Indonesien: Wie der Krieg gegen Drogen Tuberkulose fördert

Indonesien: Wie der Krieg gegen Drogen Tuberkulose fördert

, aktualisiert 24. März 2016, 11:59 Uhr
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In überfüllten Gefängnissen, wo Dutzende Männer sich oft eine enge Zelle teilen und es nur wenige Ärzte gibt, ist die Ansteckungsgefahr besonders groß.

Quelle:Handelsblatt Online

Wenig Ärzte, kaum Arzneien: Wenn ein Tuberkulose-Kranker in einer überfüllten Gefängniszelle hockt, kann sich der Erreger sehr schnell ausbreiten. Ein Riesenproblem im bevölkerungsreichen Indonesien.

JakartaEin Ventilator an der Decke bewegt die stickige Luft in den vergitterten Raum, ein Aufklärungsposter über Tuberkulose hängt an der Wand: Das ist die Klinik im Cipinang-Gefängnis in Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Ein Wärter lehnt schwitzend an der Wand. Fünf Männer sitzen mit fahlem Gesicht und ohne Regung barfuß auf Plastikstühlen. Jeder trägt Mundschutz. Geredet wird kaum.

„Ständig bin ich nachts aufgewacht, dieses Husten nahm dann kein Ende“, sagt Yohannes Ruli Karamoy (57) mit dünner Stimme. „Es war wie ein Zentnergewicht auf meiner Brust, und ich bin immer schwächer geworden.“ Als er endlich den Arzt sah, kam schnell die Diagnose: Tuberkulose (TB).

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Seit Oktober bekommt er Medikamente, und es geht aufwärts, ganz langsam. Zwei Runden um die kleine Rasenfläche im Gefängnishof schafft der Mann, der wegen Drogendelikten im Gefängnis ist, schon wieder. Karamoy wiegt 43 Kilogramm.

Indonesien am Äquator in Südostasien ist nach China, Indien und den USA mit 250 Millionen Einwohnern das viertbevölkerungsreichste Land der Welt. Nirgends außer in Indien gibt es so viele Tuberkulosefälle. Zehn Prozent aller TB-Kranken weltweit sind in Indonesien, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), und rund 100.000 Menschen sterben im Jahr an der gefährlichen Infektionskrankheit.

Weltweit sind 2014 nach WHO-Angaben 9,6 Millionen Menschen an TB erkrankt, 1,5 Millionen Menschen gestorben. Zwar seien seit 2000 durch bessere Diagnose und Behandlung 43 Millionen Menschenleben gerettet worden, schreibt die Organisation. „TB bleibt aber neben HIV die häufigste Todesursache weltweit.“

Die Infektion ist ansteckend, die Bakterien verbreiten sich durch Husten und Niesen. In überfüllten Gefängnissen, wo Dutzende Männer sich oft eine enge Zelle teilen und es nur wenige Ärzte gibt, ist die Ansteckungsgefahr besonders groß.


Wie schlimm die Lage genau ist, weiß niemand

Die internationale Organisation Global Fund zur Finanzierung des Kampfes gegen Aids, Tuberkulose und Malaria, schätzt, dass nur ein Drittel der TB-Fälle in Indonesien überhaupt entdeckt werden. Gerade in den überfüllten Gefängnissen grassiert TB, glauben Ärzte. Wie schlimm die Lage genau ist, weiß niemand, weil viele der 477 Gefängnisse gar keine ordentliche medizinische Versorgung haben.

Ein großes Gefängnis sollte mindestens zwei Ärzte haben, zwei Pfleger und ein Labor, sagt Ummu Salamah, Gesundheitschefin der nationalen Gefängnisverwaltung. Aber in abgelegenen Regionen des Inselstaates hätten manche Gefängnisse überhaupt keine Ärzte. „Dort schickt die Lokalverwaltung dann ab und zu jemanden vorbei“, sagt sie.

„Es werden nur wenig Fälle entdeckt“, räumt Yulius Sumarli, der Arzt im Cipinang-Gefängnis ein. „Es fehlen vielerorts die Mittel.“ In der Hauptstadt Jakarta und der umliegenden Provinz West-Java wurden im vergangenen Jahr mehr als 400 Fälle diagnostiziert. Die tatsächliche Zahl dürfte um ein Vielfaches höher sein.

Cipinang ist mit einer Krankenstation gut versorgt, aber auch dieses Gefängnis ist überfüllt. Es wurde für 1100 Gefangene gebaut, hat aber dreimal so viele Insassen. „Stellen Sie sich eine Zelle mit zwölf Quadratmetern mit 20 Mann vor. Was meinen Sie, wie viele ein einziger ansteckt, der TB hat?“, sagt Yakub Gunawan vom Red-Institut, das die Behörden beim Kampf gegen TB und HIV unterstützt.

Eine Lösung wäre nach Meinung der Gesundheitschefin, weniger Leute zu Gefängnisstrafen zu verurteilen. In vielen Gefängnissen säßen 80 Prozent der Insassen wegen Drogendelikten. „Wir glauben nicht, dass Abhängige ins Gefängnis gehören, aber der Präsident besteht auf einer ganz harten Anti-Drogen-Politik, und sein Krieg gegen Drogen kollidiert mit Rehabilitationsprogrammen“, sagt sie.

Karamoy ist dankbar für die Behandlung. „Ich nutze die Zeit hier für meine Gesundheit, hier ist die Behandlung umsonst“, sagt er. „Ich will vollkommen geheilt sein, wenn ich in zwei Monaten rauskomme.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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