ING-Diba verlagert Aufgaben nach Nürnberg: Umstrukturierung beunruhigt Mitarbeiter

ING-Diba verlagert Aufgaben nach Nürnberg: Umstrukturierung beunruhigt Mitarbeiter

, aktualisiert 15. September 2017, 18:25 Uhr
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Nachdem öffentlich geworden war, dass viele Verwaltungsaufgaben nicht mehr in Hannover erledigt werden sollen, waren viele Mitarbeiter verunsichert.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die ING-Diba will ihre Arbeitsprozesse stärker digitalisieren. Deshalb verlagert das Institut Verwaltungsaufgaben von Hannover nach Nürnberg. Das sorgt bei den Beschäftigten für Unruhe – zu Unrecht, wie die Bank betont.

FrankfurtDie ING-Diba zählt zu den erfolgsverwöhnten deutschen Kreditinstituten. In den vergangenen Jahren verzeichnete die Direktbank ein ungestümes Wachstum. Umso größer war der Schreck bei vielen Mitarbeitern des Instituts in Hannover, als kürzlich durchsickerte, dass viele Verwaltungsaufgaben künftig nicht mehr in Hannover sondern in Nürnberg erledigt werden sollen. Rund 100 der aktuell 680 Stellen sind davon betroffen, wie ein Sprecher der Bank sagt.

Das sorgte am Standort Hannover in dieser Woche bereits für Proteste: Viele Mitarbeiter hatten nach dem Auftritt von ING-Diba-Vorstand Željko Kaurin den Eindruck gewonnen, dass die meisten von ihnen entweder umziehen müssen oder andernfalls ihre Stelle verlieren. Aus Sicht der Bank ist das ein grobes Missverständnis. „Jedem Mitarbeiter, der nicht umziehen will, wird eine Stelle in Hannover angeboten“, betonte ein Sprecher der Direktbank. Diese Alternativen umfassen Stellen im Callcenter oder in der Immobilienfinanzierung. Die Gewerkschaften sind dennoch in Habachtstellung.

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Verdi-Gewerkschaftssekretär Jörg Reinbrecht ist ebenfalls skeptisch. „Bislang liegt uns noch nichts davon vor“, sagte Reinbrecht im Hinblick auf die alternativen Jobs für die Betroffenen. Die Belegschaft habe bei der Teilbetriebsversammlung den Eindruck gewonnen, dass der Großteil von ihnen nach Frankfurt oder Nürnberg umziehen müsse. „Der Schock wäre nicht so groß gewesen, wenn man ihnen klar zugesichert hätte, dass sie auf jeden Fall auch in Hannover bleiben können“, so der Gewerkschafter. Die unglückliche Kommunikation des Vorstands kann allerdings auch damit zusammenhängen, dass die Verlagerung der Back-Office-Aufgaben zu einem relativ frühen Zeitpunkt durchgesickert waren, als noch nicht alles klar war.

Hintergrund für die Verlagerung der Back-Office-Aufgaben ist die fortschreitende Digitalisierung der Bank. In Hannover werden viele dieser Back-Office-Aufgaben, darunter fallen Tätigkeiten wie etwa Kreditbearbeitungen, noch manuell erledigt. Diese Aufgaben werden in den nächsten Jahren immer stärker automatisiert. Der Standort Nürnberg ist in den Augen der Bank dafür aber besser geeignet, weil er als starker IT-Standort gilt.

Bei den Gewerkschaften stoßen die Pläne der Bank auf heftige Kritik. „Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Bank, die so viel verdient wie keine andere in Deutschland, jetzt Kahlschlag betreibt“, protestiert Reinbrecht. Und die kleinere Gewerkschaft Deutscher Bankangestellten-Verband (DBV) teilte mit: „Der Wegfall dieser Tätigkeiten in Hannover ist ein Novum in der bisher stets im Aufbau befindlichen Bank und keineswegs erfreulich.“

Die Diba-Beschäftigten arbeiteten seit langem „mit weitem Abstand am kostengünstigsten in der deutschen Bankenlandschaft, und das mit der gleichen hohen Qualität aller Fachkräfte und Spezialisten wie in anderen, teureren Häusern“.

Für Klärung könnte eine Betriebsversammlung sorgen, die für den 22. September in Hannover angesetzt ist. Die Bank schickt ihren Vize-Chef Bernd Geilen auf die Veranstaltung. Er soll für Klarheit sorgen und die Wogen glätten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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