Immobilien in China: Erst die Wohnung, dann die Frau

Immobilien in China: Erst die Wohnung, dann die Frau

, aktualisiert 30. Dezember 2016, 14:58 Uhr
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Der Kampf um Wohneigentum in China nimmt immer drastischere Formen an. Auch weil die sozialen Konsequenzen groß sein können.

von Stephan ScheuerQuelle:Handelsblatt Online

Ohne Wohnung finden junge Chinesen kaum eine Partnerin. Doch die Wohnungspreise steigen rasant. Wer eine Immobilie ergattert, muss sie über Jahrzehnte abbezahlen – und wird damit zum „Fangnu“. Eine Weltgeschichte.

PekingDie Abendsonne wird von der Glasfassade der Einkaufshäuser reflektiert. Die Gassen zwischen den Geschäften und Restaurants im Pekinger Einkaufsviertel Sanlitun gleichen einem Laufsteg. Hier stellen junge Chinesinnen und Chinesen ihre Outfits zur Schau. „Das ist der perfekte Ort, um Frauen kennenzulernen“, sagt ein junger Informatiker. Doch er hat ein entscheidendes Problem. Er hat keine eigene Immobilie. „Ohne Wohnung bin ich ein niemand“, erzählt er.

Statussymbole sind bei der Partnerwahl in China wichtig. An vorderster Stelle steht die eigene Wohnung. Denn nichts ist für das Vermögen in der Volksrepublik so wichtig wie die eigenen vier Wände. Als die chinesische Führung Ende der 1990er Jahre den bis dahin staatlichen Wohnungsmarkt teilweise privatisierte, wurden Hunderte Millionen Chinesen über Nacht zu Hausbesitzern – für rein symbolische Preise. Heute machen Immobilien mehr als 70 Prozent des Privatvermögens in der Volksrepublik aus, wie ein Team um den Soziologieprofessor Yu Xie von der University of Michigan ermittelt hat.

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In Chinas Großstädten entsteht eine neue Sklavenklasse. Das ist zumindest die weit geteilte Meinung in den Metropolen der Volksrepublik. „Fangnu“, übersetzt „Immobiliensklave“, ist ein geflügeltes Wort. Wer eine der begehrten Immobilien ergattert, muss sie auf Jahre abbezahlen. Für eine Wohnung mit rund 80 Quadratmetern Größe werden am Pekinger Stadtrand schnell umgerechnet eine halbe Million Euro fällig.

Doch wer sich einmal am Markt engagiert hat, will schnell mehr. Banken werben mit günstigen Krediten für Hausbesitzer. Eine Wohnung in Peking? Warum nicht gleich eine zweite oder dritte Immobilie kaufen? Die Preise steigen doch – verheißen zumindest die Kreditportale im Internet.

Personalabteilungen haben in den Immobiliensklaven jedoch eine neue Zielgruppe erkannt. Denn Jobwechsel gehören in China zu Tagesordnung. Nur wenige Angestellte bleiben ihren Arbeitgebern lange erhalten. Wer mehr als eine Immobilie hat, könnte plötzlich eine Immobilie verkaufen und mit dem Geld auf Weltreise gehen. Doch wer nur eine Immobilie besitzt, ist der perfekte Angestellte. Denn diese Mitarbeiter sind schließlich auf regelmäßige Lohnzahlungen angewiesen, um ihren Kredit bedienen zu können, scherzte der Pekinger Blogger Ma Tianjie.

Doch die chinesische Zentralregierung will die massenhafte Spekulation auf Immobilien beenden. „Häuser sind zum Wohnen da und nicht zum Spekulieren“, hieß es in der Abschlusserklärung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei nach ihrer jährlichen Wirtschaftstagung. Schon vor Monaten haben einige der chinesischen Metropolen begonnen, den Kauf von Zweit- oder Drittwohnung zu erschweren.

Die Maßnahmen zeigen Wirkung: Im November kühlte sich die Immobilienmarkt in Chinas 70 größten Städten spürbar ab. Die Preise stiegen noch um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Oktober hatte das Plus noch bei 1,2 Prozent und im September bei 2,6 Prozent gelegen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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