Im Selbstversuch: So klappt das Bezahlen mit dem Handy

Im Selbstversuch: So klappt das Bezahlen mit dem Handy

, aktualisiert 05. April 2017, 09:04 Uhr
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Ein Selbstversuch zeigt: Das Bezahlen per Smartphone klappt nicht immer auf Anhieb.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Mobiles Bezahlen mit dem Smartphone gehört zu den großen Trends in der Finanzbranche. Unsere Autorin hat nach Payback Pay nun den zweiten Selbstversuch gestartet – und beim Test der Vodafone Wallet einiges gelernt.

FrankfurtAn der Kasse mit dem Smartphone bezahlen ist für mich eigentlich nichts Neues mehr. Nach zehn Monaten Erfahrung mit Payback Pay – der Bezahlfunktion des Bonusprogramms Payback – bin ich längst routiniert. Und nicht nur ich, auch die meisten Kassierer wissen inzwischen sofort, was ich meine, wenn ich den QR-Code von meinem Smartphone einscanne und „mit Payback Pay“ sage. Nur noch selten kommt die Nachfrage, ob ich mit Payback-Punkten zahlen wolle, das Missverständnis ist dann schnell geklärt.

Laut meinem Punktekonto habe ich inzwischen mehr als 90 Mal per Payback Pay gezahlt – also zwei bis drei Mal pro Woche. Ich finde das bequem, denn mein Smartphone habe ich meist ohnehin besser griffbereit als das Portemonnaie und das Bezahlen geht schneller als mit Bargeld oder Bankkarte. Womöglich gehöre ich damit schon zu den „heavy users“, den Intensivnutzern; Payback gibt aber keine Nutzer- oder Transaktionszahlen heraus.

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Jetzt ist es an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren, diesmal ohne QR-Code, dafür mit NFC. Das steht für „Near Field Communication“ und ist ein Standard für die Funkübertragung von Daten auf kurze Distanz – in diesem Fall vom Smartphone zum Kassenterminal. Diese Technologie nutzen auch die NFC-Giro- oder Kreditkarten, die aktuell verstärkt ausgegeben werden; ebenso die Konkurrenzsysteme Apple Pay oder Android Pay. Auch die Kunden der Deutschen Bank sollen ab sofort mit ihrer Smartphone-App per NFC zahlen können, sofern sie ein Android-Gerät und eine Mastercard haben.

Aber darum soll es in diesem Test nicht gehen. Neben den Banken ist auch ein Mobilfunkanbieter im Bereich des Zahlungsverkehrs aktiv. O2 und die Telekom haben ihre Wallets, also ihre digitalen Geldbörsen, eingestellt. Vodafone aber hat kürzlich den Neustart verkündet und kooperiert nun mit dem Kreditkartenanbieter Visa und dem Online-Bezahldienst Paypal – was Vodafone selbst als „kleine Revolution“ bezeichnet. Dieses Angebot teste ich nun.

Am Anfang steht die Frage: Erfüllt mein Smartphone überhaupt die nötigen Bedingungen? Die Wichtigste: Es läuft mit dem Google-Betriebssystem Android und es hat eine NFC-Schnittstelle. Hätte ich ein iPhone, wäre der Test an dieser Stelle schon vorbei, denn Apple gibt die NFC-Schnittstelle seiner Smartphones nicht für andere Anbieter frei. iPhone-Nutzer können derzeit nur per Apple Pay über die NFC-Verbindung bezahlen. Eine Liste der kompatiblen Android-Geräte hat Vodafone auf seiner Website publiziert. Alle gängigen Geräte sollen dabei sein.

Die zweite Bedingung: Ein Vodafone-Vertrag. Check, den habe ich. Die dritte Bedingung: eine NFC-SIM-Karte. Habe ich die? Ein Anruf bei der Kunden-Hotline und ich erfahre: „Ja, die haben Sie, die geben wir schon seit Jahren aus.“ Die letzte Bedingung ist eine aktuelle Android-Version – passt auch.

Die technischen Voraussetzungen sind erfüllt, nun schnell im Google-Playstore die App „Vodafone Wallet“ herunterladen, installieren und los geht's. Beim Start der neuen App werde ich von acht Seiten Allgemeinen Geschäftsbedingungen, konkret „Bedingungen für virtuelle Karten“, und fünf Seiten „Nutzungsbedingungen ,Vodafone Wallet'“ ausgebremst. Im vergangenen Jahr hatten in einer Schufa-Studie nur 38 Prozent der Befragten angegeben, dass sie häufig die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) lesen. Jetzt gehe ich mal mit gutem Beispiel voran.

Ich erfahre, dass ich einen Vertrag mit der britischen Raphaels Bank schließen muss, um eine virtuelle Karte in der Wallet hinterlegen zu können. Dass dafür eine Bank aus Großbritannien genutzt wird, überrascht nicht weiter, schließlich ist auch die Vodafone Group ein britisches Unternehmen. Diese Karte soll virtuell mit meiner Finanzquelle – also einer Visa-Karte oder einem Paypal-Konto – verbunden und auf der SIM-Karte gespeichert werden. In der Wallet erscheint die Karte als Visa-Debit-Karte, ganz gleich, ob der Kunde eine Visa-Kreditkarte oder ein Paypal-Konto hinterlegt hat. Zu beachten ist: Wenn eine Kreditkarte – wie etwa die Payback-Kreditkarte – mit Vorteilen wie Treuepunkten verknüpft ist, werden beim Einsatz über die Wallet nur Umsatzpunkte, aber keine Sonderpunkte gutgeschrieben.


Bequemlichkeit kontra Datenschutz

In den AGB sind auch die Schwellen für Transaktionen genannt: Bis 25 Euro sollen die Zahlungen kontaktlos über NFC funktionieren. Darüber muss eine PIN eingegeben werden, die der Kunde in der Wallet selbst festlegt. Pro Transaktion und Tag können maximal Einkäufe in Höhe von 2500 Euro bezahlt werden. Pro Jahr ist der Gesamtwert der Transaktionen auf 30.000 Euro gedeckelt. Wer sein Handy verliert, sollte genauso vorgehen wie bei Verlust oder Diebstahl einer Bank- oder Kreditkarte – und die virtuelle Karte über die Hotline 0-800-183-3881 sperren lassen.

Wer grob fahrlässig handelt oder nicht über den Verlust informiert, ist für Abflüsse selbst verantwortlich. Sobald die Wallet aktiv ist, sollte man also auf das Handy mindestens genauso gut aufpassen wie auf die Geldbörse. Wenn Unbefugte die Karte genutzt haben, liegt die maximale Haftung des Nutzers vor Kontaktieren des Kundenservices je virtuelle Karte bei 150 Euro. Gebühren für die Nutzung der virtuellen Karten entstehen bisher nicht und laut Vodafone soll das auch so bleiben.

So, die AGB sind geschafft, jetzt weiter zu den „Nutzungsbedingungen ,Vodafone-Wallet'“. Unter dem Punkt „Personenbezogene Daten“ zeigt sich mal wieder: Ohne Datenaustausch funktioniert in der App-Welt gar nichts. So erfährt etwa Vodafone, welche Kundenkarten ich in der Wallet hinterlege, weil dafür ein Speicherplatz auf der SIM-Karte bereitgestellt wird. Sei's drum, schließlich werde ich nicht gezwungen, meine Kundenkarten in die App zu integrieren. Und: Sobald man solche Karten nutzt, ist das Thema Datensparsamkeit leider ohnehin passé. Datenschutzexperten raten deshalb zwar nicht vom Gebrauch ab, doch der Kunde muss sich bewusst sein, dass er Vergünstigungen beim Einkauf mit der Herausgabe seiner Daten bezahlt.

Ich stimme den AGB und den Nutzungsbedingungen zu. Als nächstes werde ich gefragt, ob ich damit einverstanden bin, „dass Vodafone meine Daten über die in der Wallet vorgenommenen Transaktionen (z.B. Transaktionsdatum) und meine Bestandsdaten (Name, Anschrift, Rufnummer) verarbeitet und nutzt, um mir personalisierte Produktangebote von Vodafone und Drittanbietern (z.B. von den Herausgebern der in der Wallet hinterlegten Kundenkarten) zu unterbreiten“. Ich überlege kurz und lehne erstmal mal. Hier kann ich schließlich doch einmal der Datenweitergabe widersprechen. Es folgt das Einrichten der „Finanzierungsquelle“: Ich hinterlege mein Paypal-Konto und muss dabei die britische Bank Raphaels autorisieren, Zahlungen von diesem abzubuchen. Check. Es dauert nur wenige Sekunden und die Karte ist eingerichtet.

Der Praxistest beginnt

Jetzt aber genug der Theorie. Den ersten Praxistest unternehme ich an einem Abend im Supermarkt. 7,32 Euro, sagt der Kassierer, und ich halte mein Smartphone ans Kassenterminal. Nichts passiert. Schnell löse ich die Schutzhülle ab – vielleicht ist sie zu dick? Nächster Versuch, es piept und ich erhalte auf meinen Wunsch hin den Kassenzettel. Sofort vibriert auch mein Smartphone: Die Wallet meldet die Zahlung und gleichzeitig bekomme ich eine E-Mail von Paypal: „Beleg von Rewe Frankfurt über 7,32 Euro“. Was ich eingekauft habe, steht dort nicht, nur der Betrag, der Händler und die Stadt.

Das hat schon ganz gut funktioniert. Allerdings, im Eifer des Gefechts habe ich vergessen, meine Payback-Karte vorzuzeigen. Damit mir das nicht noch einmal passiert, teste ich vor dem nächsten Einkauf die Kundenkarten-Funktion in der Vodafone Wallet. So kann ich meine Payback-Karte in der App hinterlegen und musst nicht mehr zeitgleich Handy und Portemonnaie zücken. Ich beginne mit meiner Payback-Karte: Ich kann hier den Stichcode auf der Karte entweder fotografieren und das Foto abspeichern, oder manuell die Kartennummer eintippen.

Da mir das Foto zu unscharf erscheint, tippe ich auch die Nummer ein. Daraufhin erscheint ein Strichcode. Kooperationspartner hierfür ist das österreichische Unternehmen Bluesource, das diesen Service „ShowCard“ nennt. Die Eingabe ist etwas mühsam, bei einer anderen Kundenkarten-App, die ich kürzlich ausprobiert habe, wurde die Karte bei aktivierter Kamera in Echtzeit erkannt und zu einem Strichcode umgewandelt – ohne dass ich den Kameraauslöser betätigt oder die Nummer eingegeben hätte. Aber ok, nun ist die Karte ja gespeichert.


Ohne Kommando geht es nicht

Bei meinem zweiten Praxistest bin ich besser ausgerüstet. Wieder kaufe ich in einem Rewe-Markt ein – um ähnliche Testbedingungen zu haben. Nachdem die Kassiererin alle Artikel über das Band gezogen hat, sagt sie 11,08 Euro. Jetzt ist es Zeit für die Kundenkarte. Ich habe die App bereits geöffnet, beim Auswählen und Vergrößern der Karte hellt sich der Bildschirm meines Smartphones automatisch auf. Ich halte es vor den Scanner am Kassenterminal. Diese kleinen Geräte wurden schon vor einigen Wochen in den Rewe-Märkten installiert: Das dürfte die Vorbereitung auf den Start von Payback Pay sein. Bei der Frage, wann das System einsatzbereit ist, hält sich der Coupon-Anbieter erneut bedeckt, es solle noch „in diesem Jahr“ so weit sein.

Aber zurück zum Test: Das Scannen gelingt nicht auf Anhieb. „Etwas weiter weg“, weist mich die Kassiererin an, dann funktioniert es. Zum Bezahlen halte ich mein Handy nun nah an das Terminal und warte, warte. Dann realisiert die Dame an der Kasse, was ich möchte, und fährt mich etwas harsch an: „Sagen sie doch, dass Sie kontaktlos zahlen wollen!“ Ok. Dass man das dazusagen muss, wusste ich bis jetzt gar nicht, ich dachte, Dranhalten reicht. Aber nein, wie bei einer Kartenzahlen mit Einstecken ins Kassengerät muss dieses offenbar auch bei NFC-Zahlungen zunächst aktiviert werden. Das erklärt nun auch, warum es bei meinem ersten Versuch nicht sofort klappte. Ich habe nicht etwa eine zu dicke Schutzhülle für mein Handy, sondern das Terminal war schlicht noch nicht funktionsbereit.

Mein Fazit nach dem zweiten NFC-Einkauf fällt nun überwiegend positiv aus. Zumindest habe ich wieder etwas Wichtiges über den richtigen Umgang mit der Technik gelernt: Man kann nicht bloß sein Handy an das Kassengerät halten, sondern sollte dem Kassierer auch sagen, wie man zahlen möchte. Dabei bieten sich Schlagworte wie „Kontaktlos“, „per NFC“ oder auch „mit Karte“ an, damit das Kassenterminal aktiviert wird. Vermutlich ist die Verzögerung aber nur der mangelnden Routine im Umgang mit der Technik geschuldet. Je mehr Kunden ihre Smartphones zum Bezahlen zücken, desto schneller wird auch darauf reagiert werden. Auf dem Kassenzettel sehe ich diesmal zudem, dass auch das Punktesammeln erfolgreich war.

Nach dem zweiten Testkauf habe ich mehrmals auch in anderen Läden per NFC mit meinem Smartphone gezahlt. Das hat fast jedes Mal gut geklappt. Laut Vodafone soll das Bezahlen sogar dann funktionieren, wenn das Smartphone abgeschaltet ist, denn die nötigen Informationen befinden sich auf der SIM-Karte, und die App muss zum Übermitteln der Daten nicht gestartet werden. Alles in allem ist das Bezahlen per Smartphone für mich eine sinnvolle Alternative zum Bezahlen mit Bargeld oder Karte. Bargeld ist mir persönlich schon deshalb lästig, weil ich zum nächsten Geldautomaten stets einen größeren Umweg gehen muss. Und im Vergleich zur Zahlung per Bankkarte ist das Zahlen per Smartphone noch einmal schneller, denn ich habe es meist besser griffbereit als das Portemonnaie.

Schön wäre noch, wenn auch die Kundenkartendaten per NFC übertragen würden. Müsste man die App auch zum Nutzen der Kundenkarten gar nicht erst öffnen, würde das den Ablauf noch weiter beschleunigen.

In punkto Datenfreigabe bin ich weiterhin zwiegespalten. Als ich im vergangenen Jahr Payback Pay getestet habe, hatte ich noch große Bedenken wegen der umfassenden Herausgabe meiner Daten. Inzwischen hat das deutlich nachgelassen. Dort haben mich Aktionen wie fünffache Bonuspunkte sowie der bequeme und schnelle Ablauf überzeugt. Allerdings habe ich in den Einstellungen meines Smartphones die Zugriffsberechtigungen der App so weit wie möglich eingeschränkt. So hat die App beispielsweise keinen Zugriff auf meinen Standort. Erst wenn ich bezahle, wird sichtbar, wo ich das getan habe. Letztlich bleibt es hier also eine Grundsatzfrage, ob man ein Bonusprogramm nutzen und von den Sparvorteilen profitieren möchte, oder nicht.

Bei der Vodafone Wallet geht es mir nun ähnlich. Wo es möglich war, habe ich die Datennutzungsrechte für die beteiligten Unternehmen beschränkt. Klar ist aber: Mobiles Bezahlen mit dem Smartphone und anonymes Bezahlen schließen sich aus. Wer nicht möchte, dass Unternehmen persönliche Daten sammeln, der muss beim Bargeld bleiben.

Apropos Bargeld, eines muss ich trotz Begeisterung für die Technik gestehen: Zu hundert Prozent verlasse ich mich noch nicht darauf. Vor dem Einkauf stecke ich neben dem Smartphone immer noch etwas Bargeld oder eine Bankkarte ein – für alle Fälle.

Quelle:  Handelsblatt Online
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