Ibis, Mercure, Novotel: Hotelbetreiber Accorhotels wird zu Luxus-AirBnB

Ibis, Mercure, Novotel: Hotelbetreiber Accorhotels wird zu Luxus-AirBnB

Quelle:Handelsblatt Online

Der größte Hotelbetreiber Europas Accorhotels kauft das Übernachtungsportal im Luxussegment Onefinestay. Warum den Parisern das Hotelfach nicht mehr genügt und wie sie Onlinevermittler AirBnB Konkurrenz machen.

Die Beteuerung von Vorstandschef Sébastian Bazin erinnert an ein berühmtes Zitat kurz vor dem Berliner Mauerbau. „Accorhotels hat keinesfalls die Absicht“, sagte er dem Handelsblatt im Februar über Onlinevermittler wie Booking.com oder HRS, „gegen sie als weiteres Portal zu konkurrieren.“

Spätestens seit dem heutigen Dienstag ist klar: Für Bazin ist all dies Geschwätz von gestern. Wie der größte Hotelbetreiber in Europa („Ibis“, „Mercure“, „Novotel“) jetzt mitteilte, erwirbt er für 148 Millionen Euro den Online-Übernachtungsvermitter Onefinestay. Die künftige Accor-Tochter, deren Management Bazin behalten will, bietet wie AirBnB auf ihrer Website Privatunterkünfte, setzt dabei jedoch gezielt auf hochwertige – und damit überwiegend teure – Offerten.

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Der börsennotierte Pariser Hotelriese will nach eigenen Angaben außerdem 64 Millionen in den Ausbau des Geschäfts investieren, das seit 2010 von Großbritannien aus gesteuert wird.

Bazin, der den Europachefsessel beim Finanzinvestor und Accor-Großaktionär Colony Capital vor zweieinhalb Jahren mit dem Stuhl des obersten Hoteldirektors tauschte, sorgt seither vor allem uns eines: die wachsende Vormachtstellung der Hotelportale. Wie die meisten Wettbewerber kann auch Accorhotels auf die Vertriebshilfe von Booking, Expedia oder HRS kaum mehr verzichten. Dabei löst dort jede Buchung eine Provisionszahlung von mehr als 15 Prozent des Zimmerpreises aus – Geld, das den Hotelbetreibern am Ende fehlt.

Die Abhängigkeit will sich der Accorhotels-Chef nun nicht mehr gefallen lassen. Vor wenigen Monaten kündigte er an, unglaubliche 250 Millionen Euro in die Digitalisierung des Hotelgeschäfts zu stecken. Damit will er im steten Kontakt mit seinen Gästen bleiben – auch wenn die längst wieder ausgecheckt haben.

Wiwo-Ranking: Die beliebtesten Hotelportale 2015

  • Zur Studie

    Für das Mittelständler-Ranking der WiWo wurden 5142 Entscheider, Einkäufer und Nutzer befragt. Dabei standen 192 Anbieter aus 20 Branchen zur Wahl. Abstimmen durfte nur, wer im vergangenen Jahr tatsächlich Kunde war.

    Der angegebene Wert eines Unternehmens ist ein Index-Wert auf einer Skala von 0 bis 100. Der Index-Wert ergibt sich aus zwei Mittelwerten: zum einen der Mittelwert für die Kundenzufriedenheit insgesamt und zum anderen der Mittelwert der Zufriedenheiten mehrere Leistungsmerkmale (Qualität von Produkten und Leistungen, Beratungsleistung, Betreuungsleistung, Preis-Leistungs-Verhältnis, Servicequalität, Informationen und Kompetente Mitarbeiter).

    Je höher der Index-Wert ist, desto zufriedener sind die Mittelständler mit dem Dienstleister insgesamt und desto mehr stimmen sie zu, dass der Dienstleister über eine hohe Produktqualität, eine gute Beratungsleistung etc. verfügt.

    Quelle: WirtschaftsWoche/Service-Value 2015

  • Platz 5

    ehotel.com

    Gesamtindex: 65,3

  • Platz 4

    Hotel.de

    Gesamtindex: 69,1

  • Platz 3

    HRS Corporate

    Gesamtindex: 71,9

  • Platz 2

    Hotelsnapper.com

    Gesamtindex: 72,1

  • Platz 1

    Booking.com für Geschäftsreisen

    Gesamtindex: 73,4

In den Mittelpunkt seiner Aktivitäten stellte er sein Kundenbindungsprogramm „Le Club“, das er mit umfassenden E-Mail- und SMS-Diensten aufrüsten ließ.
Seither erfahren Gäste, die sich bei ihm registriert haben, wo sie auf der Hinfahrt ein Taxi bekommen oder die nächste Metrostation. 24 Stunden vor Reiseantritt informiert Accorhotels über das Wetter und interessante Ausstellungen in der Stadt, erkundigt sich nach dem Wunschzimmer. Der Gast wird identifiziert, sobald er das Hotel betritt. Selbst über Streiks am Airport oder andere Reisehindernisse wird er von der Hotelgruppe auf dem Laufenden gehalten.

Aus dem Kalkül macht Bazin keinen Hehl: „Wer eine Mitgliedskarte von Le Club besitzt“, sagte er dem Handelsblatt, „wird zu nahezu 100-prozentiger Sicherheit direkt bei uns buchen und nicht über eines der Portale.“


Onefinestay hat 2600 Luxus-Unterkünfte im Angebot

Mit Onefinestay allerdings geht der Hotelchef nun einen Schritt weiter. Den Angriff auf die Portale führt Accor erstmals frontal aus, schließlich haben die Briten rund 2600 Luxus-Unterkünfte im Angebot, die sie im Auftrag ihrer Eigentümer vermitteln – eine Dienstleistung, die in dieser Form bislang nur von HRS oder AirBnB angeboten wurde.

Einen zaghaften Vorstoß gegen seine ungeliebten Vertriebspartner im Internet startete der französische Hotelkonzern bereits im Februar – doch lediglich mit einer Minderheitsbeteiligung. Damals erwarb Accorhotels 30 Prozent an dem Übernachtungsvermittler Oasis Collections aus Argentinien.

Experten wie Markus Luthe vom Hotelverband Deutschland (IHA) sehen in Vermittlern wie AirBnB eine Gefahr, die von vielen Hotelier noch unterschätzt wird. Wirklich privat sei die Vermittlung mitunter längst nicht mehr, kritisiert er. Ein Anbieter in Paris mit Namen „Fabien“ sei zuletzt mit 142 Wohnungen aufgefallen, die er über den Internetdienst an Kurzzeitgäste vermiete. Die Anbieterin „Patricia“ habe in Frankreichs Hauptstadt in nur einem Monat 30.000 Euro mit ihrem Apartment eingenommen.

Auch das Konkurrenzangebot gegenüber traditionellen Hotels ist inzwischen beachtlich. Allein in der Bundeshauptstadt hat der Übernachtungsvermittler aus San Francisco nach eigenen Angaben 14.000 Privatwohnungen unter Vertrag, von denen laut IHA 73 Prozent mehr als 90 Tage pro Jahr vermietet werden. Auf Platz zwei steht München mit 5.000 AirBnB-Unterkünften, gefolgt von Hamburg (3.200), Köln (2.100) und Frankfurt (1.400).

Noch bedrohlicher sieht die Lage für das traditionelle Herbergsgewerbe in New York aus. Dort stehen den 105.000 Hotelzimmern, die Bloomberg Intelligence errechnet hat, inzwischen nicht weniger als 36.000 Übernachtungsmöglichkeiten bei AirBnB gegenüber. Soweit, das ist sicher, will es Accorhotels-Chef Bazin in Europa erst gar nicht kommen lassen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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