Initiative auf dem IT-Gipfel: Dolmetscher für den Datenschutz

Initiative auf dem IT-Gipfel: Dolmetscher für den Datenschutz

, aktualisiert 16. November 2016, 08:00 Uhr
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Alles gelesen? Die meisten Nutzer ignorieren die Datenschutzregeln - obwohl sie Sorgen um ihre Informationen haben.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Verstehen Sie, was Facebook oder die Fitness-App von Ihnen wollen? Datenschutzregeln sind meist lang und kompliziert. Auf dem IT-Gipfel wird ein Werkzeug vorgestellt, das sie in verständliches Deutsch übersetzen soll.

SaarbrückenWer wissen will, wie Paypal mit den persönlichen Daten seiner Nutzer umgeht, der braucht viel Geduld. Denn die „Datenschutzgrundsätze“ des Bezahldienstes füllen sechs eng bedruckte DIN-A4-Seiten. Auch zahlreiche andere Internetunternehmen, von Amazon bis Zalando, von Facebook bis Google, haben sich detailreiche Regelwerke gegeben, die Leser ohne Jurastudium nur mit Mühe verstehen – und es daher meist gar nicht versuchen.

Dem Verständnis der Nutzer soll eine Initiative auf die Sprünge helfen, die am heutigen Mittwoch auf dem IT-Gipfel in Saarbrücken vorgestellt wird: Der Online-Händler Zalando hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesjustizministerium ein Werkzeug entwickelt, mit dem die Betreiber von Websites und Blogs ihre Datenschutzregeln auf einer Seite darstellen können. Es gehe um eine Balance „zwischen den Informationsbedürfnissen der Verbraucher und der Anwendbarkeit für die Anbieter“, sagte Philipp Erler, Technikchef von Zalando, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

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Der Datenschutzdolmetscher soll helfen, ein altbekanntes Problem zu lösen: Viele Deutsche sind auf den Schutz ihrer persönlichen Informationen im Internet äußerst bedacht. Trotzdem wissen sie aber erschreckend wenig darüber, was die Firmen über sie speichern, wie eine länderübergreifende Umfrage der Zeitschrift „Harvard Business Review“ im Mai 2015 ergab.

„Wir wissen aus dem Kontakt mit unseren Kunden, wie sensibel sie bei der Verwendung ihrer Daten sind“, bestätigt Zalando-Technikchef Erler. Daher beschäftigt sich der 2008 gegründete Modehändler schon lange mit dem Thema. Diese Erfahrungen wolle Zalando weitergeben. Das Unternehmen sammelt zahlreiche Informationen – ob für individuelle Werbung, die Bonitätsprüfung von Käufern oder die Verbesserung der Website.

Das Bundesjustizministerium (BMJ) hatte bereits auf dem IT-Gipfel 2015 ein Muster für kompakte Datenschutzhinweise vorgestellt. Dieser sogenannte One-Pager soll die Datenverarbeitung bei Online-Diensten transparent machen. Umsetzen mussten die Unternehmen die Vorlage allerdings selbst – gerade für kleine Anbieter ein erheblicher Aufwand.


Zalando will Übersicht selbst nutzen

Hier will Zalando mit dem neuen Werkzeug helfen: Dieses erhebt mit zwölf Fragen ab, welche Daten eine Website oder App erhebt. Daraus generiert es anschließend einen One-Pager. Diesen können Unternehmen kostenlos herunterladen, als HTML-, PDF- oder Bilddatei. Die technische Umsetzung sowie juristischen Inhalte stammen von Zalando-Experten.

Das Resultat ist eine Übersicht, in der Nutzer erfahren, welche Daten wie erfasst werden und wie der Anbieter sie verwendet – und zwar in kurzen, verständlichen Sätzen. Im Abschnitt über die Nutzung kann etwa stehen: „Der Anbieter gibt Ihre Daten an Dritte weiter. Dies kann aus verschiedenen Gründen erfolgen, beispielsweise zur Lieferung der bestellten Ware, zur Abwicklung der Zahlung oder zu Marketingzwecken.“ Wer Details erfahren will, muss allerdings immer noch die lange Fassung der Datenschutzrichtlinie lesen.

Den genauen Aufwand für das Projekt kann Zalando nicht beziffern. „Das ist bei uns mitgelaufen“, sagt Erler. Denn die Entwicklung übernahmen größtenteils neue Mitarbeiter, die in einer Einführungsphase an dem Projekt arbeiteten. Beteiligt waren außerdem ein Web-Designer, Unternehmensjuristen und Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung.

Zalando will die Übersicht nach dem Gipfel selbst nutzen. „Wir erhoffen uns, dass sich die Kommunikation mit unseren Kunden um das Thema Datenschutz erleichtert“, sagt Erler. Der Kundenservice bekomme dazu regelmäßig Fragen gestellt – sie ließen sich mit der Zusammenfassung einfacher beantworten.

Dass nun alle Kunden des Online-Händlers nachlesen, was mit ihren Daten passiert, glaubt der Zalando-IT-Chef indes nicht. „Wahrscheinlich werden sich nicht viel mehr Leute mit dem Thema beschäftigen.“ Aber: „Diejenigen, die es tun, werden es besser verstehen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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