadellose Verarbeitungsqualität und eine besonders lange Garantie sind ohnehin selbstverständlich. Man sitzt gut, das Raumgefühl ist besser als der Begriff Kompaktklasse verspricht, und die Bedienung sämtlicher Fahrzeugfunktionen konnte während der ersten Testfahrt-Kilometer quasi nebenbei „gelernt“ werden.

Andererseits kommt ein Hyundai immer noch nicht an die vorbildliche Haptik der VW-Bedienelemente und die aufgeräumt-sachliche Anmutung von Wolfsburger Innenräumen heran.

Wer nachzählt, kann im i30 rund 50 Knöpfe und Schalter entdecken. Andererseits haben Designer und Ingenieure sie gut und in Ebenen gruppiert, sodass niemand verwirrt dreinschauen muss. Außerdem liegt alles Wichtige gut erreichbar nah für den Fahrer.

Doch schon nach wenigen Minuten gibt es was zu meckern: Ausgerechnet der Motor, dem Hyundai in Deutschland die besten Verkaufsprognosen stellt, macht mir beim Anfahren und Schalten wenig Freude. Der 1,4 Liter-Turbo-Vierzylinder-Benziner hat eine Leistungslücke, die ihn nur mit Verzögerung anfahren lässt und die den Durchzug unterbricht, wenn man sich nicht auf mindestens mittlerem Drehzahlniveau befindet. Im Bereich zwischen 1.200 und 2.500 Umdrehungen ruckelt der Wagen oft, der Beifahrer bestätigt das bei Schaltvorgängen durch unfreiwilliges Kopfnicken in den Leistungslöchern.

Ab 3.000 Touren zieht der Turbo gut durch, ab 5.000 Umdrehungen wird es dann jedoch zäh. Ein Geduldsspiel beginnt und die Nadel des Drehzahlmessers kriecht dem roten Bereich entgegen, der bei 7.000 Touren liegt. Das Geräuschniveau dabei ist gut, die Dämmung der Kompaktklasse angemessen.

Zweiter Kritikpunkt: Das Fahrwerk dürfte für meinen Geschmack etwas härter, sportlicher sein. Die Federung ist komfortabel, mir persönlich war sie zu weich, was sich bei forscher Fahrweise in einer nicht unerheblichen Seitenneigung und einem unwiderstehlichen Drang nach außen an den grünen Grasrand schneller Kurven ausdrückt.

Nicht wirklich beunruhigend, der Wagen sendet einfach nur das Signal: „Bitte keinen Sport. Ich bin ein Held des Alltags.“ Wer Kurvenhatz möchte, sollte auf die bereits angekündigte supersportliche „N“-Variante warten, die bereits auf der Nordschleife Renneinsätze probt.

Andererseits: Das war es auch schon mit der Kritik, ohne Erbsenzählerei findet sich ansonsten wirklich nichts zu meckern am i30. Großes Lob verdienen beispielsweise zwei der Motor-Alternativen zum 1,4-Liter-Turbo: Der 1,0-Liter Drei-Zylinder-Turbo ist ein unerwarteter Quell der Freude. Er wirkt quirlig, spritzig, fällt anders als sein größerer Bruder auch nicht ins Turboloch.

Und er wird im Alltag mit 120 PS spielend mit allen Herausforderungen für den i30 fertig, vielleicht mal abgesehen von Anhänger ziehen. Dafür empfiehlt sich natürlich das stärkste und beste im Programm: Der bewährte 1,6-Liter Diesel, ein alter Bekannter, Soundmäßig versteckt er seine 136 PS nie, und sein vorzeigbares Drehmoment von 300 Newtonmeter macht einfach Spaß.


Viel Sicherheit, wenig Emotion

Lenkung, Übersicht, Sitzkomfort, Materialauswahl und Verarbeitung, das ist inzwischen alles auf dem Niveau des Golf, je nachdem welche der fünf Ausstattungsvarianten des Fünftürers man wählt und wie viele Kreuzchen auf der Optionsliste der eigene Geldbeutel zulässt.

Bei den Sicherheits- und Assistenzsystemen sowie beim multimedialen Infotainment allerdings, da hat Hyundai im Vergleich zum Golf klar die Nase vorn. Und es gibt viel Auswahl: Fünf Ausstattungs- und sechs Motorvarianten (drei Diesel, drei Benziner).

Schon in der Basisversion „Pure“ ist der i30 keine frugale Hütte mehr. Zur Sicherheit tragen zum Beispiel in puncto Inventar sechs Airbags, Aufmerksamkeitsassistent, Berganfahrhilfe oder Fernlichtassistent bei, um die wichtigsten zu nennen. Unterstützt werden die relevanten Sicherheitssysteme von einer Kamera in der Windschutzscheibe und einem Radar im Kühlergrill.

Besonders gut: Ein aktiver Spurhalter ist beim neuen i30 nun immer mit an Bord, und er erledigt seinen Job wirklich gut. Man kann ihn sogar so einstellen, dass das Fahrzeug in der Fahrbahnmitte bleibt, und nicht zwischen den Straßenmarkierungen hin und her pendelt.

Besondere Zugaben gibt es auch in den höheren Ausstattungen: Bei „Select“ sind das etwa Nebelscheinwerfer und Bluetooth-Freisprechanlage, bei „Trend“ Sitzheizung vorne oder Einparkhilfe hinten, bei „Style“ dunkel getönte Scheiben ab B-Säule, schicke 17-Zöller oder eine Rückfahrkamera und bei „Premium“ autonomer Bremsassistent mit Frontkollisionswarner und Fußgängererkennung sowie LED-Tagfahrlicht.

Ungewöhnliche Oberklasse-Zutaten wie mehrstufige Sitzkühlung und Lenkradheizung sind ebenfalls erhältlich, ebenso wie ein riesiges Panorama-Glasdach, das extra viel Licht und Luft hereinlässt. Praktisch: Beim Einparken des nach hinten eher unübersichtlichen i30 ist die Rückfahrkamera beinahe unentbehrlich. Immerhin in den Varianten „Style“ und „Premium“ ist sie serienmäßig an Bord.

Eine kabellose Lademöglichkeit für Smartphones gehört ebenfalls zur „Style“-Ausstattung. Helfer wie Totwinkel- oder Frontkollisionswarner, Verkehrszeichenerkennung oder Querverkehrshelfer gibt es optional. Oder man ordert gleich das Top-Komfortniveau. Hier ist quasi alles an Bord, was Hyundai überhaupt im Angebot hat, inklusive autonomem Notbremsassistenten und adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage. Wobei ich ein Head-up-Display vermisse, wie es etwa Renault und Mazda in diesem Segment an Bord haben.

Apple Car Play und Android Auto finden sich ebenfalls über den gut einsehbaren Touchscreen, das Smartphone ist sekundenschnell verbunden. Auch das Navigationssystem und die Bedienung der zahlreichen Assistenzsysteme sind die reine Freude, weil man schon kurz nach dem ersten Einstieg intuitiv die meisten Handgriffe richtig erledigt.

Weiter hinten geht das Platzangebot in Ordnung. Große Erwachsene verlieren auf den drei Plätzen der Rückbank weder ihre Würde noch ihre Kniescheiben, und die Kopffreiheit verhindert, dass die Frisur in Unordnung gerät.

Noch weiter hinten nimmt der Kofferraum im Normalzustand inklusive doppeltem Ladeboden anständige 395 Liter Gepäck entgegen, das sind 17 mehr als beim Vorgänger, und 15 mehr als beim VW Golf. 1301 Liter, oder 541 Kilo Zuladung sind es, wenn die geteilten Rücksitzlehnen mit der etwas zu schmal geratenen Ski-Durchreiche flachgelegt werden.


Fazit und technische Daten

Was bleibt vom i30 in Erinnerung? Wenig Emotionales, auch das hat er mit dem Golf gemeinsam. Er überzeugt in der dritten Generation mit der Abwesenheit offensichtlicher Schwächen, was ihn zum ernsthaften Herausforderer hat reifen lassen. Zählt man dann noch die serienmäßige Fünfjahresgarantie und die wirklich tolle (Sicherheits-)Ausstattung dazu, so wird es vielleicht nicht für den Golf, aber einige seiner weniger namhaften Wettbewerber richtig eng.

Hyundai ist momentan der fünftgrößte Autohersteller der Welt (nach VW, Toyota, GM, und Nissan/Renault), und man hat sich für 2017 eine Menge vorgenommen. Unter anderem diesen erneuten Angriff auf den ewigen Platzhirsch im Kompakt-Segment, den VW Golf. In Deutschland fußt Hyundais Erfolg von mehr als 100.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr (ohne die Modelle der Tochter Kia) auf i10, i20, i30 und vor allem dem SUV Tucson, das allein etwa für die Hälfte des deutschen Hyundai-Absatzes steht.

Mehr als drei Prozent Marktanteil möchte man Ende des Jahres nennen können. Der i30 legt dafür eine erstklassige Basis. Auch, weil die Bestellungen seit Jahresbeginn bereits die Zahl 6.000 überschreiten. Nur in puncto Haptik und Fahrwerk kann der Koreaner, der von einem Deutschen designt und in Tschechien gebaut wird, noch etwas vom Golf lernen. Was nicht für die - leicht gestiegenen - Preise gilt, da ist bereits vieles so wie in Wolfsburg. Die Basis mit kleinem Motor gibt es für weniger als 18.000 Euro, ein Top-Diesel mit Vollausstattung kostet ab rund 31.000 Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%