Hyundai Tucson im Handelsblatt-Test: Er will da hin, wo der Tiguan ist

Hyundai Tucson im Handelsblatt-Test: Er will da hin, wo der Tiguan ist

, aktualisiert 24. März 2016, 06:52 Uhr
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Mit 4,48 Metern Länge tritt der Tucson gerade noch in der kompakten SUV-Klasse an. Die leicht abfallende Dachlinie mündet in einem rundlichen Heck mit Dachkantenspoiler und farblich abgesetztem Unterfahrschutz. Beim Preisniveau hat sich nichts geändert, ab 22.400 Euro steht er im Handel.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Mit dem Motto „Change is good“ wirbt Hyundai für den neuen Tucson, und um diejenigen, die bislang SUV anderer Marken bevorzugten. Im Alltag leistet sich der kompakte Koreaner kaum auffällige Schwächen. Reicht das?

DüsseldorfGerade mal 30 Kilometer fahre ich mit dem neuen Hyundai Tucson, und habe einen positiven Ersteindruck. Kaum zuhause angekommen und eingeparkt, macht meine Frau den aber einfach platt. Sie sieht das kompakte SUV und fragt: „Hatten wir den nicht neulich schon mal?“

So schnell kann das gehen, liebe Designer, all Euren Bemühungen zum Trotz: Wer sich nicht im Detail für Autos interessiert, der sieht halt nur ein hochbeiniges silbernes Fahrzeug mit großem Kühlergrill und schmalen Fenstern.

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Natürlich schnappe ich nach Ihrem Köder. Erläutere, mit welchen Testkandidaten von Kuga und Tiguan über CX-5 und Sportage bis zu CR-V sie den Tucson wohl verwechselt, und aufgrund welcher Unterschiede das ja eigentlich unmöglich sei. Meine wortreiche Detailaufzählung wischt sie mit den Worten vom Tisch: „Also wieder so ein SUV. Kommst wohl langsam in das Alter.“

Sie hat mit ihrem Generalverdacht an der Massenerscheinung SUV, was böse Kritiker ja mit „Senioren Und Versehrte“ übersetzen, nicht Unrecht. Man muss schon auf die Details achten, um den Tucson als den Nachfolger des ix35 zu identifizieren und um ihn aus der Masse herauszuhalten.

Diese Masse wird angeführt vom VW Tiguan, der seit acht Jahren gebaut wird und seitdem bis auf wenige Ausnahmen fast jeden Monat die Neuzulassungsliste seines Segments anführt. Diesen Wolfsburger Bestseller fordert der koreanische Hyundai-Konzern mit dem Tucson praktisch doppelt heraus, denn der Nachfolger des ix35 ist technisch identisch mit dem Kia Sportage.

Während der etwas bulligere Tucson kurz vor der IAA 2015 auf den Markt rollte, kam der etwas verspieltere Sportage erst vor kurzem bei den Händlern an. Zu beiden Neuerungen zählen nun ein Doppelkupplungsgetriebe und ein neuer Turbobenziner mit 130 kW/177 PS, wie in unserem Testwagen. Der hatte auch den Allradantrieb an Bord, der gegen Aufpreis zu haben ist.

Zu den Pluspunkten des Tucson zählt einmal die recht auffällige Gestaltung des überdimensionierten Kühlergrills mit viel glänzendem Chrom sowie der scharfe Blick der weit in die Kotflügel gezogenen, flachen Frontscheinwerfer. Das wirkt sehr modern, selbstbewusst, gefällig; es zeigt eine angenehme Präsenz ohne Protzigkeit.

Eine kleine BMW-X6-Anleihe nimmt das Design durch eine coupéhaft nach hinten und unten abfallende Dachlinie, die in einem sportlichen Heckspoiler endet. Ein schmal zulaufendes Fensterband, üppige Bereifung, sowie zweifarbige Offroad-Beplankung und angedeuteter Unterfahrschutz an Heck und Front sind die weiteren Zutaten des optisch gefälligen Auftritts. Um es deutlich zu sagen: Er wirkt vielleicht auf den ersten Blick nicht so edel wie der neue Tiguan, dafür aber kesser, dynamischer, nicht so bieder und nüchtern wie der Platzhirsch aus Wolfsburg.


Keine Schwächen, außer der Übersicht

Hyundai hatte 2015 in Deutschland ein Rekordjahr mit fast 110.000 Zulassungen und erreichte 3,4 Prozent Marktanteil. Damit dieser Aufschwung nicht abreißt, muss auch der unterhalb des Santa Fe positionierte ix35-Nachfolger große Erwartungen erfüllen. Meiner Ansicht nach kann das einerseits durch den Innenraum gelingen, der viel komfortabler ist als beim Vorgänger, und andererseits durch die bloße Abwesenheit kleiner Mängel, die jede Gesamtnote herunterziehen würden. Der Tucson leistet sich eben in unseren 14 Tagen Alltagstest in keinem klassischen Kriterium außer der Übersichtlichkeit einen Ausreißer nach unten, und das ist ja auch schon was.

Die Automatik und das Doppelkupplungsgetriebe verrichten ihre Arbeit unauffällig und geräuschlos, wobei letzteres ein wirklich wichtiges Stichwort für die Probefahrt ist. Der Tucson gehört (als Benziner) zur schweigsamen Sorte SUV, was ihn zusammen mit dem gebotenen Sitzkomfort zu einem absolut reisetauglichen Fahrzeug macht. In der Stadt erfreut die zielgenaue, leichtgängige Lenkung. Für ein Fahrzeug mit knapp 4,50 Meter Länge und 1700 Kilo Gewicht bewegt sich der Turbo-Benziner sogar überraschend leichtfüßig und agil, auch dank 265 Newtonmeter Drehmoment schon ab 1500 Touren.

Alles gut also, solange man keinen großen Sport verlangt: In engen Kurven kann er wankelmütig seine Zugehörigkeit zur SUV-Klasse nicht verbergen. Das gilt auch für den Standardsprint: In knapp 10 Sekunden geht's aus dem Stand auf Landstraßentempo, Schluss ist bei 201 km/h.

Der Federungskomfort ist ordentlich, ein gelungener Kompromiss zwischen Komfort und einer gewissen Straffheit. Und sogar hinten kann man seine Rückenlehne verstellen. Schwarzes Leder wertet optisch Sitze und Lenkrad auf, ansonsten ist das übersichtliche Cockpit zwar kunststofflastig, wirkt aber dennoch wertig gemacht.

Punkten kann der Wagen definitiv beim Raumangebot, denn vier bis fünf Reisende werden stets ein Plätzchen für ihren Kram und Trödel finden. Am dicken Ende, dem nicht so überzeugend gestalteten Heck, mit der viel zu kleinen, dunklen Scheibe, lässt sich sogar rekordverdächtig viel zuladen.

Einer der größten Kofferräume in der Kompakt-SUV-Klasse (513 - 1503 Liter) schluckt fast 600 Kilo Gepäck, wobei der Ladeboden leider keine ganz ebene Fläche ergibt, wenn die geteilten Rücksitzlehnen mit einem Hebelzug abgeklappt werden.

Je nach Variante und Ausstattung liegt die für ihre langjährigen Garantieversprechen bekannte Importmarke mit dem Tucson rund 10.000 Euro unter manchen Premium-Varianten in dieser Fahrzeugklasse, in der der Hunger der Kundschaft offenbar kaum zu stillen ist. Beides sind bestimmt nicht die schlechtesten Argumente für SUV-Interessierte, sich den Koreaner mit dem texanischen Namen genauer anzusehen. Mitbringen sollten sie viel Zeit für die lange Liste der Optionen, Motoren und Antriebe (siehe Seite 1oben). Wer übereifrig Kreuzchen setzt, kann vom 22.400-Euro-Basispreis des Einstiegsmodells aus auch schnell fast beim doppelten Betrag landen.

Schon vor der eigenen Probefahrt (her)auszurechnen ist der von uns gefahrene Turbobenziner in Kombination mit Allrad: Mit einem Normverbrauch von 7,5 Liter kamen wir nicht hin, es waren eher zwischen 10 und zwölf. Das ist vielleicht für ein modernes SUV nicht unanständig, aber Vielfahrer denken dann wohl doch eher über die Diesel-Alternativen nach, die aber auch teurer sind. Und bei der Restwertentwicklung (siehe ganz unten) bekommt der Herausforderer gegen den Platzhirsch Tiguan überhaupt keinen Stich.

Technische Daten

Hyundai Tucson 1.6 Turbo 4WD Premium DSG

BauartR4-Benziner, Turbo, Direkteinspritzung
Hubraum1.591 cm³
Leistung130 kW (177 PS) bei 5.500 - 6.500 U/min
Max. Drehmoment265 Nm bei 1.500 - 4.500 U/min
bei Drehzahl1.500 - 4.500 U/min

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit201 km/h
Beschleunigung 0 - 100 km/h9,8 Sek.

Verbrauch & Emissionen

Kombiniert in l/100 km7,5
CO2-Emission in g/km175
EffizienzklasseD (Euro6)

Maße und Gewichte

Länge4,48 m
Breite1,85 m
Höhe1,65 m
Radstand2,67 m
Wendekreis10,8 m
Anhängelast1.400 kg
Leergewicht1.609 kg
Zuladung581 kg
Kofferraumvolumen513 - 1.503 Liter

Restwertprognosen im Vergleich von Bähr & Fess Forecasts:

Marke

Modell

PS/kW

Neupreis

Restwert in 4 Jhr.

Wertverlust

HyundaiTucson Turbo Trend


1.6 T-GDI 4WD DCT
177/13031.350 €48% / 15.048 €16.302 €
VWTiguan Trend & Fun


TSI BMT DSG
150/11028.825 €58% / 16.719 €12.107 €
NissanQashqai Tekna


1.6 DIG-T
163/12030.190 €49,5% / 14.944 €15.246 €
FordKuga Trend, 1.5 EcoBoost 4x4182/13431.000 €51,5% / 15.965 €15.035 €
HondaCR-V 2.0 4WD S155/11425.790 €55% / 14.185 €11.606 €
MazdaCX-5 Prime-Line, Skyactiv-G 165 FWD165/12124.390 €54% / 13.171 €11.219 €
Quelle:  Handelsblatt Online
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