Inflation im Euro-Raum: Mario Draghis Probleme mit dem starken Euro

Inflation im Euro-Raum: Mario Draghis Probleme mit dem starken Euro

, aktualisiert 31. März 2016, 12:26 Uhr
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Für EZB-Chef Mario Draghi ist der starke Euro ein Ärgernis.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Die Preise in der Euro-Zone sind im März gefallen. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank ist in weiter Ferne. Jetzt verschärft auch noch der starke Euro-Kurs die Probleme von Notenbankchef Mario Draghi.

FrankfurtMario Draghi hatte sich bereits auf schlechte Nachrichten eingestellt. „Wir rechnen für die nächsten Monate mit niedrigen oder gar negativen Inflationsraten“, hatte er bereits im Januar angekündigt.

Tatsächlich sind die Preise im Euroraum laut den heute vom europäischen Statistikamt Euostat vorgelegten Zahlen auch im März um 0,1 Prozent gefallen. Negative Teuerungsraten nähren die Sorge vor einer so genannten Deflation, das ist eine verhängnisvolle Spirale aus dauerhaft verfallenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft.

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Bereits im Februar hatte es ein Minus von 0,2 Prozent gegeben. Vor allem der Verfall der Ölpreise bewirkt, dass die Lebenshaltungskosten zurückgehen. Binnen Jahresfrist sanken die Energiepreise im März um 8,7 Prozent.

Damit ist das mittelfristige Inflationsziel der EZB einer Preissteigerung von knapp zwei Prozent in  weiter Ferne. Kopfschmerzen dürfte Draghi jetzt auch die jüngste Aufwertung des Euro-Wechselkurses bereiten. Denn ein stärkerer Euro hat zwei derzeit unerwünschte Effekte: Er macht Importe aus dem Ausland in die Euro-Zone billiger – und drückt so die ohnehin schwache Inflation noch weiter. Zum anderen macht er Exporte aus dem Euroraum im Ausland teurer.

Am Donnerstagmittag kostet ein Euro 1,137 Dollar, ein Plus von 0,26 Prozent gegenüber dem Vortag. So stark war die Gemeinschaftswährung zuletzt im Oktober vergangenen Jahres. Zu Jahresbeginn hatte der Euro noch bei 1,08 Dollar notiert.

Die Wirkung des erstarkten Euro verteilt sich über die Zeit, weil sich bestimmte Preise nicht sofort anpassen. Wenn Firmen zum Beispiel längerfristige Lieferverträge geschlossen haben, ändert sich erst etwas, wenn die Kontrakte neu geschlossen werden. Zum Teil macht sich heute noch die Aufwertung des Euro bis Mitte 2014 bemerkbar, ebenso wie die scharfe Abwertung Anfang 2015 bis auf 1,06 Dollar.

Dennoch hat der Wechselkurs einen besonders schnellen Einfluss auf die Preisentwicklung. Bei andere Faktoren, wie dem Wirtschaftswachstum, der Kredit- oder Arbeitsmarktentwicklung braucht  es wesentlich länger, bis sich diese auf die Inflation auswirken. Zum Beispiel dauert es relativ lange bis bei zurückgehender Arbeitslosigkeit auch die Löhne stärker steigen.

„Die Preise der Industriegüter (ohne Energie) legten [im März] langsamer zu als im Vormonat. Damit scheint der wohl hauptsächlich vom lange Zeit schwachen Euro getriebene Aufwärtstrend bei der Teuerungsrate von Industriegütern allmählich zu Ende zu gehen“, schreibt die Commerzbank.

Anfang März hat die EZB mit einem umfassenden Maßnahmenpaket ihre Geldpolitik weiter gelockert. Dazu gehören ein höherer Strafzins für Banken, eine Senkung des Leitzins auf null Prozent, Billigkredite für Banken und  eine Ausweitung der umstrittenen Anleihekäufe auf 1,74 Billionen Euro. All das soll helfen, die Inflation wieder in Richtung zwei Prozent zu bringen. Doch der starke Euro könnte Mario Draghi einen Strich durch die Rechnung machen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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