IBAN wird Pflicht: So kämpfen Sie gegen das IBAN-System

IBAN wird Pflicht: So kämpfen Sie gegen das IBAN-System

, aktualisiert 29. Januar 2016, 16:20 Uhr
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Überweisungen sind ab der kommenden Woche nur noch mit dem einheitlichen SEPA-System möglich. Das Verfahren soll für Effizienz und Sicherheit sorgen – mithilfe der 22-stelligen IBAN.

von Leonidas ExuzidisQuelle:Handelsblatt Online

Wer eine Überweisung mit Kontonummer und Bankleitzahl durchführen möchte, muss schnell sein. Ab der kommenden Woche greift das flächendeckende IBAN-System. Doch das Verfahren kann man geschickt umgehen.

FrankfurtDie Theano GmbH ist gewappnet für den Startschuss: Wenn ab kommender Woche die endgültige Umstellung auf europäische Kontonummern erfolgt, erhofft sich der Internetdienstleister auf seiner Webseite nach Hochkonjunktur.

Mit dem dortigen IBAN-Rechner lässt sich die eigene, internationale Bankkontonummer mit wenigen Mausklicks identifizieren. „Diesen Rechner gibt es bereits seit über zehn Jahren, aber die Nutzerzahlen sind zuletzt deutlich gestiegen“, sagt Rainer Typke, geschäftsführender Gesellschafter bei Theano.

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Überweisungen mit Kontonummern und Bankleitzahl sind ab dem 1. Februar endgültig Geschichte. Im Zuge der „Single European Payments Area“ (SEPA) für bargeldlosen Zahlungsverkehr hält die IBAN Einzug in die private Finanzwelt. Eine Überweisung ist künftig nur noch durch Eingabe der IBAN möglich – das soll den Zahlungsverkehr erheblich einfacher, schneller und sicherer machen.

In der gesamten europäischen Union sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen, Monaco und der Schweiz herrscht künftig einheitlicher Zahlungsverkehr. Es macht also keinen Unterschied mehr, ob die Überweisung in Deutschland bleibt oder die Landesgrenze passiert.

Schon bei der Bekanntgabe sorgte das integrierte System für reichlich Diskussionsstoff. Viele Verbraucher sind der 22-stelligen „International Bank Account Number“ (IBAN, siehe folgende Grafik) nicht wohlgesonnen: Zu kompliziert, zu lang, zu sperrig lautet der mehrheitliche Tenor. Obwohl solche SEPA-Überweisungen bereits seit einiger Zeit für Privatkunden möglich sind, werden der Bundesbank zufolge täglich rund 2,4 Millionen Überweisungen auf die „klassische“ Art und Weise getätigt, also mit Empfänger, Kontonummer, Bankleitzahl und Betrag.

Solche Überweisungsscheine sollten ab der kommenden Woche in den Papierkorb wandern. Denn die Banken sind gesetzlich dazu verpflichtet, künftig nur noch die neuen Kontodaten anzunehmen. Aufträge in ihrer bisherigen Form werden in nicht mehr bearbeitet. „Ich habe Sorge, dass das bei allen entsprechend klappt. Nicht jeder nutzt Online-Banking, viele Kunden haben noch alte Überweisungsträger in der Schublade“, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in der vergangenen Woche.

Dabei stellt die IBAN nur eine geringfügige Veränderung dar – im Grunde ist es eher eine Ergänzung. Der Ländercode „DE“ wird gemeinsam mit einer zweistelligen, individuellen Prüfziffer der bisherigen Bankleitzahl vorangestellt, anschließend folgt die zehnstellige Kontonummer. Die Krux: Vielen Verbrauchern fällt es Branchenangaben zufolge trotz der bekannten Elemente schwer, sich die 22-stellige Kennzahl zu merken.


Auch viele Banken bieten IBAN-Umrechner an

Daher sind Tools wie der IBAN-Rechner von Rainer Typke vielen Verbrauchern eine dankbare Alternative zum Blick auf den Kontoauszug oder auf die eigene Bankkarte. „Man kann seine eigene IBAN herausfinden und weitere Kennzahlen validieren“, sagt Typke über sein bislang erfolgreichstes Web-Projekt.

Auch Banken und Unternehmen sind bemüht, es dem Verbraucher letztlich so einfach wie möglich zu machen. Die Kreditinstitute setzten zuletzt verstärkt auf Kommunikation – in persönlichen Gesprächen oder in Informationsbroschüren in Filialen und Internetauftritten.

Die Commerzbank etwa stellt, wie die Postbank, ebenfalls ein Tool zur Verfügung, das die eigene IBAN in Sekundenschnelle ermittelt. Dazu stets der Hinweis: „Ab dem 1. Februar 2016 gilt SEPA!“ Bei vielen Unternehmen ist die IBAN bei Zahlscheinen bereits eingefügt. „Der Kunde bewegt sich heute schon in der SEPA-Welt“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft (DK). Sollten ausgefüllte Vorlagen nicht vorliegen, würde eine Einteilung der IBAN-Nummer in die bekannten Vierer-Felder das Verständnis erleichtern, sagen Experten.

Für Unternehmen, Vereine und Behörden ist das SEPA-System bereits seit zwei Jahren gängige Praxis. Die Umstellung auf das neue Bezahlverfahren begann bereits am 1. Februar 2014 – lediglich Privatkunden durften eine verlängerte Schonfrist genießen.

Dass der Prozess größtenteils geräusch- und reibungslos ablief, stimmt Experten auch für die Zukunft optimistisch. „Wir haben aber in diesen zwei Jahren nicht den Eindruck gewonnen, dass der neue europäische Zahlungsverkehr von den Kunden grundsätzlich abgelehnt wird. Vielmehr verlief bereits die Umstellung von Unternehmen und Vereinen reibungslos, obwohl es hier im Vorfeld durchaus Bedenken gab, dass es größere Anpassungsprobleme geben könnte“, heißt es von der Deutschen Kreditwirtschaft. „Wir erwarten deshalb jetzt keine lange Umgewöhnungszeit.“

Beschweren darf man sich hierzulande eigentlich nicht: Im europäischen Vergleich hätte es für deutsche Kunden weitaus schlimmer kommen können. So müssen etwa Privatkunden aus Malta stolze 31 Stellen in ihrem Überweisungsschein ausfüllen. Ähnlich ergeht es Zyprioten, Polen und Ungarn – dort sind es 28 Stellen. Komfortabel hingegen ist es in Norwegen (15) und Belgien (16).


Effiziente Boykottstrategien gegen IBAN

Für diejenigen, die sich trotz Zuspruch, Unterstützung und jedweder Hilfeleistungen nicht mit der endgültigen Umstellung abfinden wollen, gibt es verschiedene Vermeidungsstrategien, von denen sich zumindest einige in der Finanzbranche zuletzt etablieren konnten.

Konsequente Barzahlung

Warum überhaupt mit dem Trend gehen? Warum einfach, wenn es auch schwer geht? Jegliche Rechnungen können schließlich auch konsequent bar bezahlt werden. Kostet zwar jede Menge Nerven, lässt die IBAN jedoch alt aussehen. Als erste Amtshandlung für den Februar sollte man einen Termin für ein persönliches Gespräch beim Chef vereinbaren: Das Comeback der Lohntüte ist nahe!

SmartÜberweisung

„Eintippen war gestern. Überlassen Sie das einfach der SmartÜberweisung“, rät die Deutsche Bank in ihren Tutorial auf dem Videoportal YouTube. Das Prinzip bietet das Kreditinstitut schon seit einiger Zeit an: Eine Rechnung im pdf-Format kann per Drag and Drop in ein dafür vorgesehenes Zwischenfeld in einer Überweisungsvorlage gelegt werden. Die für den Überweisungsvorgang relevanten Empfängerdaten werden automatisch herausgefiltert und in der Überweisungsmaske platziert. Nach der mit dem bekannten Photo-TAN-Verfahren erfolgten Autorisierung wandert der gewünschte Betrag zum Empfänger. Ähnliches gilt für Überweisungen im Textformat. Hier muss der Kunde den gesamten Text kopieren und in das dafür vorgesehene Feld in der Überweisungsmaske einfügen. Das Programm filtert erneut alle relevanten Daten heraus – autorisieren, bestätigen, fertig.

GiroCode

Bei der Sparkasse hat man vollstes Verständnis für menschliches Versagen. „Bisher mussten Sie die Zahlungsdaten aufwendig und sorgfältig per Hand übertragen. Kleine Fehler oder Zahlendreher passieren da schnell“, beschreibt die Sparkasse in ihrem Tutorial-Video. Mit dem GiroCode-Verfahren geht es tatsächlich schneller und weniger kompliziert: Auf der zu begleichenden Rechnung muss sich ein QR-Code befinden, auf dem alle notwendigen Kennzahlen für die Überweisung hinterlegt sind. In der Sparkassen-App für Handy oder Tablet findet sich ein Scanner, der diesen aufgedruckten Code einliest und die Überweisung vorbereitet. Per TAN muss diese in der Folge noch freigegeben werden.

Fotoüberweisung

Ähnliches Prinzip, ähnlicher Effekt. Bei der Fotoüberweisung, die zum Beispiel bei der comdirect angeboten wird, muss die Rechnung lediglich mit dem Smartphone oder dem Tablet fotografiert werden. Das Programm überträgt die Daten auch hier in eine Überweisungsmaske, die anschließend per TAN freigegeben werden muss.

Nach Norwegen auswandern

Es hilft ja alles nichts: Wenn man auch für diese modernen Überweisungstechniken nichts übrig hat, dann muss man die Koffer packen und Kompromisse eingehen. Auf geht’s nach Norwegen! Schließlich ist eine 15-stellige IBAN besser als eine 22-stellige.

In diesem Sinne: Macht es gut, Kontonummer und Bankleitzahl!

Quellle:  Handelsblatt Online
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