Infrastruktur in Singapur: Mehr Luft- als Seefahrt

Infrastruktur in Singapur: Mehr Luft- als Seefahrt

, aktualisiert 16. November 2011, 16:47 Uhr
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Der Flughafen von Singapur ist eines der Drehkreuze der Region.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach außen sind vor allem die Flug- und Seehäfen Singapurs bekannt. Der Stadtstaat hat auch die Transportwege innerhalb des Landes vorausschauend geplant - und verteidigt sie mit allen Mitteln gegen zu viel Verkehr.

MumbaiDer Port of Singapore mag zwar kleiner sein als der Hafen in Rotterdam, aber trotzdem werden nirgendwo auf der Welt mehr Güter in Seehäfen umgeschlagen als in dem südostasiatischen Stadtstaat. Denn neben dem größten Hafen Singapurs gibt es dort auf einer Länge von rund 30 Kilometern noch drei weitere Fracht- und einen Passagierhafen. Keine Infrastruktur der Welt reicht an die rund 300 Kräne, 1000 Liegeplätze und mehrere tausend Ankerplätze heran, die dieser Zusammenschluss zu bieten hat.

Der Flughafen von Singapur schaffte es 2010 im weltweiten Ranking zwar nur auf Platz 18, ist aber eines der wichtigsten Drehkreuze für Fracht- und Passagierverkehr zwischen Europa, Südostasien und Australien. An inzwischen drei Terminals fertigte der Flughafen im Jahr 2010 mehr als 42 Mio. Passagiere ab. Schon beim Bau während der 1970er Jahre machte Singapur wenig Kompromisse und legte rund 200 Hektar Sumpfland trocken. Seit 1981 ist das erste Terminal in Betrieb. Das aktuell größte Projekt sind elf Brücken für den neuen Super-Passagierjet Airbus A380, von dem Singapore Airlines bisher 19 Stück geordert hat.

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Singapur als Teststrecke

Trotzdem ist Singapur mehr als Luft- und Seefahrt. Anfang Oktober verwandelte Bosch Singapur in eine der größten Teststrecken für Elektromobilität weltweit. An vierzig Stationen im ganzen Stadtstaat verteilt sollen Nutzer von E-Autos bis zum Ende des Jahres testen, wie das vernetzte Ladesystem des Unternehmens in der Praxis funktioniert. Dank der relativ kleinen Fläche und der kurzen Wege sei Singapur das ideale Pflaster, um Elektromobilität im Alltag sinnvoll einzusetzen, heißt es von Bosch. Doch das Land ist nicht nur bei der Elektromobilität ein Pionier. Auch klassische Transporte laufen erstaunlich reibungslos ab - und das trotz gigantischer Zahlen.

Mehr als elf Millionen Mal bewegt sich in Singapur ein Mensch von A nach B - jeden Tag. Mehr als eine Million Fahrzeuge bewegen sich auf den rund 3.400 Kilometer langen Straßen des Stadtstaats, der kaum größer ist als New York. Und trotzdem ist von Verkehrskollaps nichts zu sehen. Staus gibt es nur wenige und die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den großen Verkehrsstraßen beträgt selbst in der Rush Hour noch fast 30 Kilometer in der Stunde.


Straffe Verkehrspolitik

Zu verdanken hat Singapur das einer straffen und vorausschauenden Politik bei der Verkehrsinfrastruktur, die die Regierung schnell nach der Unabhängigkeit des Stadtstaats zu einer ihrer Prioritäten erklärte. Singapur verfügt heute über sieben Autobahnen, darunter ein rund zwölf Kilometer langer Abschnitt, der komplett unterirdisch verläuft. Zurzeit bauen die Stadtplaner an einem Stück, dass nicht nur unter der Erde, sondern sogar unter Wasser verlaufen soll.

Doppelt so viele Eisenbahnkilometer

Der öffentliche Nahverkehr stützt sich vor allem auf vier Eisenbahnlinien, die zusammen rund 150 Kilometer Schienennetz bedienen. Bis 2020 will die Regierung rund 40 Mrd. Singapur-Dollar investieren, um dieses Schnienennetz auf 280 Kilometer zu erweitern.

Doch Singapur macht den Verkehrsfluss nicht nur durch Investitionen in neue Infrastruktur beherrschbar - die Regierung steuert auch ihre Benutzung mit harter Hand. Auf der einen Seite ist es bereits schwierig und teuer, überhaupt ein Auto im Stadtstaat anzumelden. Auf der anderen Seite wird es noch teurer, es zur falschen Zeit in belebte Teile der Stadt zu fahren.

Bereits seit Jahrzehnten muss in Singapur eine Maut zahlen, wer zu Zeiten belebter Straßen mit dem Auto in die Innenstadt wollte. Seit 1998 macht der High-Tech-Staat auch hier seinem Namen alle Ehre und nutzt ein elektronisches Mautsystem, dass mittels eines Lesegeräts jedes Auto identifiziert, das eine der 69 Mautstellen passiert. Hier wird dann entsprechend der Tageszeit und der gefahrenen Strecke das Geld vom Konto des Autobesitzers abgebucht. Das kann sich läppern: Vielfahrer müssen zehn Singapur-Dollar und mehr für einen Tag Fahrt durch die Innenstadt bezahlen.

Auch der Kauf eines Autos läuft nicht einfach so ab. Wer im Stadtstaat einen PKW kaufen möchte, kann dies nicht ohne ein so genanntes Berechtigungszertifikat tun. Diese Zertifikate werden nur zwei Mal im Monat versteigert und können 20.000 Dollar und mehr kosten. Auch auf Benzin erhebt der Staat saftige Zusatzsteuern - ein Grund mehr, in Asiens Wachstumsstaat nicht nur in moderne Infrastruktur, sondern auch in moderne Antriebssysteme zu investieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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