Immobilien-Index: Zeit zu kaufen

Immobilien-Index: Zeit zu kaufen

, aktualisiert 11. April 2016, 16:48 Uhr
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Viele Privatanleger fragen sich zur Zeit, ob sie lieber eine Wohnung kaufen oder doch nur zur Miete leben sollen.

von Reiner ReichelQuelle:Handelsblatt Online

Wer die richtige Wohnung vor Augen hat, sollte jetzt kaufen, lautet der Expertenrat. Denn die Preise steigen unvermindert weiter, während die Zinsen niedrig bleiben. Das birgt allerdings die Gefahr der Überschuldung.

DüsseldorfDie Stimmung auf dem deutschen Wohnungsmarkt ist nahezu unverändert sehr gut. Das zeigt einmal mehr der Deutsche Hypo-Index Wohnen. Aktuell beträgt der Indexwert 158,5 Punkte, zwar etwas weniger als in den Vormonaten, was aus Sicht von Andreas Schulten, Vorstand des Marktforschungsinstituts Bulwiengesa, zeigt, „dass die befragten Experten nervös sind – aber immer noch sehr zuversichtlich“.

Der Klima-Index, der auf der Befragung von mehr als 1000 Branchenteilnehmern basiert, dient Profi-Investoren zur Orientierung, was Privatanleger nicht hindern muss, Schlüsse daraus zu ziehen. Experte Schulte rät potenziellen privaten Haus- und Wohnungskäufern: „Wer das richtige Angebot findet, kann auch als Privatanleger im aktuellen hochpreisigen Umfeld immer noch investieren. Nur sollte man sich im langfristigen Finanzierungsplan etwas Luft lassen und nicht zu knapp kalkulieren.“

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Die Preise steigen unentwegt. Laut IMX Immobilienindex des Vermittlungsportals Immobilienscout24 stiegen die Hauspreise zwischen März 2016 und dem gleichen Vorjahresmonat um 8,2 Prozent. Noch radikaler gingen die Preise für Wohnungen nach oben, wenn es sich um Neubauten handelte um 11,9 Prozent, bei Bestandswohnungen um 17,2 Prozent. „Treiber der Entwicklung sind die großen Metropolen“, beobachtet Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei Immobilienscout24.

Die Bundesbank fürchtet, dass die Deutschen sich mit billigem Geld in Immobilienabenteuer stürzen und fürchtet eine Blase. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret sagte in einem Interview mit „Spiegel Online“, er habe angesichts des 2015 um 3,5 Prozent auf das Rekordvolumen von 1,23 Billionen gestiegenen Kreditvolumens der Banken „heute mehr Bedenken als in den vergangenen Jahren“.

Dombret erntet prompt Widerspruch: „Der Verweis auf einen Anstieg um 3,5 Prozent erscheint geradezu absurd. Angesichts der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist das noch lange kein Anzeichen einer lockeren Kreditvergabepraxis. Eine Zunahme um 35 Prozent wäre da vielleicht ein Krisenzeichen“, meint Jürgen Michael Schick, Präsident des Maklerverbandes IVD.

Auf niedrige Zinsen können Haus- und Wohnungskäufer zumindest vorläufig weiter setzen: „Die aktuelle Gemengelage hält die Renditen für Bundesanleihen niedrig, an denen sich die Baugeldentwicklung orientiert. Die Konditionen für zehnjährige Immobilienfinanzierungen bewegen sich seit dem historischen Zinsschritt der EZB nahezu unverändert bei unter 1,5 Prozent“, beobachtet Michiel Goris, Vorstandschef des Baugeldvermittlers Interhyp.


Experten raten zu längeren Baudarlehen

Zehn-Jahres-Konditionen sind zwar die Messlatte für private Hausfinanzierungen. Doch Experten raten angesichts des niedrigen Zinsniveaus seit Monaten, Baudarlehen mit 15 oder sogar 20 Jahren Zinsbindung aufzunehmen und vor allem mehr als die früher üblichen ein bis zwei Prozent zu tilgen.

Zwar gilt: Je länger die Zinsbindung, desto höher sind die Zinsen. Es gilt aber ebenso: Je länger die Zinsbindung, desto weniger muss sich der Hauskäufer über steigende Zinsen Sorgen machen.

Denn ewig bleiben die Zinsen wohl nicht niedrig. Von Interhyp zur Zinsentwicklung befragte Experten sind zu vier Fünfteln der Auffassung, dass die Zinsen in den nächsten vier Wochen auf dem niedrigen aktuellen Niveau verharren. Das übrige Fünftel geht von nochmals fallenden Zinsen aus. Doch für den Zeitraum in sechs bis zwölf Monaten geht die Hälfte der Befragten von steigenden, 40 Prozent von gleichbleibenden und zehn Prozent von fallende Zinsen aus.

Ein Blick auf ein Stimmungsbarometer wie den Deutsche Hypo-Index lohnt für Privatanleger nicht nur zur Kaufentscheidung. So sind Bulwiengesa und der Namensgeber Deutsche Hypo stolz darauf, mit Index-Ausschlägen vorzeitig auf den Immobilienmarkt beeinflussende Ereignisse aufmerksam gemacht zu haben.

So habe der Index bereits Monate vor der Lehman-Pleite Mitte Oktober 2008 deutlich nachgegeben. Zwar kann eine Stimmungsumfrage kein konkretes Ereignis voraussagen. Aber vorsichtige Mitglieder der Immobilienbranche wurden damals angesichts zügelloser Portfolio-Käufe in Deutschland mit Fremdkapitalanteilen von häufig mehr als 90 Prozent und der Verbriefung solcher Kredite in Anleihen nach US-Vorbild skeptisch.

Sie bekamen recht. Die Pleite der US-Investmentbank löste eine weltweite Finanzkrise aus. Die Banken mussten Abschreibungen auf Immobilienkredite vornehmen und Privatanleger verloren im Anschluss viele Millionen mit Anteilen an offenen Immobilienfonds, die abgewickelt werden mussten und deshalb ihre Gebäude unter den ursprünglichen Werten verkauften.

Quelle:  Handelsblatt Online
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