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DAX-Analyse: Meilenstein der EZB

WGZ Cognitrend Report - das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung

Meilenstein der EZB

Aus einer Hummel wird keine Biene! Noch am Donnerstag der Vorwoche hatte EZB-Chef Mario Draghi ein Bild des Euro aus dessen Anfangstagen bemüht. Damals hätten ihn viele mit einer Hummel verglichen - er galt lange als fluguntauglich, schaffte es dann aber doch, abzuheben. Nun habe sich aber die Luft durch die Finanzkrise geändert, und um weiterzufliegen, erklärte der EZB-Boss, müsse sich die Hummel in eine echte Biene verwandeln. Soweit, so biologisch falsch und am darauffolgenden Donnerstag zeigte sich, dass weder die Hummel noch Mario Draghi die selbstgeschürten hohen Erwartungen erfüllen konnten. Schließlich hatte er versprochen, alles zu tun, um den Euro zu erhalten. Doch statt konkreter, sofortiger Maßnahmen, knüpfte er weitere Staatsanleihekäufe an die Rettungsfonds EFSF und ESM. Erst wenn diese bereit stünden, am Markt aktiv zu sein, und ein schuldengeplagtes Euroland derlei Bondkäufe beantrage, würde auch die EZB am kurzfristigen Anleihemarkt aktiv werden. Das schmeckte den Börsianern gar nicht. Blickt man einmal hinter die Kulissen der Entscheidung, wird aber deutlich: Die EZB wird künftig wie eine Verstärkung der Rettungsschirme wirken. Gelingt es ihnen, die kurzfristigen Zinsen der Schuldenstaaten auf ein erträgliches Niveau zu drücken, könnten sich selbige weiterhin am Markt refinanzieren und wären gar nicht auf weiteres Kapital der Rettungstöpfe angewiesen. Die Notenbank hat der Eurozone damit viel Zeit gekauft (zwei, vielleicht drei Jahre), um eine Konjunkturerholung einzuläuten. Bisher ist aber eine Erholung noch nicht in Sicht, selbst Deutschland spürt nun zunehmend die Bremsspuren der Euro-Schuldenkrise. Einige DAX-Konzerne gaben sich nach der Bekanntgabe ihrer Quartalszahlen zwar einigermaßen optimistisch für das zweite Halbjahr, andere wiederum stellen sich auf schlechtere Zeiten ein, so z.B. Infineon und MAN, die als Frühindikatoren für die gesamte heimische Wirtschaft gelten. Der IWF goss weiteres Öl ins Feuer: Sollte sich die Euro-Schuldenkrise verschärfen, dürfte das die Währungsgemeinschaft mehr als fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung kosten, die USA würden zwei Prozent verlieren und die meisten entwickelten Länder zurück in die Rezession drängen.

Nachdem die Enttäuschung über das weitere Vorgehen der EZB verdaut war, setzte der DAX wieder zur Erholung an. Wir gehen davon aus, dass viele gestrandete Bären den Abtaucher genutzt haben, um sich von ihren schiefen Positionen zu trennen. Der Ausblick bleibt positiv: 6.910 (danach 7.065) und zwar so lange, wie das Nachfrageniveau 6.530/35 unverletzt bleibt.

Alle in diesem Dokument genannten Preisniveaus verlieren bei einem Durchstoß von zehn Punkten ihre Gültigkeit.



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